73 Prozent mehr Gewinn und trotzdem abgestraft: Was Daimler Truck lehrt

Daimler Truck steigert das operative Ergebnis, während rückläufige Bestellungen und höhere Zinserwartungen die Aktienmärkte belasten.

Eduard Altmann ·
KI-generiertes Symbolbild
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Operatives Ergebnis steigt um 73 Prozent
  • Nordamerikanische Aufträge verfehlen Erwartungen um 16 Prozent
  • US-Arbeitsmarkt stärkt Zinserhöhungserwartungen
  • Bitcoin fällt fünfte Woche in Folge

Liebe Börsianerinnen und Börsianer,

diese Woche hat an der Börse die Messlatte verschoben. Gute Zahlen reichen nicht mehr, wenn die Zinsen steigen und das Volumen der KI-Investitionen neu vermessen wird.

Drei Entwicklungen fügen sich zu einem Bild. Da ist ein Konzern, der kräftig mehr verdient und trotzdem fällt. Dazu kommt ein US-Arbeitsmarkt, der der Notenbank die nächste Zinserhöhung nahelegt. Und es gibt Hoffnungsträger, deren Geschäft mit Rechenzentren gerade neu bewertet wird. Vor der Superwoche mit Siemens, Siemens Energy, Infineon und Allianz lohnt es sich, dieses Muster zu kennen.

Anzeige

Wenn die Rechenzentren-Nachfrage neu vermessen wird, rückt die Frage in den Vordergrund, welche Unternehmen den KI-Trend langfristig tragen. Ein kostenloser Report stellt die Top 10 der Big-Data-Aktien vor und zeigt, wie Anleger gezielt in Künstliche Intelligenz investieren können. Megatrend-KI-Report sichern

Daimler Truck verdient mehr, die Börse schaut auf die Aufträge

Daimler Truck hat im dritten Quartal deutlich mehr verdient, und die Aktie fällt trotzdem. Das bereinigte operative Ergebnis, der Gewinn aus dem laufenden Geschäft ohne Sondereffekte, sprang um 73 Prozent auf 1,12 Milliarden Euro. Damit lag es sogar leicht über dem, was Analysten im Schnitt erwartet hatten.

Was hat dann enttäuscht? Der Auftragseingang. Er ging zum zweiten Mal in Folge zurück und verfehlte im Kernmarkt Nordamerika die Markterwartungen um 16 Prozent. Die Aktie notiert am Nachmittag knapp 3 Prozent tiefer, obwohl Daimler Truck die Jahresziele bestätigt hat.

Wer Daimler Truck hält, sollte den Rücksetzer nicht als Problem der laufenden Ergebnisse lesen. Er drückt einen Zweifel an der Dauer der Erholung aus. Das Geschäft wächst, die Marge steigt, doch die Bestellungen hinken den Erwartungen hinterher. Gute Signale aus der deutschen Industrie, etwa eine kräftig gestiegene Kfz-Produktion im September, waren an der Börse längst eingepreist, steckten also schon im Kurs.

Anzeige

Welche US-Aktien nach Quartalszahlen zuverlässig steigen, statt wie Daimler Truck trotz guter Ergebnisse abzurutschen, zeigt das Live-Webinar „Quartals-Rally-Trading“ mit Bernd Wünsche. Er hat über 500 Unternehmen aus S&P 500 und Nasdaq 100 über acht Quartale ausgewertet und daraus 11 Aktien gefiltert, die Umsatz und Gewinn stets übertrafen und danach in mindestens sechs von acht Fällen im Kurs zulegten. Am 08.11.2026 um 18:00 Uhr stellt er diese Dauer-Rally-Aktien samt seiner Sofort-Trade-Methode vor. Jetzt kostenlos zum Webinar anmelden

Starker US-Arbeitsmarkt, steigende Zinserwartung

Der zweite Baustein des Bildes kommt aus den USA. Die US-Wirtschaft schuf im Oktober 165.000 neue Stellen, mehr als doppelt so viele wie erwartet. Auch die Stundenlöhne stiegen stärker als prognostiziert.

Was folgt daraus für die Zinsen? Die Terminmärkte, an denen Anleger auf künftige Zinsentscheidungen setzen, preisen nun mit rund 80 Prozent Wahrscheinlichkeit eine Zinserhöhung der US-Notenbank Fed am 9. Dezember ein. Vor dem Bericht waren es etwa 70 Prozent.

Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg auf fast 4,9 Prozent, Gold gab nach. Für ein deutsches Depot heißt das zweierlei: Steigende Dollarzinsen halten Gold unter Druck, und hoch bewertete Wachstumswerte bekommen neben der KI-Debatte einen zweiten Gegenwind. Am Dienstag folgen die US-Verbraucherpreise für Oktober, für die der Konsens 3,9 Prozent erwartet.

Infineon versucht die Gegenbewegung

Infineon gehört am Freitag zu den wenigen Stützen im DAX. Gestern hatte die Aktie 8,5 Prozent verloren und war auf den tiefsten Stand seit April gefallen. Heute notiert sie gut 2 Prozent fester. Rückenwind kam aus Brüssel: Die EU plant Berichten zufolge eine Förderung, um den europäischen Chipanteil bis 2030 zu verdoppeln.

Wie weit liegen Kurs und Analystenmeinung auseinander? Sehr weit. Die Deutsche Bank bestätigte im August ein Kaufurteil mit Kursziel 85 Euro, die Aktie steht bei rund 46 Euro.

Kommende Woche legt Infineon die Jahresbilanz vor. Dann zeigt sich, ob der Ausblick die Kurshalbierung seit Juni rechtfertigt. Möglich ist auch, dass die Aktie im Sog einer US-Regulierungsdebatte verkauft wurde, die mit ihrem operativen Geschäft wenig zu tun hat.

Siemens Energy und die Frage nach dem Rechenzentrumsboom

Siemens Energy legt heute nach Verlusten am Donnerstag zu. Mit rund 117 Euro liegt die Aktie aber weit unter dem Aprilhoch von gut 195 Euro. Nächste Woche folgt die Jahresbilanz, ebenso die von Siemens. Am kommenden Donnerstag berichten zudem Allianz, Munich Re und Merck.

Für Siemens Energy zählt vor allem eines: Wie belastbar bleibt die Nachfrage aus dem Rechenzentrumsbau? Die jüngsten Signale mahnen zur Vorsicht. Rund 40 Prozent der geplanten US-Kapazitäten liegen in Bundesstaaten mit neu gewählten Gouverneuren, die Baustopps versprochen haben. Analyst Dan Ives senkt seine Hauptannahme für US-Rechenzentren um 10 Prozent und erwartet den Höhepunkt der Investitionen schon 2027.

Dazu wackelt der Börsengang von Anthropic. Investoren fordern laut Reuters eine Bewertung unter 1,5 Billionen Dollar, nachdem bis zu 2 Billionen diskutiert worden waren. Die Bilanz von Siemens Energy wird damit zum Test, ob der Auftragsbestand den Investitionszyklus über 2027 hinaus trägt oder ob der Kurs den Höhepunkt bereits vorwegnimmt.

Bitcoin bietet in diesem Abverkauf keinen Schutz

Bitcoin steckt in der fünften Verlustwoche in Folge und ist unter 76.000 Dollar gerutscht. Auf zwölf Monate steht ein Minus von 26 Prozent.

Wer verkauft da? Zum einen zogen Anleger in dieser Woche Geld aus den US-Spot-ETFs ab. Das sind börsengehandelte Fonds, die Bitcoin direkt halten. Zum anderen wurden binnen eines Tages über eine Milliarde Dollar an Wetten mit geliehenem Geld zwangsweise aufgelöst, fast alles Wetten auf steigende Kurse.

Das Handelshaus Wintermute sieht eine Trendwende erst über 80.000 Dollar. Die Lehre dieser Woche ist unbequem. Bitcoin bewegt sich wie die Technologiebörse Nasdaq mit Hebel, also mit verstärkten Ausschlägen, und bietet im KI-Abverkauf keine Risikostreuung.

Unterm Strich

Gute Zahlen allein tragen in diesem Umfeld nicht, wenn Zinsen steigen und das KI-Investitionsvolumen neu vermessen wird. Daimler Truck zeigt, worauf es jetzt ankommt: auf Auftragseingang und Ausblick im Vergleich zur Erwartung, nicht auf den Gewinn selbst.

Kommende Woche entscheiden die Bilanzen von Infineon und Siemens Energy sowie die US-Inflationsdaten am Dienstag, ob der Rücksetzer vom Rekordhoch eine Korrektur bleibt. Schauen Sie dort weniger auf die Schlagzeile als auf den Abstand zur Erwartung. Bis die Superwoche beginnt, bleibt ein Wochenende, um das eigene Depot mit diesem Maßstab in Ruhe durchzugehen.

Beste Grüße,

Ihr Eduard Altmann

Anzeige

Stand heute, 6. November: Siemens – Kaufen, halten oder verkaufen?

Wer in Siemens investiert ist oder einen Einstieg prüft, sollte die Lage jetzt neu bewerten. Die Gratis-Analyse vom 6. November gibt die klare Antwort – und zeigt, warum Abwarten gerade jetzt riskanter sein kann, als es wirkt.

Siemens: Gratis-Analyse (PDF) öffnen …

Ähnliche Artikel

Hensoldt Aktie: Operations 2.0 nimmt die Engpässe ins Visier

Hensoldt Aktie: Operations 2.0 nimmt die Engpässe ins Visier

Rüstung & Luftfahrt ·
Deutsche Telekom Aktie: Starlink-Schatten über T-Mobile?

Deutsche Telekom Aktie: Starlink-Schatten über T-Mobile?

Telekommunikation ·
Opendoor Aktie: Beim Profitziel hängt man hinterher

Opendoor Aktie: Beim Profitziel hängt man hinterher

Immobilien & REITs ·
Heidelberg Materials Aktie: Infrastrukturpaket als Zünder?

Heidelberg Materials Aktie: Infrastrukturpaket als Zünder?

Industrie ·
Atlassian Aktie: Truist sorgt sich ums Cloud-Wachstum

Atlassian Aktie: Truist sorgt sich ums Cloud-Wachstum

Earnings ·