Liebe Leserinnen und Leser,
gestern noch feierten wir die historische 25.000er-Marke im DAX und die Vision einer KI-gesteuerten Zukunft. Heute holt uns die politische Willkür der Gegenwart ein. Wer an den Märkten derzeit nach Logik sucht, braucht starke Nerven – oder einen Algorithmus, der schneller ist als der Twitter-Daumen des US-Präsidenten.
Während Washington die Rüstungsindustrie erst in den Senkel stellt und dann mit Geld überschüttet, erleben wir hierzulande einen bitteren Kontrast: Die Rüstung boomt, der Konsum kapituliert. Der Rückzug von Zalando aus Erfurt ist mehr als eine Unternehmensmeldung; er ist ein Symptom einer Zwei-Klassen-Wirtschaft.
Lassen Sie uns die Volatilität dieses Donnerstags sortieren.
Das Rüstungs-Paradoxon: Zuckerbrot und Peitsche
Es ist ein Lehrstück über die Unberechenbarkeit der Ära Trump. Erst gestern unterzeichnete der Präsident eine Executive Order, die Rüstungskonzerne faktisch erpresste: Keine Aktienrückkäufe und Dividenden mehr, bis die Produktionskapazitäten stehen. Die Kurse von Lockheed Martin und Northrop Grumman knickten prompt ein.
Doch heute folgte die spektakuläre 180-Grad-Wende. Trump fordert nun ein Militärbudget von gigantischen 1,5 Billionen US-Dollar für das Jahr 2027. Zum Vergleich: Aktuell operieren die USA mit rund 901 Milliarden Dollar. Die Begründung aus dem Weißen Haus ist so schlicht wie wirkungsvoll: Die Zolleinnahmen sollen es finanzieren, während die geopolitischen Spannungen – etwa die US-Operation in Venezuela – die perfekte Kulisse liefern.
Die Wall Street reagierte mit einem klassischen Schleudertrauma. Nach dem gestrigen Absturz (Northrop Grumman -5,5 %, Lockheed Martin -4,8 %) drehte die Stimmung heute komplett. Im vorbörslichen Handel schossen Lockheed Martin um rund 6 Prozent und Northrop Grumman um 5,7 Prozent nach oben. Selbst RTX (Raytheon) legte um 3 Prozent zu. Für Anleger bedeutet das: Der Sektor bleibt fundamental attraktiv, ist aber politisch ein Spielball. Wer hier investiert, muss den Newsflow aus Washington fast so genau scannen wie die Bilanzen.
Die geopolitischen Spannungen zwischen den USA und China beschränken sich längst nicht mehr auf Rüstung und Zölle – ein weiterer Technologie-Krieg tobt im Verborgenen: der Kampf um Halbleiter-Dominanz. Tech-Experte Bernd Wünsche analysiert in seinem kostenlosen Webinar, wie der Chip-Krieg zwischen den Supermächten eine Investment-Chance eröffnet, die er als „die neue Nvidia“ bezeichnet. Er zeigt konkret, welches Halbleiter-Unternehmen vom 280-Milliarden-Dollar US CHIPS Act profitieren könnte und warum Mikrochips als das „neue Öl“ des 21. Jahrhunderts gelten. Sie lernen, wie Sie ein Tech-Portfolio aufbauen, das von staatlichen Fördergeldern und dem globalen Chip-Wettrüsten profitiert. Wünsche stellt seine Tech-Aktien-Masterclass für 99 Cent zum Testen zur Verfügung, inklusive Spezialreport zur Halbleiter-Aktie. Details zum Chip-Krieg-Webinar und kostenloser Analyse
Krypto-Winter im Januar? Bitcoin unter 90.000 Dollar
Während die „Old Economy“ des Krieges eine Renaissance erlebt, leidet das digitale Gold. Der Bitcoin fiel heute unter die psychologisch wichtige Marke von 90.000 US-Dollar und notierte zeitweise bei 89.700 Dollar. Damit setzt sich fort, was sich gestern bereits andeutete: Die geopolitische Unsicherheit treibt Anleger paradoxerweise aus dem Risiko-Asset Bitcoin heraus, statt es als sicheren Hafen zu nutzen.
Analyst Timo Emden spricht von einem „fragilen Marktumfeld“, und die Daten geben ihm recht:
* Massiver Aderlass: Die Bitcoin-ETFs verzeichneten gestern Nettoabflüsse von über 486 Millionen Dollar – der stärkste Abzug seit November.
* Kapitulation der „HODLer“: Langfristige Investoren werfen Bestände auf den Markt. Seit Anfang 2023 ist die Menge der seit mindestens zwei Jahren gehaltenen Coins um 1,6 Millionen Stück gesunken.
* Altcoin-Schwäche: Auch Ethereum und Solana geben nach, XRP leidet trotz der neuen Amazon-Partnerschaft.
Die Euphorie des Rekordhochs vom Oktober 2025 ist verflogen. Das Jahr 2026 beginnt für Krypto-Enthusiasten als Geduldsprobe.
Standort Deutschland: Zalandos Rückzug und der Rüstungs-Effekt
Der Schock sitzt tief in Thüringen: Zalando schließt seinen Standort in Erfurt. Rund 2.700 Beschäftigte stehen vor dem Aus. Was vor 14 Jahren als Leuchtturmprojekt für den „Aufschwung Ost“ begann, endet nun abrupt. Die Landespolitik wurde kalt erwischt. Es ist ein Warnsignal, dass der E-Commerce-Boom der Pandemie-Jahre endgültig einer harten Konsolidierung weicht.
Die Ironie des Tages liefert das Statistische Bundesamt: Es meldet überraschend deutlich gestiegene Industrieaufträge für den November. Ein Grund zur Entwarnung? Kaum. Der Anstieg ist fast ausschließlich durch Großaufträge aus der Rüstungsindustrie getrieben (Flugzeuge, Schiffe, Militärfahrzeuge). Ohne diesen Sondereffekt stagniert die deutsche Industrie bestenfalls. Wir sehen eine gespaltene Realität: Der Wehrsektor boomt dank staatlicher Milliarden, während der zivile Konsum- und Logistikbereich unter enormem Druck steht.
Der DAX reagierte heute Mittag verhalten und gab leicht auf 25.099 Punkte nach (-0,1 %). Die 25.000er-Marke hält, aber die Luft wird dünner.
Shells Chemie-Kater
Auch aus London kommen heute Warnsignale. Der Energie-Riese Shell stimmte die Märkte auf ein schwieriges viertes Quartal ein, die Aktie verlor rund 2 Prozent. Das Sorgenkind ist die Chemiesparte: Hier erwartet Shell einen „signifikanten Verlust“, da die Margen von 160 Dollar pro Tonne im dritten Quartal auf 140 Dollar kollabiert sind.
Das ist mehr als nur eine Unternehmensnachricht; es ist ein Indikator für die globale Industrienachfrage. Wenn Shells Chemiesparte Verluste schreibt, bedeutet das oft, dass ganz am Anfang der Wertschöpfungskette – bei Kunststoffen und Grundstoffen – die Nachfrage stockt. Ein weiteres Puzzleteil, das nicht ganz zum Bild einer robusten Konjunkturerholung passen will.
US-Arbeitsmarkt: Das Dilemma der Fed
Zum Abschluss noch der Blick über den Teich: Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA lagen letzte Woche bei historisch niedrigen 208.000. Der Arbeitsmarkt bleibt eng („low-hire, low-fire“). Gleichzeitig sank das US-Handelsdefizit auf den tiefsten Stand seit 2009.
Für die Fed bleibt das Dilemma akut: Eine brummende Wirtschaft und Trumps expansive Fiskalpolitik (1,5 Billionen für Rüstung!) sind der perfekte Nährboden für Inflation. Die Hoffnung auf schnelle Zinssenkungen, die gestern noch den DAX trieb, erhält durch diese Daten einen Dämpfer.
Das Fazit
Wir erleben eine Marktphase, in der politische Willkür die Kurse stärker treibt als fundamentale Daten. Ob Rüstung oder Krypto – die Impulse kommen derzeit primär aus Washington und den geopolitischen Krisenherden. Für uns Anleger heißt das: Liquidität halten und nicht jedem Tweet hinterherlaufen.
Ich wünsche Ihnen einen ruhigen Abend – hoffentlich weniger volatil als die Weltpolitik.
Herzlichst,
Ihr
Eduard Altmann
