Der Davoser Nahkampf, die Netflix-Korrektur und das 4.888-Dollar-Signal

Geopolitische Spannungen um Grönland und US-Zölle lösen Risikoaversion aus. Gold erreicht Rekordhoch, während Netflix trotz guter Zahlen für Übernahmepläne abgestraft wird.

Kurz zusammengefasst:
  • Trump bekräftigt US-Anspruch auf Grönland
  • Gold steigt auf Rekordwert von 4.888 Dollar
  • Netflix-Aktie trotz guter Quartalszahlen im Minus
  • Bitcoin fällt als klassisches Risiko-Asset

Liebe Leserinnen und Leser,

normalerweise gleicht das World Economic Forum einem gut choreografierten Ballett der Eitelkeiten. Man nickt sich zu, man tauscht Visitenkarten, man rettet rhetorisch die Welt. Doch heute Nachmittag verwandelte sich das Davoser Kongresszentrum in eine Arena.

Gedränge, Schubsereien und Schlangen, die sich Stunden vor dem Termin bildeten: Der Grund für diesen diplomatischen Ausnahmezustand war der Auftritt von US-Präsident Donald Trump. Wer gestern noch hoffte, die geopolitischen Wogen würden sich glätten, wurde heute eines Besseren belehrt. Während in den Schweizer Alpen über die Neuordnung der Weltkarte verhandelt wird, senden die Märkte Warnsignale, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassen.

1. Grönland: Vom Poker zum Ultimatum

Was wir gestern an dieser Stelle noch als „arktischen Poker“ bezeichneten, hat sich heute Nachmittag in ein handfestes Ultimatum verwandelt. Der Elefant steht nicht mehr nur im Raum, er beansprucht die Bühne.

Donald Trump hat seinen Anspruch auf Grönland nicht nur bekräftigt, sondern zur Frage der nationalen Sicherheit der USA stilisiert. Zwar versicherte er in einem Anflug staatsmännischer Beruhigung, er werde „keine Gewalt anwenden“. Doch der Nachsatz ließ die Zuhörer im Saal frösteln: Im Konfliktfall seien die USA „unaufhaltsam“.

Für Europa ist das mehr als nur verbale Kraftmeierei. Die Drohung steht: Ab dem 1. Februar sollen Zölle gegen acht EU-Länder greifen, darunter Deutschland. Die Reaktion aus Brüssel kam prompt – das Europäische Parlament hat die Arbeit am US-Handelsabkommens vorerst auf Eis gelegt.

Die Märkte reagieren allergisch auf diese Eskalation. Der DAX kämpft bei 24.409 Punkten um Bodenhaftung (minus 1,2 Prozent). Händler sprechen bereits von einem „Sell America“-Trade: Investoren reduzieren ihr Engagement in US-Assets, was paradoxerweise auch europäische Aktien in Sippenhaft nimmt. Der lachende Dritte ist das Gold. Das Edelmetall kletterte auf einen neuen Rekordwert von rund 4.888 US-Dollar pro Feinunze. Wenn Diplomatie zur Handelsware verkommt, sucht das Kapital den ultimativen Schutzbunker.

2. Netflix: Gute Zahlen sind nicht gut genug

Während die Geopolitik die großen Linien zieht, lieferte Netflix den Beweis, dass an der Wall Street derzeit andere Gesetze gelten als noch vor einem Jahr.

Rein operativ glänzte der Streaming-Gigant: Im vierten Quartal 2025 übertraf der Gewinn pro Aktie mit 0,56 Dollar die Erwartungen, die Armee der Abonnenten wuchs auf stolze 325 Millionen. Dennoch wurde die Aktie heute vorbörslich abgestraft und verlor rund 7 Prozent.

Warum diese Dissonanz? Der Markt stört sich an der neuen Aggressivität des Managements. Netflix pausiert seine Aktienrückkäufe, um die geplante Übernahme der Assets von Warner Bros. Discovery in einem reinen Bar-Deal zu stemmen. Investoren, die den stetigen Cashflow durch Rückkäufe lieben, reagieren verschnupft auf dieses milliardenschwere Wagnis. Hinzu kommt ein Warnsignal im Maschinenraum: Das Wachstum der Sehstunden pro Mitglied verlangsamte sich auf nur noch 2 Prozent. Die Botschaft der Börse ist eindeutig: Wachstum durch teure Zukäufe wird in unsicheren Zeiten als Risiko, nicht als Chance gewertet.

3. Krypto im geopolitischen Gegenwind

Wer Bitcoin immer noch pauschal als „digitales Gold“ bezeichnet, muss seine These heute wohl überdenken. Die Kryptowährung verhält sich in der aktuellen Krise nicht wie ein sicherer Hafen, sondern wie ein klassisches Risiko-Asset.

Der Bitcoin rutschte im heutigen Handelsverlauf zeitweise unter die Marke von 89.200 US-Dollar. Zur Erinnerung: Am Wochenende notierten wir noch bei 95.000 Dollar.

Analysten wie Timo Emden bringen es auf den Punkt: Wenn Handelskriege drohen und die Unsicherheit steigt, ziehen institutionelle Investoren Kapital aus volatilen Anlagen ab – egal ob Tech-Aktie oder Krypto-Coin. Erschwerend kommt regulatorischer Gegenwind hinzu: Coinbase-CEO Brian Armstrong zog seine Unterstützung für den „CLARITY Act“ zurück. Damit schwindet die Hoffnung auf schnelle rechtliche Klarheit in den USA. Die Korrelation ist derzeit brutal: Gold steigt, Bitcoin fällt.

4. Deutschlands Industrie: Das Jahr der Entscheidung

Abseits des Davoser Scheinwerferlichts gab es heute aus Berlin Töne, die in den deutschen Vorstandsetagen noch lange nachhallen dürften. BDI-Präsident Peter Leibinger rief 2026 unmissverständlich zum „Schicksalsjahr“ aus. Es entscheide sich jetzt, ob nach Jahren der Stagnation die Basis für einen Aufschwung gelegt werde.

Doch die Realität spricht eine andere Sprache. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft warnt, dass die drohenden US-Zölle Schlüsselsektoren wie den Automobil- und Maschinenbau sowie die Pharma- und Chemiebranche frontal treffen könnten. Zwar kalkulieren Ökonomen, dass 96 Prozent der Zolllast letztlich vom US-Verbraucher getragen würden, doch der daraus resultierende Absatzrückgang träfte die deutsche Exportwirtschaft ins Mark. In Kombination mit der internen Strukturkrise steht der Standort Deutschland vor einem perfekten Sturm.

Das Fazit

Der heutige Tag lehrt uns, dass die alte Börsenweisheit „Politische Börsen haben kurze Beine“ in einer Welt, in der Territorien gegen Zölle ausgespielt werden, ihre Gültigkeit verliert.

Für Ihr Depot bedeutet das: Achten Sie auf die Feinheiten. Wenn Gold Rekorde bricht, während Bitcoin schwächelt, signalisiert der Markt Risikoaversion, nicht Inflationsschutz. Und bei Einzelwerten wie Netflix sehen wir, dass Cash-Management (Sicherheit durch Rückkäufe) derzeit höher bewertet wird als imperiale Expansionspläne.

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Ihr

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