Nike verliert 35 Prozent Gewinn – und übertrifft trotzdem die Erwartungen

Nike übertrifft Erwartungen, verliert aber 35 Prozent Gewinn. Tesla verfehlt Auslieferungsziele. Der Markt bestraft fehlende Preissetzungsmacht und Margenstärke.

Eduard Altmann ·
Nike verliert 35 Prozent Gewinn – und übertrifft trotzdem die Erwartungen

Kurz zusammengefasst

  • Nikes Nettogewinn bricht um 35 Prozent ein
  • Teslas Auslieferungen verfehlen Erwartungen deutlich
  • Teladoc unter Druck von aktivistischen Investoren
  • Markt trennt operative Substanz von leeren Versprechen

Liebe Leserinnen und Leser,

gestern schrieb ich Ihnen über Preissetzungsmacht als Überlebensfaktor. Heute zeigt sich, wie brutal der Markt jene bestraft, die sie verlieren – selbst wenn die Überschrift noch stimmt. Nike übertraf im dritten Quartal die Analystenerwartungen bei Umsatz und Gewinn pro Aktie. Die Aktie stürzte trotzdem um elf Prozent ab. Willkommen in einer Börse, die hinter die Fassade schaut.

Während an den deutschen Zapfsäulen der Dieselpreis an diesem Osterwochenende mit 2,391 Euro pro Liter einen neuen Rekord markiert und 63 Prozent der Arbeitgeber laut BDA-Umfrage eine weitere konjunkturelle Eintrübung erwarten, vollzieht sich an den Kapitalmärkten eine gnadenlose Auslese. Die Börse belohnt keine Hoffnungen mehr. Sie fordert operative Substanz, Margenstärke und nackten Cashflow.

Nike: Die Illusion der guten Zahlen

11,3 Milliarden US-Dollar Umsatz, 0,35 US-Dollar Gewinn pro Aktie – beide Werte über den Schätzungen. Vor zwei Jahren hätte das für ein Kursfeuerwerk gereicht. Nicht mehr.

Der Blick in den Maschinenraum erklärt den Absturz: Der Nettogewinn brach um 35 Prozent auf 520 Millionen US-Dollar ein. Die Marke Converse kollabierte mit einem Umsatzminus von 35 Prozent auf 264 Millionen US-Dollar. Restrukturierungskosten von 300 Millionen US-Dollar drücken zusätzlich, die EBIT-Marge liegt bei 8,0 Prozent – meilenweit vom zweistelligen Ziel entfernt. Und die Prognose für das vierte Quartal stellt einen weiteren Umsatzrückgang in Aussicht. Die Wall Street kennt in solchen Momenten keine Sentimentalität.

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Tesla: Wenn Auslieferungen zur Vertrauensfrage werden

Ähnlich schonungslos trifft es Tesla. Am Donnerstag wurde bekannt, dass die Auslieferungen im ersten Quartal mit 358.023 Fahrzeugen die Erwartungen von rund 370.000 deutlich verfehlten. Ein Minus von 14 Prozent gegenüber dem Vorquartal – die Aktie erlitt den stärksten Tagesverlust des Jahres.

Beide Fälle zeigen dasselbe Muster: Wo die Preissetzungsmacht schwindet, schlägt die makroökonomische Realität ungebremst auf die Margen durch. Genau jene Realität, von der auch die deutschen Arbeitgeber berichten.

Teladoc: Wenn die Raubtiere kreisen

Was geschieht mit Unternehmen, die ihre operative Strahlkraft vollständig eingebüßt haben? Teladoc, einst Vorzeigewert der Telemedizin, notiert bei rund 5 US-Dollar – ein Absturz von 90 Prozent seit den Corona-Hochs. Für 2026 wird ein Umsatzrückgang von 7 Prozent prognostiziert.

Der aktivistische Investor Pineal Capital aus Dublin hat Ende März in einem offenen Brief drastische Maßnahmen gefordert: 200 Millionen US-Dollar für Aktienrückkäufe, harte Kostensenkungen und die Aufspaltung des Unternehmens. Im Visier steht die Therapie-Tochter BetterHelp, die trotz eines leichten Umsatzrückgangs auf 950,4 Millionen US-Dollar als Kronjuwel gilt. Es ist das klassische Playbook für Zeiten hoher Zinsen: Wo organisches Wachstum stirbt, wird Wert durch finanzielle Ingenieurskunst extrahiert.

122 Milliarden für OpenAI – und ein Quarterback als Venture-Capitalist

Apropos Kapitalströme: Während der breite Markt um Margen ringt, verschlingt Künstliche Intelligenz weiterhin astronomische Summen. OpenAI hat in dieser Woche 122 Milliarden US-Dollar eingesammelt – bei einer Bewertung von 852 Milliarden US-Dollar. Zu den Ankerinvestoren zählen Amazon, NVIDIA und SoftBank. Zur Einordnung: Bereits im vergangenen Jahr flossen 14 Prozent des gesamten globalen Venture-Capitals allein an OpenAI und Anthropic.

Abseits dieses Gigantismus entstehen die spannenderen Geschichten. Das Start-up eMed, spezialisiert auf digitale GLP-1-Programme rund um die begehrten Abnehmspritzen, sammelte Ende März 200 Millionen US-Dollar in einer Series-A-Runde ein. Bewertung: über 2 Milliarden US-Dollar. Angeführt wird die Runde von Ex-NFL-Star Tom Brady. Wer ein konkretes, hochmargiges Problem in einem strukturellen Wachstumsmarkt löst, findet auch 2026 problemlos Kapital. Wer nur ein Narrativ verkauft, nicht.

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Krypto: Stabilisierung oben, Panik am Rand

Die Trennung von Substanz und Spekulation zeigt sich nirgends deutlicher als im Krypto-Sektor. Bitcoin stabilisiert sich bei rund 66.900 US-Dollar. Nach vier Monaten der Abflüsse verzeichneten die US-Spot-ETFs im März wieder Zuflüsse von 1,32 Milliarden US-Dollar – eine Bestätigung des institutionellen Trends, den ich in den vergangenen Tagen beschrieben habe.

Jack Dorseys Unternehmen Block reaktiviert ab Montag sogar das alte „Faucet“-Modell von 2010 – eine nostalgische Hommage an die Frühzeit, als Bitcoin verschenkt wurde, um die Adoption voranzutreiben. Am spekulativen Rand sieht die Welt ganz anders aus: Der SIREN-Token stürzte in wenigen Tagen um über 90 Prozent ab. Das extrem hohe Handelsvolumen im Verhältnis zur Marktkapitalisierung deutet auf informierte Exits und ein klassisches Delisting-Risiko hin.

Die Quintessenz

Ob bei Sportartikeln, in der Telemedizin oder bei Kryptowährungen – die Trennlinie verläuft nicht mehr zwischen Gewinnern und Verlierern, sondern zwischen operativer Substanz und hohlem Versprechen. Wenn geopolitische Spannungen die Energiepreise auf Rekordhöhen treiben und die Konjunkturerwartungen eintrüben, reicht ein gutes Narrativ nicht mehr.

Der nächste Lackmustest steht am Freitag, den 10. April, bevor: die neuen US-Inflationsdaten. Sie werden entscheiden, wie viel Druck noch auf dem Kessel bleibt – und ob die Fed ihren Kurs halten kann.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Rest des Wochenendes und einen klaren Blick für die echten Bilanzen.

Herzlichst,
Ihr Eduard Altmann

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