30,6 Milliarden für die älteste Bank der Welt — wo jetzt Rendite entsteht

Intesa Sanpaolo startet milliardenschweres Übernahmeangebot für Monte dei Paschi. Deutsche Industrieaufträge brechen ein, Tech-Sektor korrigiert.

Eduard Altmann ·
Asml Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Milliardenofferte für Traditionsbank
  • Deutsche Auftragseingänge stark gefallen
  • Tech-Aktien nach Ausverkauf unter Druck
  • EZB-Zinsentscheidung am Donnerstag erwartet

Liebe Leserinnen und Leser,

8,08 Prozent Dividendenrendite. Das ist kein Schwellenland-Titel und kein Distressed-Papier, sondern Intesa Sanpaolo — der größte Wert im Euro Stoxx 50 nach Ausschüttungskraft. Und ausgerechnet diese Bank hat am Montag den größten europäischen Übernahmeversuch seit Jahren gestartet: 30,6 Milliarden Euro für Monte dei Paschi di Siena, die älteste Bank der Welt. Wer am Wochenende noch über die Frage nachdachte, wo operative Substanz den Kurs trägt und wo nur Hoffnung, bekommt aus Mailand eine ziemlich konkrete Antwort.

Intesa gegen Banco BPM: Bieterkampf um Monte dei Paschi

Intesa Sanpaolo und der Versicherer Unipol haben ein öffentliches Kauf- und Tauschangebot für Monte dei Paschi di Siena (MPS, gegründet 1472) vorgelegt. Pro MPS-Aktie bietet Intesa 1,6 eigene Aktien plus 1 Euro in bar — rechnerisch rund 10,09 Euro je Aktie, ein Aufschlag von 12,5 Prozent zum Freitagsschluss. Die Mindestannahmeschwelle liegt bei 66,67 Prozent, geplant sind ein Delisting und eine Kapitalerhöhung von 5,7 Milliarden Euro bis zum 10. September.

Damit überbietet Intesa den Vorstoß von Banco BPM, die MPS am Sonntag eine „Fusion unter Gleichen“ mit einer kombinierten Marktkapitalisierung von rund 50 Milliarden Euro vorgeschlagen hatte — gestützt von Hauptaktionär Crédit Agricole und mit prognostizierten Vorsteuer-Synergien von über 1,1 Milliarden Euro jährlich. Intesas Gegenangebot setzt höher an: 2,9 Milliarden Euro Synergien bis 2029. Gleichzeitig verkauft das Institut 635 MPS-Filialen, 55 Milliarden Euro Einlagen und 42 Milliarden Euro Kundenkredite für bis zu 3,5 Milliarden Euro an Unipol und BPER weiter. Mediobanca und die 13-Prozent-Beteiligung an Generali bleiben bei Intesa — CEO Messina will bei Generali sogar um drei Prozentpunkte aufstocken.

Die Marktreaktion folgte dem Lehrbuch: MPS-Aktien legten über 11 Prozent zu, Intesa gab rund 3 Prozent ab, UniCredit verlor 3,3 Prozent. Der Konsolidierungsdruck ist eingepreist, die Synergien noch nicht. Entscheidend für Anleger ist die Bewertungsfrage dahinter: MPS kommt 2026 auf eine Dividendenrendite von 9,18 Prozent. Intesa will zwischen 2025 und 2029 insgesamt 61 Milliarden Euro an Aktionäre ausschütten und peilt für 2029 einen Nettogewinn von 16 Milliarden Euro an — gegenüber 13,6 Milliarden im laufenden Jahr. Das sind Zahlen, die man im Tech-Sektor vergeblich sucht.

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Deutsche Aufträge brechen ein — Goldman straft die Chemie ab

Ganz anders die Lage in Deutschland. Die Auftragseingänge der Industrie sind im April um 3,8 Prozent gegenüber dem Vormonat eingebrochen — fast doppelt so stark wie der Konsens von 2,0 Prozent. Die Details verschärfen das Bild: Elektrische Ausrüstung minus 16,3 Prozent, Maschinenbau minus 7,4 Prozent, Automobilindustrie minus 5,3 Prozent. Aus dem Euroraum kamen 11,1 Prozent weniger Bestellungen.

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sieht die Zahlen „tief im Rezessionsbereich“ und erwartet ein Schrumpfen der Wirtschaft im zweiten Quartal. Hohe Energiepreise, der Iran-Konflikt und die anhaltende Unsicherheit über US-Zölle verstärken den Druck.

Goldman Sachs hat am Montag die Konsequenzen für die europäische Chemie gezogen: Lanxess bleibt auf „Sell“ mit Kursziel 13 Euro — die Aktie fiel daraufhin über 4 Prozent auf 15,49 Euro. Bei BASF wurde das Ziel von 65 auf 63 Euro gesenkt, die Einstufung „Buy“ bleibt bestehen. Analystin Georgina Fraser verweist auf chinesischen Exportdruck und schwächere Nachfrage — genau das, was die Auftragsdaten bestätigen. Am Dienstagmorgen veröffentlicht das Statistische Bundesamt die Industrieproduktion für April. Der Konsens erwartet Stagnation. Wer auf konjunkturzyklische deutsche Industrie setzt, sollte auch den Freitag im Blick haben: Thyssenkrupp Steel Europe plant 11.000 Stellenstreichungen, die Rohstahlproduktion erreichte 2025 mit 34,1 Millionen Tonnen den niedrigsten Wert seit 2009.

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Tech nach dem Freitags-Selloff: Wo endet die Korrektur?

Der Ausverkauf am Freitag wirkt nach. Der Philadelphia Semiconductor Index verlor 10,3 Prozent — der schärfste Tagesverlust seit März 2020, über eine Billion Dollar Marktwert vernichtet. In der Nacht zum Montag folgte Asien: Der KOSPI fiel um 5,4 Prozent, Samsung verlor zehn Prozent, SK Hynix knapp acht.

Die Ursachen liegen nicht nur bei Broadcoms enttäuschendem Ausblick. Die 172.000 neuen US-Jobs im Mai bei einer Arbeitslosenquote von 4,3 Prozent haben die Zinssenkungserwartungen weiter verschoben. Goldman Sachs sieht die erste Fed-Zinssenkung inzwischen erst 2027, die CME FedWatch signalisiert eine über 70-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Fed-Zinserhöhung im Dezember.

BTIG-Stratege Jonathan Krinsky rechnet mit weiteren 9 bis 10 Prozent Abwärtspotenzial für den breiten Tech-Sektor, bei Halbleitern sogar bis zu 14 Prozent. Die Gegenposition liefert ASML: Am 3. Juni wurde der EUV-Monopolist mit 668 Milliarden Dollar zum wertvollsten europäischen Unternehmen, JPMorgan hob das Kursziel auf 1.900 Euro. Aber ASML ist die Ausnahme, nicht die Regel. Wer aus Tech in europäische Dividendenwerte rotiert, tauscht 30er-KGVs gegen 8-Prozent-Renditen — und das bei Unternehmen, die ihre Ausschüttungen durch operative Gewinne decken.

Geopolitik: Iran-Israel und die Energierechnung

Die Eskalation zwischen Iran und Israel hatte am Montagmorgen den DAX zwischenzeitlich 1,26 Prozent ins Minus gedrückt und Brent über 95 Dollar getrieben. Im Tagesverlauf meldete Israel laut Berichten einen Stopp der Angriffe auf Wunsch von US-Präsident Trump — der DAX erholte sich deutlich, die Wall Street eröffnete freundlich. Aber die Energierechnung bleibt: Die EU hat in den letzten 100 Tagen 47 Milliarden Euro mehr für Energieimporte ausgegeben, ohne einen Tropfen zusätzlicher Energie zu erhalten. Jeder Dollar, den Brent weiter steigt, verschärft die Margensituation der europäischen Industrie — und damit genau die Schwäche, die die Auftragsdaten bereits zeigen.

Die Woche voraus

Am Donnerstag entscheidet die EZB — eine Zinserhöhung gilt als so gut wie sicher, eine zweite bis Oktober ist eingepreist. Mittwoch und Donnerstag kommen die US-Inflationsdaten, am Freitag steht der SpaceX-Börsengang über 75 Milliarden Dollar an. Die Industrieproduktion am Dienstagmorgen wird zeigen, ob sich der April-Auftragseinbruch bereits in der realen Fertigung niederschlägt.

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Die Botschaft dieser Woche ist klar: Dividendenstarke Substanzwerte sind in diesem Umfeld keine Verlegenheitslösung, sondern eine bewusste Entscheidung. Intesa zahlt 8 Prozent Dividendenrendite und steigert den Gewinn. Die deutsche Industrie liefert Rezessionsdaten. Und der Tech-Sektor muss beweisen, dass seine Bewertungsprämie mehr ist als die Summe aufgeschobener Zinssenkungen. Wer in dieser Gemengelage auf Cashflow statt Kursmomentum setzt, hat die besseren Argumente.

Herzlichst,

Ihr Eduard Altmann

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