21 Stunden in Islamabad – und was sie für Ihr Depot bedeuten

Das Scheitern der US-Iran-Gespräche führt zu einer Blockade der Straße von Hormus und treibt die Ölpreise. Dies erhöht die Inflationsgefahr und setzt die Notenbanken sowie die laufende US-Berichtssaison unter Druck.

Eduard Altmann ·
21 Stunden in Islamabad – und was sie für Ihr Depot bedeuten

Kurz zusammengefasst

  • Blockade der strategischen Ölstraße Hormus
  • Ölpreis steigt auf fast 144 Dollar pro Barrel
  • US-Inflation erreicht höchsten monatlichen Sprung seit 2022
  • US-Bankenberichte als Stresstest für Märkte

Liebe Leserinnen und Leser,

gestern schrieb ich, die Woche werde von den US-Banken dominiert. Das stimmt noch immer. Doch bevor morgen Goldman Sachs seine Bücher öffnet, hat die Geopolitik die Spielregeln verschärft.

21 Stunden saßen die Delegationen in Islamabad zusammen. 21 Stunden, in denen die Weltwirtschaft auf ein Ende des US-Iran-Konflikts hoffte. Als US-Vizepräsident J.D. Vance heute seinen Rückflug antrat und für einen Tankstopp im pfälzischen Ramstein landete, war die Ernüchterung bereits in Zahlen gegossen. Der Durchbruch ist ausgeblieben – iranische Kernforderungen und amerikanische Sicherheitsbedenken ließen sich nicht vereinen.

US-Präsident Donald Trump reagierte umgehend: Die US-Marine werde die Straße von Hormus blockieren. Ein Nadelöhr, durch das normalerweise 20 Prozent des weltweiten Öls fließen. Die Flugzeugträger USS Gerald Ford und USS Abraham Lincoln kreuzen bereits im Persischen Golf, erste Minenräumungen haben begonnen. Für die globalen Märkte endet damit die kurze Phase der Entspannung, die in den vergangenen Tagen für leichte Erleichterung gesorgt hatte.

Wie der Ölpreis die Notenbanken einholt

Die Folgen der Blockade lesen sich wie ein Lehrbuch für importierte Inflation. Physisches Rohöl der Sorte Brent kratzte vor der fragilen Waffenruhe bereits an der Marke von 144 US-Dollar pro Barrel. Die US-Verbraucherpreise für den März liefern den Beleg: ein Anstieg von 3,3 Prozent zum Vorjahr, getrieben von einem monatlichen Preissprung von 0,9 Prozent – dem höchsten seit Juni 2022.

Das ist kein vorübergehendes Rauschen. Die Cleveland Fed prognostiziert für den April bereits eine Inflationsrate von 3,56 Prozent. Für die US-Notenbank, die den Leitzins seit September 2024 sechsmal gesenkt hat, schließt sich das Fenster für weitere Lockerungen rapide. Jamie Dimon, der Chef von JPMorgan, hat es kürzlich auf den Punkt gebracht: Zinsen wirken wie die „Schwerkraft“ auf alle Vermögenspreise. Wenn sie hoch bleiben müssen, um den Energiepreisschock abzufedern, wird die Luft für den S&P 500 dünn. Dessen Shiller-KGV – das die Gewinne der letzten zehn Jahre glättet – notiert auf dem zweithöchsten Wert der vergangenen 155 Jahre.

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Die Berichtssaison als Belastungstest

Damit rückt das eigentliche Marktereignis dieser Woche in den Fokus: die US-Berichtssaison. Analysten erwarten für den S&P 500 im ersten Quartal 2026 ein Gewinnwachstum von 12,5 Prozent. Die Frage, die ich gestern stellte – ob die amerikanische Wirtschaft den dreifachen Druck aus Inflation, Geopolitik und restriktiver Geldpolitik absorbieren kann –, wird nun Quartalsbericht für Quartalsbericht beantwortet.

Goldman Sachs macht morgen den Anfang, am Dienstag folgen JPMorgan, Wells Fargo und die Citigroup. Diese Zahlen sind weit mehr als Bilanzen: Sie sind der verlässlichste Gradmesser für die globale Liquidität und die Verfassung der US-Wirtschaft. Bemerkenswert ist, was JPMorgan parallel tut. Die Bank startet eine 80 Milliarden US-Dollar schwere „American Dream Initiative“, um in den nächsten zehn Jahren Kredite an Kleinunternehmen zu vergeben. Wer solche Summen in Bewegung setzt, rechnet nicht mit einem tiefen wirtschaftlichen Einbruch, sondern positioniert sich für die Zeit nach dem geopolitischen Sturm.

Europas doppelte Last

Wie weit Europa von dieser Dynamik entfernt ist, zeigte an diesem Wochenende ein Blick nach Berlin. In der Villa Borsig am Tegeler See rang die schwarz-rote Koalition in einem Verhandlungsmarathon um Entlastungen in der Energiepreiskrise. Der Handlungsdruck ist konkret: An den Zapfsäulen kostet der Liter Diesel im Schnitt 2,30 Euro. Der Bauernverband warnt wegen explodierender Düngerpreise vor drastisch steigenden Lebensmittelpreisen ab dem Sommer.

Während US-Haushalte über Benzinpreise von 4 Dollar pro Gallone klagen, kämpft Europas Industrie mit strukturellen Schwächen, die der Ölpreisanstieg nur schonungslos offenlegt. Eine aktuelle EY-Studie zur Autoindustrie im abgelaufenen Jahr 2025 belegt das: Japanische und chinesische Hersteller steigerten ihre Umsätze, die deutschen Autobauer – BMW, Mercedes, VW – verbuchten ein Umsatzminus von 4,1 Prozent. Ihr operativer Gewinn brach um rund 44 Prozent ein. Fast 60 Milliarden Euro mussten weltweit auf E-Auto-Investitionen abgeschrieben werden. Wer nach der Werkschließung von Playmobil in Dietenhofen noch ein Standort-Signal brauchte, findet es hier.

Der Kalender der Woche

Neben den Bankbilanzen wird die Woche von harten Konjunkturdaten bestimmt. Am Dienstag erscheint der US-Erzeugerpreisindex (PPI) – er wird zeigen, wie viel des Ölpreisschocks bereits in den Lieferketten der Unternehmen steckt. Am Donnerstag folgen die endgültigen Inflationsdaten für die Eurozone und das britische Wirtschaftswachstum.

Die Quintessenz

Die entscheidende Frage für die kommenden Tage lautet nicht, ob die Energiepreise hoch bleiben. Nach dem Scheitern von Islamabad ist das eine Gewissheit. Die Frage lautet, ob die Unternehmensgewinne stark genug sind, um diese Last zu tragen – und ob die Fed trotz 3,56 Prozent Inflation stillhalten kann, ohne die Konjunktur abzuwürgen. Die Wall Street wird uns ab morgen die ersten Antworten liefern. Achten Sie dabei besonders auf die Aussagen der Bank-CEOs zur Kreditvergabe und zum Konsumverhalten der US-Haushalte. Diese Einschätzungen aus erster Hand sind derzeit wertvoller als jedes Makro-Modell.

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Ich wünsche Ihnen einen guten Start in diese anspruchsvolle Handelswoche.

Herzlichst,
Ihr Eduard Altmann

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