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Börsenlexikon
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OptionsscheinMit Optionsscheinen können Investoren bekanntlich viel Geld verdienen aber auch beträchtliche Verluste erleiden. Bevor Sie sich also an die Produkte heranwagen, sollten Sie die Grundbegriffe sehr gut kennen. Optionsscheine gehören zu den derivativen Finanzinstrumenten. Das bedeutet, dass jeder Optionsschein sich auf ein Finanzinstrument bezieht und dessen Kursentwicklung in einem bestimmten Verhältnis widerspiegelt. Grundsätzlich ist der Kauf eines Optionsscheins nur dann sinnvoll, wenn Sie mit einer erheblichen Kursbewegung des Basiswertes rechnen.An deutschen Börsen werden von den Emittenten Optionsscheine auf viele verschiedene Basiswerte angeboten: deutsche und internationale Einzelaktien, deutsche und internationale Aktienkörbe, deutsche und internationale Anleihen, Anleihen- und Aktienindizes, aber auch Waren wie Öl oder Edelmetalle. Das größte und umsatzstärkste Segment des Optionsscheinhandels sind die Warrants auf Indizes, gefolgt von den Optionsscheinen auf Einzelaktien. Vor allem Scheine auf europäische und amerikanische Aktien gibt es in großer Zahl. Wer auf steigende oder fallende Kurse von Standardtiteln, etwa Aktien aus dem DAX, dem Dow Jones EuroSTOXX 50 oder dem Dow Jones Industrial Average, setzen will, kann sich über mangelnde Auswahl nicht beklagen. Es werden Titel mit den verschiedensten Laufzeiten und Basispreisen gehandelt, so dass jeder Anleger den Schein finden wird, der exakt seinen Vorstellungen entspricht. Je nach Richtung der erwarteten Bewegung wird er sich für einen Kauf- oder für einen Verkaufsoptionsschein entscheiden. Der Inhaber eines Optionsscheins hat nämlich das Recht, diesen Basiswert (auch Basisinstrument, Basisobjekt oder Underlying genannt) zu einem bestimmten Preis (Basispreis oder Strike) von einem Emittenten innerhalb eines festgelegten Zeitraums (Laufzeit) in einem bestimmten Verhältnis (Bezugsverhältnis) am Kapitalmarkt zu kaufen oder zu verkaufen oder einen entsprechenden Geldbetrag zu erhalten (weitere Erläuterungen später).Entsprechend unterscheidet man zwischen Kaufoptionsscheinen (Calls) und Verkaufsoptionsscheinen (Puts). Während man mit Calls auf steigende Preise des Underlying setzt, rechnet der Inhaber von Puts damit, dass der Kurs des Basiswertes sinken wird. Das Recht, diesen Wert zu einem festgelegten Preis zu verkaufen, wird desto wertvoller, je tiefer sein Kurs fällt.Der Wert eines OptionsscheinsOptionsscheine können ganz unterschiedliche Ausstattungsmerkmale haben. Für jede Erwartungshaltung gibt es den richtigen Schein. Die Optionsscheinsprache kennt dafür diverse Begriffe.Der Preis eines Optionsscheines setzt sich zusammen aus dem so genannten inneren Wert und dem Zeitwert. Letzterer ist die Differenz zwischen Optionsscheinpreis und innerem Wert. Dieser Zeitwert ist als Entgelt für die "Lebensdauer" eines Optionsrechts zu interpretieren. Je länger die Restlaufzeit einer Option, desto wertvoller ist sie. Das liegt an der Hoffnung bzw. an der Annahme, dass der während der Restlaufzeit erzielbare Differenzbetrag über eine Kursveränderung des Basiswertes bis zum Ende noch steigen kann. So erklärt sich auch, dass der Zeitwert eines Optionsrechts mit abnehmender Restlaufzeit sinkt und schließlich gegen null tendiert, wobei der Verfall des Zeitwertes zum Laufzeitende stark zunimmt. Am Laufzeitende besteht der Preis eines Optionsscheines nur noch aus dem inneren Wert. Ein Optionsschein hat immer einen inneren Wert - auch Parität genannt - wenn er profitabel ausgeübt werden kann. Entscheidend ist, ob der aktuelle Kurswert des Basiswertes unter oder über dem Basispreis liegt. Man unterscheidet hier zwischen Optionen "im Geld" (in the money), "am Geld" (at the money) und "aus dem Geld" (out of the money). Bei Optionsscheinen, die aus dem Geld notieren, also keinen inneren Wert haben, entspricht der Kurswert nur dem Zeitwert. Bleibt die Option bis zum Laufzeitende "out of the money", dann verfällt sie wertlos, weil der Zeitwert auf null schrumpft.Der Kauf von Optionsscheinen, die aus dem Geld notieren, ist also deutlich riskanter als der Erwerb von Scheinen, die einen inneren Wert haben. Optionsscheine, die weit aus dem Geld stehen und eine relativ kurze Restlaufzeit haben, sind daher hochspekulativ. Denn die Gefahr eines Totalverlusts ist hier am größten. Gewinnen kann man mit solchen Optionsscheinen nur, wenn sich der Basiswert schnell und kräftig in die gewünschte Richtung bewegt. Die Wahrscheinlichkeit einer solchen Entwicklung muss in jedem Einzelfall ermittelt werden. Einfluss von KursschwankungenKursschwankungen spielen im Geschäft mit Optionsscheinen eine bedeutende Rolle. Sie sind mitverantwortlich für die Preisgestaltung eines Optionsscheins. Ihre Veränderung sollten Sie stets beachten. Zu den wichtigsten Prämissen der modernen Optionspreistheorie gehört, dass ein Optionsrecht umso wertvoller wird, je ausgeprägter dieses Schwankungsspektrum, sprich Volatilität, ist. Grund: Die Wahrscheinlichkeit, dass der Optionsschein einen inneren Wert bekommt beziehungsweise einen höheren inneren Wert erreichen wird, steigt mit höheren Schwankungsbreiten des Basiswertes. Exakt berechnen lässt sich zwar nur die historische Volatilität. Sie ist aber ein wichtiger Anhaltspunkt für die Ermittlung der erwarteten und der impliziten Volatilität, die in die Berechnung von Optionspreisen eingeht. Mehr als eine Orientierungshilfe vermag das Schwankungsspektrum der Vergangenheit aber nicht zu liefern, denn die Volatilität kann sich sprunghaft verändern.Jeder Börsianer hat das schon erlebt: Eine überraschende Gewinnwarnung, und der Kurs einer zuvor als konservativ, ja langweilig geltenden Aktie bricht um 30 Prozent ein - mit entsprechenden Auswirkungen auf alle Calls und Puts, die diese Aktie als Basiswert haben. Es liegt in der Natur solcher Ereignisse, dass sie überraschend auftreten. Jeder einzelne Optionsscheinhändler bildet sich anhand der Rückrechnung aus den am Markt aktuell gehandelten Optionen ein Urteil über die implizite Volatilität. Der Einfluss dieser Größe auf die Preisbildung von Optionsrechten ist erheblich. Die Ausführungen über die Interdependenz zwischen Optionsscheinkurs und Kurs des Basiswertes - ausgedrückt in dynamischen Kennzahlen - sind deshalb nur solange anwendbar, wie sich die Markteinschätzung der impliziten Volatilität nicht ändert. Es kann sehr lukrativ sein, Optionsscheine kurz vor einem deutlichen Volatilitätsanstieg zu kaufen. Ein Beispiel: Sie erwerben einen Put auf eine Auto-Aktie, kurz bevor das Unternehmen einen überraschende Gewinnwarnung herausgibt. Die Aktie, zuvor nicht für starke Kursbewegungen bekannt, fällt von einem Tag auf den anderen um 25 Prozent. In diesem Fall profitieren Sie als Put-Besitzer doppelt: erstens von dem Kursverfall des Basiswertes in die erwünschte Richtung und zweitens von einem deutlichen Volatilitätsanstieg.Volatilitäts-Gradmesser VDAXAus dem gleichen Grund kann es zu empfindlichen Verlusten führen, wenn man Optionsscheine kauft, die außergewöhnlich hohe Volatilitätswerte haben. Bleiben wir bei unserem Beispiel: Die Aktie ist von 100 auf 200 Euro gestiegen. Nun kaufen Sie, weil Sie mit weiteren starken Kursgewinnen rechnen. Die Aktie aber verharrt für Wochen auf dem erreichten Niveau. Obwohl der Basiswert nicht an Kurswert verliert, werden Calls auf diese Aktie wegen der nun wieder sinkenden Volatilität erhebliche Einbußen verzeichnen. Im Extremfall kann es sogar passieren, dass die Aktie zwar marginal steigt, die Calls aber dennoch an Wert verlieren, weil die implizite Volatilität sinkt. Natürlich spielt hier auch der Zeitwertverlust eine Rolle. Dasselbe gilt mit umgekehrten Vorzeichen für Börsenphasen nach starken Kursverlusten. Hier sogar noch mehr, denn in Baissephasen steigt die Volatilität in der Regel schneller an als in freundlichen Börsenzeiten. Das liegt daran, dass Abwärtsbewegungen oft schneller und heftiger verlaufen als Aufwärtstrends. Als anerkannter Volatilitätsgradmesser gilt der VDAX. Er misst die implizite Volatilität von Optionen, die am Geld notieren und eine Restlaufzeit von 45 Tagen haben. Entscheidend für die Entwicklung des VDAX ist die Volatilitätserwartung der Marktteilnehmer. Grundsätzlich gibt es große Unterschiede zwischen den Volatilitätswerten verschiedener Basiswerte. So ist die implizite Volatilität des DAX stets deutlich niedriger als die der einzelnen Aktien, aus denen sich der Index zusammensetzt. Eine Aktie steigt, eine andere fällt, womit es bezüglich der Volatilität im DAX insgesamt zu einem Ausgleich kommt.Auswahl eines OptionsscheinesGerade im schnellen Optionsscheingeschäft sind bestimmte Kennzahlen wichtig. Dabei kommt es nicht nur darauf an, sie zu kennen, sondern auch darauf, sie richtig zu interpretieren. Statische Kennzahlen ermöglichen eine qualitative Preis-Beurteilung ähnlicher Optionsscheine zu einem bestimmten Zeitpunkt. Solche Kennzahlen sollten nur für den Vergleich von Optionsscheinen ähnlicher Ausstattung verwendet werden.Eine der am meisten beachteten Kennzahlen bei der Bewertung von Optionsrechten ist das Aufgeld. Sein wohl größter Vorteil: Es lässt sich sehr einfach berechnen und liefert so einen schnellen Überblick darüber, welche Scheine für ein Engagement in Frage kommen. Wer Optionsrechte kauft, will mit geringem Kapitaleinsatz überproportional von einer Kursbewegung des Basiswertes profitieren. Das Aufgeld gibt an, um welchen Betrag der Bezug des Basiswertes (bei Calls) über die Ausübung des Optionsrechts mehr kostet als der direkte Erwerb des Basiswertes. Diese Kennzahl sagt aber noch recht wenig aus, denn ein Optionsrecht ist umso mehr wert, je länger seine Restlaufzeit ist, und der zeitliche Aspekt wird hier nicht berücksichtigt. Sinnvollerweise berechnet man zum Vergleich verschiedener Optionsscheine daher das Aufgeld pro Zeiteinheit, in der Regel pro Jahr der Restlaufzeit. Selbst dieses so genannte jährliche Aufgeld kann allerdings nicht ganz befriedigen, denn es wird nicht in Relation zum Optionsschein gesetzt. Dabei liegt es doch auf der Hand, dass zum Beispiel ein Aufgeld von einem Euro höchst unterschiedlich zu werten ist, je nachdem, ob der Optionsschein nun fünf, zehn oder 100 Euro kostet. Zum Vergleich von Optionsscheinen hinsichtlich dieser Kennzahl verwendet man daher das prozentuale Aufgeld. Es gibt an, um wieviel Prozent teurer der Erwerb des Basiswertes durch Kauf und Ausübung über den Optionsschein ist als der Direkterwerb des Basiswertes. Damit hat man ein brauchbares Kriterium für den Vergleich von Optionsrechten.Dennoch wäre die Aussage "Je niedriger das Aufgeld, desto preiswerter die Option" zu simpel. Ein Vergleich ist nur bei solchen Scheinen sinnvoll, die ähnliche Merkmale hinsichtlich Laufzeit und innerem Wert aufweisen. Scheine mit hohem innerem Wert haben in der Regel sehr niedrige, Scheine mit niedrigem oder ohne inneren Wert sehr hohe Aufgelder. Ein Vergleich anhand des prozentualen Aufgelds erfüllt vor allem zwei Zwecke: Er verschafft einen schnellen, unkomplizierten Überblick darüber, welche Scheine überhaupt in Frage kommen. Und wenn man sich bereits für einen bestimmten Basiswert entschieden hat, kann man Scheine mit ähnlichen Laufzeiten und Basispreisen hinsichtlich des Aufgelds vergleichen und sich schließlich für den preiswertesten entscheiden. Die Kennzahl HebelDie wohl bekannteste Optionsscheinkennzahl ist der Hebel. Er gibt an, in welchem Verhältnis ein Optionsschein eine Kursbewegung des Basiswertes nachvollzieht. Der aktuelle oder einfache Hebel errechnet sich durch Divison des Kurswerts des Basiswertes durch den Optionsscheinkurs. Bei einem von 1,0 abweichenden Optionsverhältnis und bei auf Fremdwährungen lautenden Basiswerten (z.B. Auslandsaktien) gehen auch diese beiden Faktoren in die Bewertung mit ein. Dem einfachen Hebel liegt die Annahme zugrunde, dass Kursveränderungen in Währungseinheiten bei Basiswert und Optionsrecht stets gleich hoch ausfallen. Diese Annahme ist jedoch nicht haltbar.Ein Beispiel: Wir nehmen an, ein Optionsschein berechtigt zum Bezug einer Aktie, die 100 Euro kostet. Der Basispreis betrage 200 Euro, die Restlaufzeit sei zwei Monate. Der Schein kostet einen Euro. Der einfache Hebel beträgt also 100 : 1 = 100. Nach den Kriterien des einfachen Hebels müsste der Schein um 1.000 Prozent auf elf Euro steigen, falls sich die Aktie auf 110 Euro erholt. In der Praxis wird er das aber nicht tun, weil die Aktie dann ja noch immer weit vom Basispreis von 200 Euro entfernt ist. Wenn sie nicht innerhalb von zwei Monaten "ins Geld" kommt, also auf mehr als 200 Euro steigt, wird das Optionsrecht wertlos verfallen. Der einfache Hebel taugt daher allenfalls zur Analyse von Optionsrechten mit hohem inneren Wert. Bei Scheinen ohne inneren Wert ist er völlig unbrauchbar.Aus diesem Grund wird heute überwiegend mit dem theoretischen Hebel - auch Omega genannt - gearbeitet . Eine weitere wichtige Kennzahl ist der Break-even-Punkt. Er gibt an, ab welchem Kurs des Basiswertes der Inhaber eines Optionsscheines einen Gewinn macht. Ein Beispiel: Bei einem Optionsscheinkurs von 1 Euro, einem Basispreis von 200 Euro und einem Bezugsverhältnis von 100 : 1, müsste die Aktie über 300 Euro steigen, damit der Anleger mit dem Schein einen Gewinn erzielt. Dynamische Kennzahlen: Delta, Omega, ...Dynamische Kennzahlen erfassen Veränderungen des Optionspreises in Abhängigkeit von Veränderungen etwa des Kurses des Basiswertes, der Laufzeit oder der Volatilität. Sie erlauben, im Gegensatz zu statischen Kennzahlen, eine zeitpunktbezogene Abschätzung zukünftiger Preisentwicklungen von Optionsscheinen. Zu ihrer Bestimmung verwendet man im allgemeinen Optionsbewertungsmodelle. Sie sind stets nur für einen kurzen Zeitraum gültig und müssen neu ermittelt werden, wenn sich maßgebliche Einflußfaktoren verändern. Das DeltaEine dieser Kennzahlen ist das Delta. Mit dem Delta taucht eine der modernen Bewertungskennzahlen auf, die man auch "Griechen" nennt, weil sie nach Buchstaben aus dem griechischen Alphabet benannt sind. Es ist in der modernen Optionspreistheorie die Kennzahl für die Sensitivität eines Optionsscheins gegenüber Kursveränderungen des Basiswertes. Die exakte Berechnung des Deltas wird mit Hilfe von finanztheoretischen Optionsbewertungsmodellen angestellt. Das Delta nimmt für Call-Optionsscheine die Werte zwischen 0 und 1, für Put-Optionsscheine zwischen -1 und 0 an. Ein Delta von 0,70 bedeutet, dass ein Schein mit einem Optionsverhältnis von 1:10 um 0,07 Euro steigt, falls sich der Basiswert um einen Euro nach oben bewegt, und um diesen Betrag fällt, wenn der Basiswert um einen Euro fällt. Zudem kann man es als Näherungswert für die Wahrscheinlichkeit verwenden, dass ein Optionsrecht am Laufzeitende einen inneren Wert aufweisen und somit nicht wertlos verfallen wird. Der Schein aus obigem Beispiel wird also mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent nicht wertlos verfallen. Mathematisch ist Delta die erste Ableitung des Optionsscheinpreises nach dem Kurs des Bezugswertes. Das OmegaAuch der theoretische Hebel, der die prozentuale Veränderung des Optionsscheinpreises in Abhängigkeit von der prozentualen Veränderung des Kurses des Basiswertes angibt, wird mit einem griechischen Buchstaben bezeichnet, dem Omega. Er setzt sich aus der Multiplikation von Delta und Hebel zusammen. Er ist eine nutzvolle Kennzahl, unter der Einschränkung allerdings, dass er nur eine Momentaufnahme darstellt, da sich das Delta im Laufe der Zeit verändert. Mit Hilfe der dynamischen Kennzahlen wurde in den vergangenen Jahrzehnten eine Reihe von Optionspreis-Bewertungsmodellen entwickelt. Neben dem Binomialmodell hat vor allem das "Fair Value"-Modell der beiden amerikanischen Wissenschaftler Fisher Black und Myron Scholes für Aufsehen gesorgt. Mit dem nach ihnen benannten und später weiterentwickelten Black/Scholes-Modell soll es möglich sein, den "fairen Wert" von Optionsrechten zu ermitteln. Dabei handelt es sich um den theoretisch gerechtfertigten Wert, bei dem sich Gewinn- und Verlustwahrscheinlichkeit exakt die Waage halten. Leider beruhen solche Bewertungsmodelle auf Grundannahmen, die in der Realität der Optionsmärkte oft nicht gegeben sind; zum Beispiel ein konstanter Zinssatz, der für Guthaben- und Schuldzinsen gleich ist, oder die uneingeschränkte Möglichkeit von Leerverkäufen. Das Black/Scholes-Modell hat, trotz seiner Schwächen, für eine neue Sichtweise bei der Bewertung von Optionsrechten gesorgt. Das ThetaWir haben schon erörtert, dass der Kurswert eines Optionsrechts aus dem inneren Wert und dem Zeitwert besteht und dass dieser Zeitwert kontinuierlich geringer wird, je näher das Laufzeitende rückt. Das Theta misst nun den Zeitwertverlust pro Zeiteinheit, also zum Beispiel pro Tag oder pro Woche, und zwar unter der Prämisse, dass sich der Kurs des Basiswertes und alle anderen Parameter bis zum Laufzeitende nicht bewegen. Meist wird das Theta in Prozentwerten angegeben. Ein wöchentliches Theta von 1,5 Prozent bedeutet, dass das Optionsrecht pro Woche 1,5 Prozent an Wert verliert, wenn der Basiswert im Kurs stagniert, der innere Wert also konstant bleibt. Das Theta ist stark davon abhängig, ob das Optionsrecht im Geld, am Geld oder aus dem Geld notiert. Bei Scheinen mit hohem inneren Wert ist das Theta am niedrigsten. Bei Optionsrechten "am Geld" verläuft der Zeitwertverlust gegen Ende der Laufzeit am rasantesten. Generell ist die Abnahme des Zeitwertes in den letzten drei Monaten der Laufzeit eines Optionsscheines am größten. Der Anleger muß diesen Wertverlust, der allein aus der kürzer werdenden Restlaufzeit herrührt, stets berücksichtigen. Je näher die Endfälligkeit des Optionsscheins rückt, umso höher müssen die für den Anleger positiven Kursbewegungen des Basiswertes ausfallen, um den größer werdenden Zeitwertverlust zu kompensieren und letztlich einen Gewinn zu ermöglichen. Mathematisch ist Theta die Ableitung des Optionsscheinpreises nach der Zeit. Das GammaEine weitere wichtige Kennzahl ist das Gamma. Es bezeichnet die Sensitivität des Deltas gegenüber Kursveränderungen des Basiswertes. Je höher der Gamma-Wert, desto stärker reagiert das Delta auf solche Bewegungen. Ein Gamma von 0,02 bedeutet: Steigt oder fällt der Kurs des Basiswertes um einen Euro, so verändert sich das Delta um 0,02 Einheiten. Den höchsten Wert erreicht das Gamma bei Optionsscheinen, die am Geld notieren, und dieses Maximum fällt umso höher aus, je kürzer die Restlaufzeit des Optionsrechts ist. Mathematisch ist Gamma die erste Ableitung von Delta nach dem Kurs des Basiswertes und damit die zweite Ableitung der Entwicklung des Optionspreises in Abhängigkeit von Kursänderungen des Basiswertes. Das VegaDas Vega ist die Kennzahl, die den Einfluss von Volatilitätsschwankungen des Basiswertes auf den Optionsscheinkurs angibt. Sie erinnern sich: Die Volatilität ist die Kursschwankungsbreite des Basiswertes innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Sie ist neben dem Kurs des Basiswertes der wichtigste Einflussfaktor für den Wert von Optionsrechten. Das Vega gibt an, in welchem Maß sich der Kurs des Scheins verändert, wenn die implizite Volatilität um einen Prozentpunkt steigt oder fällt. Ein Vega von 0,25 besagt: Wenn sich die Volatilität des Basiswertes um ein Prozent verändert, dann steigt oder fällt der Wert des Optionsrechts um 0,25 Währungseinheiten, bereinigt um das Bezugsverhältnis. Ebenso wie das Gamma ist auch das Vega bei solchen Optionen am höchsten, die am Geld notieren. Im Gegensatz zum Gamma fällt das Vega-Maximum aber umso höher aus, je länger die Restlaufzeit des Optionsrechts ist. Mathematisch gesehen ist Vega die erste Ableitung des Optionsscheinpreises nach der Volatilität. Das RhoDas Rho ist die Maßzahl für den Einfluss von Zinsveränderungen auf den Wert von Optionsrechten. Bei der Berechnung von Optionspreisen wird nicht der aktuelle Kurs, sondern der Terminkurs des Basiswertes zugrunde gelegt. Dieser Terminkurs setzt sich aus dem aktuellen Kurs und einem Faktor, den man Costs of carry nennt, zusammen. Er gibt die Gesamtheit der Kosten zur Finanzierung des Basiswertes bis zum vereinbarten Fälligkeitstermin der Option an. Diese Kosten hängen in erster Linie vom Zinsniveau ab. Ein Rho von 0,50 bedeutet, dass sich der Optionskurs - bereinigt um das Bezugsverhältnis - um 0,50 Euro verändert, wenn der inländische Zinssatz um einen Prozentpunkt steigt oder fällt. Im Bereich der Devisenoptionen muss auch der ausländische Zinssatz beachtet werden. So haben zum Beispiel Euro/US-Dollar-Optionsscheine zwei Rho-Kennzahlen: eine für den Eurozins und eine für den Dollarzins. Bei den meisten anderen Optionen kann das Rho aber vernachlässigt werden, denn extreme Veränderungen des Zinsniveaus innerhalb kurzer Zeit sind sehr selten. Rho ist mathematisch die Ableitung des Optionsscheins nach dem Zins. StrategiemöglichkeitenOptionsscheine lassen sich für eine ganze Anzahl von Anlagestrategien einsetzen. Im Vordergrund stehen natürlich die Erwartungshaltung und die Ziele des Anlegers. Man kann Optionsscheine für sehr konservative Zwecke verwenden, zum Beispiel zur Absicherung vorhandener Wertpapierbestände. Man kann damit aber auch aggressive Spekulationen auf steigende oder fallende Kurse des Basiswertes durchführen. Und man kann einem konservativen Wertpapierdepot einen gewissen Renditekick verleihen, indem man einen kleinen Prozentsatz seines Kapitals in Optionsscheine investiert. 90/10-StrategieWer Letzteres vorhat, kann die so genannte 90/10-Strategie anwenden. Die Bezeichnung ist so zu verstehen, dass der Anleger in seinem Depot festverzinsliche Wertpapiere und Optionsscheine kombiniert. Der Depotanteil der Festverzinslichen beträgt 90 Prozent, 10 Prozent werden in Optionsscheine investiert. Die Idee dahinter: Die Zinserträge der Anleihen müssen so hoch sein, dass sie einen möglichen Totalverlust der Warrants kompensieren. Ein Anleger, der 100.000 Euro zur Verfügung hat, kann also 90.000 Euro in Bundesanleihen mit zwei Jahren Restlaufzeit und einer Rendite von 5,5 Prozent stecken. In zwei Jahren werden die Anleihen getilgt und er vereinnahmt insgesamt elf Prozent Zinsen, also 9.900 Euro. Er hat somit in zwei Jahren 99.900 Euro zur Verfügung, selbst wenn sich das Optionsschein-Engagement als völliger Flop erweisen sollte. Andererseits besteht natürlich die Möglichkeit, dass die Warrants attraktive Kursgewinne bringen, wodurch die Gesamtperformance des Depots deutlich höher ausfallen würde, als wenn unser Anleger sein gesamtes Geld in Festverzinsliche gesteckt hätte. Die Anwendbarkeit dieser Strategie hängt natürlich vom allgemeinen Zinsniveau ab. Je höher der risikolos erzielbare Zins erstklassiger Anleihen liegt, desto sinnvoller ist sie. Long CallDie wohl bekannteste Strategie an den Optionsscheinmärkten ist der Kauf von Kaufoptionsscheinen (Calls), im Fachjargon "Long Call" genannt. Der Anleger setzt dabei auf einen Kursanstieg des Basiswertes bis zum Verfallstag des Scheins. Zum Erfolg führt diese Strategie nur dann, wenn der Break-even-Punkt erreicht wird: Der Kurs des Basiswertes muss auf ein höheres Niveau steigen als die Summe von Basispreis plus Optionsscheinkurs mal Bezugsverhältnis zum Kaufzeitpunkt. Transaktionskosten bleiben außen vor. Long PutDie gegenteilige Strategie, den Kauf eines Verkaufsoptionsscheins (Put), nennt man "Long Put". Man setzt dabei darauf, dass der Kurs des Basiswertes kräftig sinkt. Der Break-even-Punkt ist hier erreicht, wenn der Kurs des Basiswertes weniger beträgt als Basispreis minus Optionsscheinkurs zum Kaufzeitpunkt mal Bezugsverhältnis. Ein Beispiel: Sie kaufen einen Put auf eine Aktie mit Basispreis 100 Euro und einem Bezugsverhältnis von 1,0. Pro Warrant zahlen Sie zehn Euro. Der Break-even-Punkt liegt bei 90 Euro. Sollte die Aktie bis zum Laufzeitende Ihres Optionsrechts noch tiefer sinken, führt Ihr Engagement zu einem Gewinn. Auch hier sind Transaktionskosten außen vor gelassen. HedgingOptionsscheine lassen sich allerdings auch für sehr konservative Zwecke einsetzen; zum Beispiel zur Absicherung (Hedging) von Wertpapierbeständen gegen drohende Kursverluste. Wer etwa große Aktienbestände im Depot hat und mit einer Abwärtsbewegung rechnet, kann auf den Gedanken kommen, die Aktien zu verkaufen. Eventuell sprechen aber steuerliche oder sonstige Erwägungen gegen einen Verkauf. Auch die hohen Transaktionskosten für den Verkauf und eventuell für den späteren Rückkauf sind in diesem Zusammenhang zu bedenken. Ein Verkauf ist aber gar nicht erforderlich, denn der Anleger kann sich mit Verkaufsoptionen (Puts) wirkungsvoll gegen Kursverluste seiner Aktien "versichern". Der Grundgedanke: Falls es tatsächlich zu Kursverlusten der Aktien kommt, steigt der Wert der Verkaufsoptionen, so dass unter dem Strich keine Werteinbußen entstehen.Wie jede andere Versicherung kostet jedoch auch diese Absicherungsstrategie Geld: Der Kaufpreis für die Puts ist quasi als Versicherungsprämie zu verstehen. Wenn der Kursrutsch ausbleibt, ist diese Prämie zwar verloren, aber der Anleger kann beruhigt agieren. Es ist zwischen einem statischen und einem dynamischen Hedge zu unterscheiden.Der statische Hedge eignet sich als 100-Prozent-Absicherung zum Laufzeitende, der dynamische während der Laufzeit. Beim statischen wird nur zu einem Zeitpunkt berechnet, welche und wie viele Puts nötig sind, um das Depot abzusichern. Die Anzahl bleibt konstant, daher auch der Zusatz "statisch". Bei einem dynamischen Hedge wird hingegen die Put-Position je nach Kursentwicklung der Aktien regelmäßig angepasst. Die Position ist also "dynamisch". Profis wie Fondsmanager oder Vermögensverwalter ziehen meist den dynamischen Hedge vor. Für die Zwecke von Privatanlegern reicht der statische Hedge oftmals aus, zumal die laufende Anpassung hohe Transaktionskosten nach sich ziehen würde.Am leichtesten fällt der Hedge, wenn im Depot nur hochkapitalisierte Aktien enthalten sind, auf die es Puts gibt. Oder wenn die Zusammenstellung des Depots recht genau einem Index entspricht, auf den ebenfalls zahlreiche Puts gehandelt werden. In diesen Fällen kann man entweder jede einzelne Position oder das gesamte Depot mit entsprechenden Verkaufsoptionsscheinen absichern. Je wertvoller das Depot, desto höher wird natürlich die Versicherungsprämie ausfallen. Außerdem hängt sie davon ab, wie umfangreich der angestrebte Schutz sein soll, ob der Anleger also quasi eine Vollkasko-Police oder Teilkasko mit Selbstbeteiligung haben will.Hat ein Anleger ein Depot, das in hohem Maß dem DAX entspricht, und will sich absichern, kann er wie folgt agieren: Gesetzt den Fall, der DAX steht bei 3.000 Punkten und der Anleger befürchtet ein Absinken auf 2.000 Punkte. Er kann sich nun eine entsprechende Zahl von Puts mit einem Basispreis von 3.000 Punkten kaufen, um Vollkaskoschutz zu genießen. Diese Absicherung ist aber sehr teuer. Puts mit einem Basispreis von #2.800 Punkten und identischer Laufzeit sind erheblich billiger. billiger. Wenn der Anleger letztere kauft, muss er einen Teil der Verluste selber tragen, falls es tatsächlich zum befürchteten Kurseinbruch kommt. Der Versicherungsschutz greift erst bei DAX Ständen von weniger als 2.800 Punkten. Der Bereich zwischen 2.800 und 3.000 Punkten entspricht also der Selbstbeteiligung bei einer Teilkaskoversicherung. Natürlich kann der Anleger auch je zur Hälfte Scheine mit Basispreisen von 2.800 und von 3.000 Punkten kaufen, eine noch höhere Selbstbeteiligung wählen und alle Möglichkeiten, je nach seiner Erwartungshaltung, beliebig kombinieren. Diese Entscheidung ist nicht leicht und muss in jedem Einzelfall sorgfältig abgewogen werden. Beim dynamischen Hedge lässt sich die Anzahl der benötigten Optionsrechte am besten über das Delta ermitteln, also anhand der Sensitivität eines Optionsscheins gegenüber Kursveränderungen des Basiswertes. Bei Puts steht vor dem Prozentwert des Delta ein Minusvorzeichen. Hat ein Put einen Deltawert von -50 (-25) Prozent, dann sind zur Absicherung einer Aktie zwei (vier) Puts erforderlich, denn der Put vollzieht eine Kursveränderung der Aktien ja nur im Verhältnis von 0,5 (0,25) nach.Zwischen Risikobereitschaft und Kennzahlen-AnalyseBei jeder Investitionsentscheidung sind bestimmte Grundsätze zu berücksichtigen, wie etwa Anlagetyp und Risikoneigung des Investors. Ist er also eher konservativ/risikoavers oder eher aggressiv/risikofreudig. Außerdem steht der Anlagezweck im Blickpunkt. Geht es bei der Investition um Spekulation, Verlustbegrenzung beziehungsweise Hedging oder um gezielte Anpassung von Chance-Risiko-Profilen durch einen kombinierten Einsatz von Instrumenten.Quellenangabe für diesen Artikel: Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Optionsschein aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU Lizenz für freie Dokumentation. 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Dürr: Vom anhaltenden ... Sven Krupp, (11:51) |
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Union Pacific - ... Heiko Geiger, Bank Vontobel Europe. (11:45) |
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Günstige ... Arnim E. Kogge, Bankhaus ELLWANGE. (11:43) |
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Deutscher Aktienmarkt ... IG Markets, (11:01) |
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Forex-Signale für heute Berndt Ebner, Der-Trading-Coach.com (10:15) |
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DAX Future ... trading notes future, (10:12) |
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DAX® (weekly) - 38-... Jörg Scherer, HSBC Trinkaus (08:51) |
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DAX - ... H. Weygand, Godmode-Trader (08:50) |
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