ABB Aktie: Rotork für 5,5 Milliarden, Robotik-Verkauf finanziert

ABB meldet Rekordaufträge, kauft Rotork für 5,5 Mrd. USD und verkauft Robotik an SoftBank. Die Aktie reagiert verhalten.

Andreas Sommer ·
ABB Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Rekord-Auftragseingang von 12 Milliarden USD
  • Größte Übernahme: Rotork für 5,5 Mrd. USD
  • Robotik-Sparte geht an SoftBank
  • Aktienrückkauf trotz Kursrückgang fortgesetzt

ABB hat am 16. Juli 2026 nicht nur seine Quartalszahlen vorgelegt, sondern gleichzeitig die größte Übernahme der Firmengeschichte angekündigt und den Verkauf der Robotics-Sparte an die SoftBank Group unterzeichnet. Der Industriekonzern verdichtete damit an einem einzigen Tag drei strategische Weichenstellungen, die das Portfolio in den kommenden Jahren grundlegend verändern werden.

Rekordauftragseingang und angehobene Prognose

Operativ lief das zweite Quartal 2026 für ABB außergewöhnlich gut. Der Auftragseingang kletterte auf 12,042 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz wuchs um 14 Prozent auf 9,475 Milliarden US-Dollar. Das operative EBITA erreichte 1,925 Milliarden US-Dollar, die Marge verbesserte sich von 19,3 Prozent im Vorjahr auf 20,2 Prozent. Auf Basis dieser Zahlen hob ABB die Prognose für das Gesamtjahr 2026 an: Statt eines hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Wachstums erwartet der Konzern nun ein vergleichbares Umsatzwachstum im niedrigen zweistelligen bis „niedrigen Teenager“-Bereich, bei einer operativen EBITA-Marge von rund 19,0 Prozent.

Größte Übernahme der Firmengeschichte: Rotork

Parallel zu den Zahlen kündigte ABB ein Barangebot für den britischen Durchflusssteuerungs-Spezialisten Rotork plc an. Je Aktie sollen 503 Pence fließen, das entspricht einem Unternehmenswert von rund 5,5 Milliarden US-Dollar. Es ist die bislang größte Firmenübernahme in der Geschichte von ABB. Der Vollzug der Transaktion ist für das erste Halbjahr 2027 vorgesehen.

Die Finanzierung dieses Zukaufs steht in engem Zusammenhang mit dem zweiten großen Schritt des Tages: dem Verkauf der Robotics-Division an die SoftBank Group. ABB rechnet aus diesem Deal mit einem Nettoerlös von rund 4,8 Milliarden US-Dollar, der laut Unternehmensangaben zur Refinanzierung künftiger Zukäufe verwendet werden soll – ein direkter Bezug zur Rotork-Übernahme.

Portfolio-Umbau mit weiterem Zukauf

Nur zwei Tage später, am 18. Juli 2026, meldete ABB einen weiteren Baustein der Neuausrichtung: die Übernahme des französischen Spezialisten für Energieumwandlung Advantics. Wie das FINANCE Magazin berichtete, soll die Transaktion das Angebot von ABB für Rechenzentren, Mikronetze und Ladeinfrastruktur stärken. Der Abschluss ist für das vierte Quartal 2026 geplant. Damit zieht sich ABB aus der Robotik zurück, während der Konzern sein Engagement in Bereichen mit hohem Wachstumspotenzial wie Energieinfrastruktur und Automatisierung im industriellen Umfeld ausbaut.

Kursreaktion und laufender Aktienrückkauf

Trotz der starken operativen Zahlen und der strategischen Neuausrichtung reagierte die Börse mit Skepsis: Am Tag der Ankündigungen verzeichnete die Aktie einen Rückgang von rund 3 Prozent, wie ABB in seiner Unternehmensmeldung selbst einordnete. Diese Verunsicherung wirkt bis heute nach – auf Wochensicht steht die Aktie mit 4,80 Prozent im Minus, auf Monatssicht mit 6,21 Prozent. Zum Handelsschluss am Freitag notierte das Papier bei 86,40 Euro, nach einem Tagesgewinn von 1,72 Prozent. Seit Jahresbeginn liegt ABB dennoch weiterhin deutlich im Plus, mit 35,47 Prozent.

Unbeeindruckt von der kurzfristigen Kursbewegung setzt ABB sein laufendes Aktienrückkaufprogramm fort. Im Zeitraum vom 9. bis 15. Juli 2026 erwarb der Konzern 57.500 eigene Aktien. Seit dem Start des Programms im Februar 2026 hat ABB damit insgesamt 4.256.356 Anteile zurückgekauft – ein Signal, dass der Vorstand trotz der milliardenschweren Übernahmepläne weiterhin Kapital an die Aktionäre zurückführt.

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Sektor Industrieunternehmen
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