87 Milliarden weniger Steuern, aber Deutz legt 40 Prozent beim Auftragseingang zu
Bilanzsaison prägt den Markt: Deutz überrascht mit starkem Auftragswachstum, Adidas profitiert von Zollentscheidung, Siemens Healthineers senkt Prognose.

Kurz zusammengefasst
- Deutz Auftragseingang steigt um 40%
- Adidas erhält 300 Mio. Dollar Zollerstattung
- Swiss Re übertrifft Erwartungen, Aktie abgestuft
- Siemens Healthineers senkt Umsatzprognose
Liebe Leserinnen und Leser,
gestern schloss ich mit der Feststellung, dass nicht Diplomaten in Genf den DAX bei 25.000 Punkten halten, sondern Bilanzen aus Hannover, Bonn und Frankfurt. Am Donnerstag liefert der Markt den Praxistest – und das Ergebnis ist aufschlussreich. Der DAX startete bei 24.940 Punkten und pendelt seither knapp unter der am Mittwoch eroberten Marke. Die kriegsbedingten Verluste vom März sind damit fast vollständig aufgeholt. Doch die Kulisse hat sich verändert: Bundesfinanzminister Lars Klingbeil musste für die Jahre 2026 bis 2030 Steuermindereinnahmen von insgesamt rund 87 Milliarden Euro für Bund, Länder und Kommunen verkünden. Der fiskalische Spielraum schrumpft. Die Börse nimmt es zur Kenntnis – und schaut weiter auf Quartalsberichte.
Denn dort liegt die eigentliche Nachricht dieses Donnerstags: Wer operativ liefert, wird belohnt. Wer es nicht tut, wird abgestraft. Die Spreizung innerhalb des Marktes nimmt zu.
Adidas bekommt 300 Millionen Dollar zurück
Der US-Supreme Court hat Teile der von Donald Trump verhängten Importzölle für illegal erklärt. Für Adidas bedeutet das eine Erstattung von 300 Millionen US-Dollar, wie CEO Björn Gulden am Donnerstag bestätigte. Die Zölle hatten die Marge der Herzogenauracher 2025 mit 100 Millionen Euro belastet, für 2026 waren weitere 200 Millionen Euro veranschlagt.
Entscheidend ist nicht nur das Geld, das zurückfließt. Adidas hat seine Beschaffungsketten bereits so umgebaut, dass China bei Lieferungen in die USA keine Rolle mehr spielt. Das Unternehmen profitiert also doppelt: von der juristischen Korrektur und von der eigenen Vorarbeit. Beim Konkurrenten Puma fällt die Erholung bescheidener aus. RBC beließ die Einstufung nach dem jüngsten Quartalsbericht auf „Sector Perform“ mit einem Kursziel von 25 Euro, hob aber die Umsatzschätzungen leicht an.
Rückversicherer: Starke Zahlen, skeptische Analysten
Gestern berichtete ich über die Rekorddividende der Hannover Rück. Am Donnerstag folgt das nächste Kapitel: Analysten erwarten für das erste Quartal 2026 ein EBIT von 993 Millionen Euro – ein Plus von 43 Prozent gegenüber dem Vorjahr, als Waldbrände die Bilanz belasteten. Das Ergebnis nach Steuern soll bei 721 Millionen Euro liegen. Der Ausblick für das Gesamtjahr bleibt bei mindestens 2,7 Milliarden Euro Gewinn.
Beim Schweizer Konkurrenten Swiss Re zeigt sich derweil ein lehrreiches Muster. Der Konzerngewinn im ersten Quartal lag bei 1,5 Milliarden US-Dollar – knapp 20 Prozent über dem Vorjahr und deutlich über den Erwartungen. Trotzdem stufte RBC die Aktie auf „Underperform“ ab, Kursziel 118 Franken. Barclays setzte 114 Franken an, JPMorgan 145 Franken. Die Begründung ist überall dieselbe: Swiss Re werde mit einem Aufschlag gehandelt, den die Wachstumsaussichten nicht rechtfertigen. Gute Quartalszahlen allein reichen nicht, wenn die Bewertung bereits vorweggenommen hat, was die Bilanz erst noch liefern muss.
Abseits der börsennotierten Rückversicherer meldete die HanseMerkur für 2025 einen Rekord beim Neugeschäft mit einem Plus von 24,8 Prozent. Die Beitragseinnahmen stiegen auf 3,55 Milliarden Euro.
Deutz und Wacker Neuson: Maschinenbau überrascht
Die auffälligste Einzelmeldung des Tages kam aus Köln. Der Motorenbauer Deutz verzeichnete im ersten Quartal einen Anstieg beim Auftragseingang um 40 Prozent auf 771 Millionen Euro. Der Umsatz wuchs um 8 Prozent auf 530 Millionen Euro, der bereinigte operative Gewinn legte um 46 Prozent auf 37,3 Millionen Euro zu. Die Marge erreichte 7 Prozent. Konzernchef Schulte erwägt eine Anhebung der Jahresprognose. Die Aktie reagierte mit einem Sprung von fast 9 Prozent.
Ähnlich positiv fiel der Bericht der Wacker Neuson Group aus: Der Umsatz stieg um knapp 20 Prozent auf 591,4 Millionen Euro, getrieben durch starke Nachfrage nach Kompaktmaschinen in Europa. Warburg Research empfiehlt die Aktie zum Kauf mit einem Kursziel von 30 Euro, Jefferies rät zum Halten bei 21 Euro. Im Maschinenbau zeigt sich, dass Unternehmen mit klarer Nische und europäischer Kundenbasis die globalen Verwerfungen besser durchstehen als breiter aufgestellte Exporteure.
Siemens Healthineers und die Makro-Frage
Genau diesen Befund bestätigt – ex negativo – Siemens Healthineers. Der Medizintechnikkonzern musste am Donnerstag seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr senken. Ein schwaches Diagnostikgeschäft in China und steigende Kosten belasten. Die Aktie verlor 4,83 Prozent auf 33,89 Euro.
Auf Makro-Ebene meldete das Statistische Bundesamt für den März einen Anstieg der Auftragseingänge in der deutschen Industrie um 5,0 Prozent gegenüber dem Vormonat. Doch DIHK-Konjunkturexperte Zenzen warnt: Es handele sich primär um Lageraufstockungen und Vorzieheffekte aufgrund erwarteter Preissteigerungen und Lieferkettenstörungen. Kein Aufschwung, sondern Vorsorge.
Während klassische Industrieunternehmen mit China-Abhängigkeit und Nachfrageschwäche kämpfen, richtet sich ein wachsender Teil staatlicher Budgets weltweit auf ein ganz anderes Segment aus: digitale Verteidigung. Carsten Müller analysiert heute um 18:00 Uhr im Live-Webinar „Bytes statt Bomben – Ihre +934 %-Chance mit der Revolution der Verteidigung!“, wie Software zunehmend Hardware ersetzt und welche vier Unternehmen im Bereich digitaler Sicherheitstechnologien davon strukturell profitieren könnten. Im Fokus stehen dabei Unternehmen, die staatliche Milliarden-Budgets mit Tech-Gewinnmargen verbinden – ein Segment, das institutionelle Anleger bereits verstärkt in den Blick nehmen. Das Webinar findet heute Abend statt, eine Anmeldung ist noch möglich. Jetzt kostenlos zum Webinar anmelden
Was dieser Donnerstag zeigt
Die Bilanzsaison sortiert den Markt. Adidas profitiert von juristischer Rückendeckung und vorausschauender Beschaffung. Deutz liefert Zahlen, die niemand erwartet hatte. Hannover Rück bestätigt den Gewinntrend. Siemens Healthineers zeigt, was passiert, wenn China-Abhängigkeit auf schwache Nachfrage trifft.
Der Staat wird in den kommenden Jahren 87 Milliarden Euro weniger einnehmen als geplant. Die Unternehmen, die am Donnerstag die Börse überzeugten, haben eines gemeinsam: Sie warten nicht auf bessere Rahmenbedingungen. Sie schaffen sich ihre eigenen.
Herzlichst,
Ihr Eduard Altmann