397 Milliarden Dollar in bar – was Greg Abel mit Buffetts Erbe vorhat

Berkshire Hathaway hält Rekordbarreserve, während Trump neue Autozölle androht und die deutsche Industrie unter Druck setzt.

Eduard Altmann ·
397 Milliarden Dollar in bar – was Greg Abel mit Buffetts Erbe vorhat

Kurz zusammengefasst

  • Berkshire mit Rekordbarreserve von 397 Milliarden
  • Greg Abel setzt auf Bewertungsdisziplin
  • Trump droht mit höheren Autozöllen
  • Ifo-Index fällt auf Tiefststand seit Mai 2020

Liebe Leserinnen und Leser,

gestern schloss ich mit der Feststellung, dass die operative Stärke einzelner Unternehmen kein Ersatz für strukturelle Reformen sei. Am ersten Handelstag der neuen Woche liefert der Markt die Bestätigung – allerdings aus einer Richtung, die weniger mit deutschem Reformstau zu tun hat als mit amerikanischer Handelspolitik. Der DAX notierte am Montagnachmittag bei 24.213,72 Punkten, ein Minus von 0,32 Prozent. Wer nur auf den Index schaut, verpasst die eigentliche Geschichte: In Omaha hat am Wochenende eine Ära begonnen, und in Washington wird gerade die nächste Eskalationsstufe im transatlantischen Handelskonflikt gezündet.

Berkshire Hathaway: Disziplin als Strategie

Die erste Jahreshauptversammlung unter Greg Abel am vergangenen Samstag in Omaha war mehr als ein Personalwechsel auf der Bühne. Sie war eine Demonstration dessen, was Bewertungsdisziplin in der Praxis bedeutet. Berkshire Hathaway sitzt auf 397,38 Milliarden US-Dollar in bar – ein Rekord, der gegenüber dem Jahresende 2025 noch einmal um 24 Milliarden Dollar gewachsen ist.

Operativ läuft der Konzern rund. Das Ergebnis im ersten Quartal 2026 stieg um 18 Prozent auf 11,35 Milliarden Dollar, getrieben vom Versicherungsgeschäft, dessen Underwriting-Gewinn um 28 Prozent auf 1,72 Milliarden Dollar zulegte. Das Nettoeinkommen der Aktionäre verdoppelte sich auf 10,1 Milliarden Dollar.

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Entscheidend ist, was Abel mit dem Geld nicht tut. Trotz der gewaltigen Barreserven kaufte Berkshire im ersten Quartal eigene Aktien für lediglich 234 Millionen Dollar zurück – der erste Rückkauf seit Mai 2024, ausgelöst erst bei einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 1,4. Beim Thema Künstliche Intelligenz formulierte Abel eine Maxime, die mancher Tech-CEO beherzigen sollte: Man werde „nicht KI um der KI willen“ einsetzen. Die Berkshire-Aktie der Klasse A notierte am Montag bei 719.154,71 Dollar, ein Plus von 1,25 Prozent. Der Markt honoriert Geduld.

Trumps Zoll-Offensive trifft die deutschen Autobauer ins Mark

Geduld ist eine Tugend, die Donald Trump nicht pflegt. Der US-Präsident droht mit einer Anhebung der Autozölle von 15 auf 25 Prozent ab der kommenden Woche und begründet den Schritt mit der angeblichen Nichteinhaltung des Handelsabkommens vom Sommer 2025.

Die Reaktion im Frankfurter Handel war unmittelbar: Der DAXsector Automobile verlor 2,8 Prozent. Continental traf es mit einem Abschlag von 4,36 Prozent auf 61,38 Euro besonders hart. Das Center Automotive Research beziffert die zusätzliche jährliche Belastung für die deutsche Autoproduktion auf rund 2,5 Milliarden Euro. Das Ifo-Geschäftsklima für die Branche war im April bereits auf minus 23,8 Punkte abgerutscht.

Brüssel hält Gegenmaßnahmen bereit. Eine Liste mit knapp 2.000 US-Waren für mögliche Vergeltungszölle von 25 Prozent ist ausgearbeitet. Eine europäische Digitalsteuer auf US-Plattformen könnte ab 2026 zusätzlich 37,5 Milliarden Euro einbringen. Am Dienstag trifft EU-Kommissar Maros Sefcovic am Rande des G7-Handelsministertreffens auf Trumps Handelsbeauftragten Jamieson Greer. Die Verhandlungsposition ist klar: Europa wird nicht nur drohen, sondern im Zweifel handeln.

Ifo-Tiefstand und Unruhe bei Volkswagen

Die Zolldrohung trifft auf eine ohnehin geschwächte Industriekonjunktur. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel im April auf 84,4 Punkte – den niedrigsten Stand seit Mai 2020. Fast 14 Prozent der Industrieunternehmen melden inzwischen Materialengpässe, eine direkte Folge der anhaltenden Iran-Krise.

Bei Volkswagen kommt ein interner Konflikt hinzu. Die für das Jahresende geplante Integration der sächsischen Belegschaft in die Volkswagen AG wurde verschoben. Die IG Metall spricht von einem „schwerwiegenden Vertrauensbruch“. Für einen Konzern, der seine Transformation ohnehin gegen massive Widerstände durchsetzen muss, ist das eine zusätzliche Front zur denkbar ungünstigsten Zeit.

Eli Lilly und der Ölpreis: Zwei Welten, ein Handelstag

Wer den Blick über den Atlantik weitet, findet auch am Montag Unternehmen, die ihre eigene Konjunktur schreiben. Barclays hob das Kursziel für Eli Lilly nach starken Quartalszahlen von 1.350 auf 1.400 Dollar an. Analystin Emily Field verwies auf die Tirzepatide-Franchise: Die internationalen Mounjaro-Umsätze übertrafen die Erwartungen um 30 Prozent. Wolfe Research bestätigte das „Outperform“-Rating bei einem Kursziel von 1.325 Dollar – unbeeindruckt von einem isolierten Bericht über einen Leberschaden bei einem Patienten unter dem Präparat Foundayo. Die Aktie notiert bei 966 Dollar und damit weit unter den Analystenzielen. Der Markt preist offenbar mehr Risiko ein, als die Fundamentaldaten hergeben.

Am Rohstoffmarkt sorgte derweil die Iran-Krise für volatile Stunden. Brent-Öl kletterte zeitweise auf 114,30 Dollar, bevor ein Pentagon-Dementi – kein US-Kriegsschiff sei von iranischen Raketen getroffen worden – den Preis auf 110,70 Dollar drückte, immer noch ein Plus von 2,32 Prozent. Die Konsequenzen an der Zapfsäule sind bereits Realität: Der April 2026 war laut ADAC mit 2,263 Euro für Diesel und 2,109 Euro für Super E10 der teuerste Tankmonat der deutschen Geschichte.

Was jetzt zählt

Gestern fragte ich, ob Heidelberg Materials und Henkel die operative Linie bestätigen, die Gea und E.ON vorgelegt haben. Diese Frage bleibt offen – Heidelberg Materials präsentiert am Mittwoch sein Q1-Trading-Update, Henkel folgt am Donnerstag mit den Quartalszahlen. Am selben Tag, um 15:00 Uhr, stellt der Arbeitskreis Steuerschätzung seine Ergebnisse vor. Für die fiskalische Planung der Bundesregierung dürfte das der wichtigste Termin der Woche werden.

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In einem Marktumfeld, das von Zollkonflikten und Konjunkturunsicherheit geprägt ist, lohnt der Blick auf Unternehmen, die den Strukturwandel als Chance begreifen – darunter Titel aus den Bereichen Immobilien, Maschinenbau und Automobil. Welche drei deutschen Konzerne Experten jetzt für besonders aussichtsreich halten, zeigt dieser kostenlose Report. „3 deutsche Giganten“ – jetzt gratis als Sofort-Download sichern

Das Muster dieses Montags ist eindeutig: Wer Bewertungsdisziplin hat – wie Abel in Omaha –, kann warten. Wer von Washingtons Launen abhängt – wie die deutsche Autobranche –, muss reagieren. Die 397 Milliarden Dollar auf Berkshires Konto sind kein Zeichen von Ideenlosigkeit. Sie sind das Privileg dessen, der es sich leisten kann, auf den richtigen Preis zu warten. Dieses Privileg haben die wenigsten deutschen Industrieunternehmen. Und genau das macht den Unterschied.

Herzlichst,

Ihr Eduard Altmann

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