12,7 Prozent Marge, 16 Prozent Anleiherendite: Was der Markt jetzt bezahlt

Nordex hebt nach kräftigem Margenanstieg das Jahresziel an; CoreWeaves Anleiherendite steigt auf fast 16 Prozent.

Eduard Altmann ·
KI-generiertes Symbolbild
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Nordex-Marge steigt auf 12,7 Prozent
  • Margenziel für 2026 angehoben
  • CoreWeave-Anleihe rentiert fast 16 Prozent
  • Rund 52 Milliarden Dollar Schulden

Liebe Börsianerinnen und Börsianer,

fast 16 Prozent Rendite verlangen Anleger inzwischen für eine Anleihe des KI-Rechenzentrumsbetreibers CoreWeave. Diese Zahl fasst die Lehre der Woche zusammen: Der Markt bezahlt Cashflow, nicht Wachstumsversprechen auf Kredit.

Nordex wurde am Freitag für einen kräftigen Margensprung belohnt, während CoreWeave mit mehr als 50 Milliarden Dollar Schulden zum Symbol der KI-Finanzierungsangst wurde. Der DAX schüttelte die Sorgen am Freitag ab und beendete die Woche mit einem Plus von gut 2 Prozent über der 100-Tage-Linie. Die Wall Street dagegen erlebte ihre schwächste Woche seit Juni.

Nordex: Die Marge ist die Nachricht, nicht der Umsatz

Nordex hat am Freitag vorläufige Zahlen zum dritten Quartal vorgelegt, die vor allem eines zeigen: Der Windanlagenbauer verdient inzwischen an seinem Wachstum. Der Umsatz stieg auf 2,19 Milliarden Euro nach 1,71 Milliarden im Vorjahresquartal.

Entscheidender ist die EBITDA-Marge, die nach vorläufigen Zahlen von 8,0 auf 12,7 Prozent sprang. Der freie Cashflow lag bei 379 Millionen Euro, mehr als das Doppelte des Vorjahres. Folgerichtig hob Nordex das Margenziel für 2026 auf 11,5 bis 12,5 Prozent an, nach zuvor 8,0 bis 11,0 Prozent.

Die Nordex-Aktie schloss am Freitag mit einem Plus von 4,3 Prozent bei 39,02 Euro und liegt im laufenden Jahr rund 34 Prozent vorn. Das 52-Wochen-Hoch von 51,40 Euro aus dem April bleibt damit noch ein Stück entfernt. Der dänische Wettbewerber Vestas legte im Sog gut 4 Prozent zu. Dass Kostendisziplin keine Selbstverständlichkeit ist, zeigte dieselbe Woche: Der Windparkentwickler PNE und der Staplerhersteller Kion kappten ihre Prognosen.

Die eigentliche Pointe für Ihr Depot: Nordex belegt, dass ein Energietechnik-Wert mit vollem Auftragsbuch nur dann neu bewertet wird, wenn aus Volumen auch Marge und Cash werden – genau das Profil, das bei steigenden Zinsen gesucht ist.

Strukturellen Rückenwind liefert Bundesbankpräsident Joachim Nagel, der am Freitag in Bangkok eine bezahlbare Energieversorgung auf Basis erneuerbarer Energien als Voraussetzung für den KI-Strombedarf anmahnte.

Am Rand noch ein Nischengewinner derselben Logik: Der Biokraftstoffhersteller Verbio sprang um 16,6 Prozent auf 29,84 Euro, nachdem Jefferies die Aktie mit Kursziel 42 Euro auf Kaufen gestuft hat.

CoreWeave: Wenn die Zinslast den Umsatz auffrisst

Das Gegenstück zur Nordex-Geschichte spielt in den USA. CoreWeave, einer der größten Vermieter von KI-Rechenleistung, verlor am Freitag weitere 12 Prozent auf umgerechnet 54,63 Euro. Binnen 30 Tagen summiert sich das Minus auf 25 Prozent, die CoreWeave-Aktie notiert nur noch knapp über ihrem 52-Wochen-Tief vom Juli.

Der Auslöser sitzt am Anleihemarkt: Die Rendite der CoreWeave-Anleihe mit Laufzeit bis 2031 kletterte auf fast 16 Prozent. Kreditausfallversicherungen auf fünf Jahre kosten rund 1.000 Basispunkte, was eine Ausfallwahrscheinlichkeit von etwa 63 Prozent impliziert.

Die Bilanz dahinter erklärt die Skepsis der Gläubiger. CoreWeave hat seit dem Börsengang nie Gewinn erzielt und trägt inklusive Leasingverpflichtungen rund 52 Milliarden Dollar an Schulden.

Im zweiten Quartal verschlangen allein die Zinsen 21,7 Prozent des Umsatzes. Für 2026 erwarten Analysten bei knapp 13 Milliarden Dollar Umsatz einen Verlust von 2,13 Milliarden Dollar, bei Investitionen von bis zu 39 Milliarden Dollar.

Dem steht ein Auftragsbestand von 104 Milliarden Dollar gegenüber, zu zwei Dritteln von Kunden wie Microsoft und Meta. Nvidia hat als zweitgrößter Aktionär zudem zugesagt, unverkaufte Kapazitäten bis 2032 für 6,3 Milliarden Dollar abzunehmen.

Die Ansteckung erfasste die gesamte Halbleiterkette. Der Philadelphia-Halbleiterindex fiel am Freitag den achten Tag in Folge, die längste Verlustserie seit 2008. Micron verlor 5,9 Prozent, AMD 6,2 Prozent, Intel 6,0 Prozent, Nvidia hielt sich mit minus 1,7 Prozent vergleichsweise stabil. Nvidia-Chef Jensen Huang beschwichtigte am Samstag in Berlin, die Turbulenzen würden vorübergehen.

Sören Hettler von der DZ Bank nennt die Korrektur eine selektive Neubewertung – und genau so sollten Sie sie lesen: Unter Druck stehen hoch bewertete, stark fremdfinanzierte Teile des KI-Booms, während profitable Firmen mit starkem Cashflow höhere Finanzierungskosten verkraften. Die Belege lieferte dieselbe Woche.

TSMC meldete am Donnerstag einen Quartalsumsatz von rund 41 Milliarden Euro, ein Plus von knapp 51 Prozent. ASML hob am Mittwoch nach einem Rekordquartal mit 57,5 Prozent Bruttomarge die Jahresprognose auf 44 bis 45 Milliarden Euro an. Die Nachfrage ist da. Offen ist nur, wer sie sich leisten kann.

Rüstung: Die Erholung trennt Auftragsbelege von Hoffnungswerten

Die zweite Erholungsgeschichte der Woche spielte im Verteidigungssektor. Rheinmetall gewann am Freitag 5,4 Prozent auf 1.090,20 Euro und führte den DAX an.

Hensoldt legte 5,9 Prozent auf 87,80 Euro zu, Renk 4,9 Prozent auf 38,16 Euro, TKMS 3,5 Prozent auf 83,30 Euro. Im SDAX sprang der Raumfahrtkonzern OHB um 13 Prozent auf 191,60 Euro, nach rund 155 Euro zu Wochenbeginn.

Den Anstoß lieferte Morgan Stanley. Die Analysten erwarten zum Jahresende mehr Aufträge aus dem Bundeshaushalt und sehen das Vertrauen in die Ziele für 2027 gestärkt. Ein neuer NATO-Militärplan sieht zudem eine autonome Zone an der Ostflanke vor, dessen Umsetzung allerdings von der Mittelbereitstellung abhängt.

Die Jahresbilanz zeigt jedoch, wie unterschiedlich die Ausgangslagen sind. Hensoldt liegt 2026 rund 20 Prozent im Plus. Renk dagegen verlor seit Jahresbeginn 29 Prozent und markierte erst am 8. Oktober ein 52-Wochen-Tief bei 33,49 Euro. Rheinmetall bleibt weit unter seinem Januar-Hoch von 1.965 Euro. Wer auf eine Jahresendrally setzt, sollte also wissen: Der Markt belohnt derzeit Auftragsbelege, keine Sektorzugehörigkeit.

Zinsen und Energie: Warsh schweigt, die Inflation spricht

Fed-Chef Kevin Warsh hat am Freitag in Bangkok jedes Zinssignal verweigert und Vorab-Hinweise ausdrücklich als beendetes Kapitel bezeichnet. Die Märkte lasen das als Entwarnung: Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung bei der Sitzung am 27. und 28. Oktober fiel laut CME-Terminbörse von 28 auf 15 Prozent. Der US-Leitzins liegt nach der September-Erhöhung bei 3,75 bis 4,00 Prozent.

Die Daten sprechen eine andere Sprache. Die US-Verbraucherpreise stiegen im September um 3,7 Prozent, die Erzeugerpreise um 6,3 Prozent, deutlich über den erwarteten 5,5 Prozent. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen hielt sich bei rund 5,1 Prozent.

Barclays rechnet daher mit je 25 Basispunkten im Dezember und Januar, Goldman Sachs mit einer letzten Erhöhung im Dezember. Warsh selbst nannte die KI-Investitionswelle einen Nachfrageschock für Zentralbanken.

In Europa sieht es kaum anders aus. Die Inflation im Euroraum lag im September bei 3,8 Prozent, dem höchsten Wert seit drei Jahren. Die EZB hat den Leitzins 2026 bereits um 50 Basispunkte auf 2,50 Prozent angehoben, der Markt preist einen weiteren Schritt im Dezember ein.

Nagel schloss weitere Erhöhungen am Freitag nicht aus. Hinter allem stehen die Energiepreise: Brent kostet wegen des Iran-Kriegs und der Lage in der Straße von Hormus über 100 Dollar, europäisches Gas notiert nahe den Höchstständen von 2022. Für Ihr Depot heißt das: Die Finanzierungskosten sinken vorerst nicht – und der Vorteil für Firmen mit eigener Kasse bleibt.

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Ausblick: Die Berichtssaison übernimmt

Die kommende Woche rückt die Bilanzen in den Mittelpunkt. Am Dienstag kommen die deutschen Erzeugerpreise für September, erwartet werden 6,3 Prozent im Jahresvergleich nach 4,6 Prozent. Gleichzeitig dürften die ZEW-Konjunkturerwartungen auf 29,9 Punkte nachgeben, nach 34,7 im September.

Am Dienstagabend berichtet die Deutsche Börse, am Mittwoch SAP, dessen Aktie am Freitag zu den DAX-Verlierern zählte. Am Freitag folgen die Einkaufsmanagerindizes für Oktober.

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In den USA legen Netflix, Tesla, IBM, Texas Instruments und Intel vor. Für die US-Konzerne wird in Summe ein Quartalsgewinn unterhalb des zweiten Quartals erwartet, für den STOXX 600 dagegen laut LSEG ein Gewinnwachstum von 20,7 Prozent. Netflix hat bereits den Abbau von rund 6 Prozent der Belegschaft angekündigt. BioNTech-Anleger blicken auf Samstag, den 24. Oktober, wenn Melanom-Studiendaten erwartet werden.

Unterm Strich

Nordex und CoreWeave stellen dieselbe Frage und geben zwei Antworten: Wächst ein Unternehmen aus eigener Kraft oder auf Kredit? Solange Inflation und Anleiherenditen hoch bleiben, entscheidet diese Frage über die Bewertung, nicht die Branche. Das gilt für Windkraft und Rüstung ebenso wie für die KI-Infrastruktur. Die Berichtssaison der kommenden Woche ist der nächste Test dafür.

Genießen Sie den Rest des Wochenendes – ab Dienstag geben die Erzeugerpreise wieder den Takt vor.

Beste Grüße,

Ihr Eduard Altmann

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