Abivax Aktie: 45-Prozent-Erholung vom 72-Dollar-Tief
Abivax erzielt hochsignifikante Phase-3-Ergebnisse, doch Sicherheitssignale im Hochdosis-Arm lösen heftige Kursausschläge aus.

Kurz zusammengefasst
- Phase-3-Studie erreicht primäre Endpunkte
- Krebsfälle im Hochdosis-Arm gemeldet
- Aktie stürzt ab und erholt sich teilweise
- Analysten uneins über regulatorische Risiken
Eine starke Phase-3-Studie, ein Kurseinbruch von fast 50 Prozent auf den Tiefpunkt — und dann eine Teilrekorery. Die vergangene Woche bei Abivax war kein normaler Biotech-Swing.
Starke Wirksamkeit, aber Krebsfälle im Hochdosis-Arm
Am 1. Juni veröffentlichte das französische Unternehmen die Ergebnisse der ABTECT-Erhaltungsstudie zu seinem Wirkstoff Obefazimod bei Colitis ulcerosa. Das Ergebnis war eindeutig: Beide Dosierungen erreichten den primären FDA-Endpunkt der klinischen Remission in Woche 44. Die 25-mg-Dosis erzielte eine placebo-adjustierte Remissionsrate von 39,3 Prozentpunkten, die 50-mg-Dosis von 40,3 Prozentpunkten — jeweils hochsignifikant. Alle sekundären Endpunkte, darunter endoskopische Remission und kortikosteroidfreie klinische Remission, wurden ebenfalls erfüllt.
Trotzdem brach die Aktie ein. Im Hochdosis-Arm traten je ein Fall von Prostata-, Brustkrebs und kolischer Dysplasie auf sowie je zwei Fälle von Basal- und Plattenepithelkarzinom — gegenüber null Fällen im Niedrigdosis-Arm und in der Placebo-Gruppe. Abivax betonte, diese Fälle stünden in keinem kausalen Zusammenhang mit der Behandlung. Der Markt reagierte dennoch mit einem Ausverkauf.
Extreme Kursbewegungen in fünf Handelstagen
Die Preisreaktion war selbst nach Biotech-Maßstäben außergewöhnlich. Von einem Schlusskurs von rund 133 Dollar am 1. Juni kollabierte die Aktie am Folgetag auf 72,50 Dollar. Anschließend folgte eine rasche Erholung auf knapp 105 Dollar am 4. Juni — ein Anstieg von fast 45 Prozent vom Tief. Zum Wochenschluss notierte Abivax in Paris bei 87,55 Euro, rund 33 Prozent unterhalb des Jahreshochs von 130,80 Euro aus dem Januar. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 24 Prozent zu Buche.
Analysten zwischen 90 und 187 Dollar
Die Bandbreite der Analystenmeinungen spiegelt die echte Unsicherheit über die Regulierungsperspektive wider:
- Citizens: Kursziel auf 187 Dollar angehoben (von 131), Outperform — Sicherheitsprofil besser als erwartet, kein klares Malignitätssignal
- Morgan Stanley: Kursziel auf 132 Dollar gesenkt (von 145), Overweight — reduzierte Erfolgswahrscheinlichkeit für Colitis ulcerosa und Morbus Crohn
- Wolfe Research: Kursziel auf 136 Dollar gesenkt (von 176), Outperform — Abivax sei für Sicherheitsbedenken „überbestraft“ worden
- Wedbush: Hochstufung auf Neutral, Kursziel 90 Dollar — Malignitäten im Hochdosis-Arm als reales regulatorisches Risiko
Das Konsensus-Kursziel liegt bei rund 147 Dollar, die Mehrheit der Analysten hält an einer Übergewichtung fest.
Übernahme-Spekulation auf Pause
Monatelang dominierte die M&A-Fantasie die Abivax-Story. AstraZeneca und Eli Lilly galten als Interessenten für einen Deal, der bis zu 18 Milliarden Dollar wert sein könnte. Dieser Zeitplan hat sich nun verschoben.
Stifel-Analyst Damien Choplain erwartet, dass potenzielle Käufer den vollständigen Datensatz abwarten werden, der für Oktober angekündigt ist. Das Malignitätssignal sei eher „ein potenzieller Labelling-Vorbehalt als ein klares kausales Sicherheitsrisiko“ — ein Hinweis, der durch den Vergleich mit AbbVies Rinvoq an Gewicht gewinnt: Rinvoq trägt eine FDA-Warnung zu Malignität, erzielte 2025 aber trotzdem einen Umsatz von 8,3 Milliarden Dollar.
NDA-Einreichung für Ende 2026 geplant
Abivax hält an seinem regulatorischen Fahrplan fest. Die Einreichung des New Drug Application für Obefazimod bei Colitis ulcerosa ist für das vierte Quartal 2026 geplant. Die Phase-2b-Studie ENHANCE-CD zu Morbus Crohn läuft weiter, Topline-Daten werden Mitte 2027 erwartet. Mit einer Liquidität von rund 491,6 Millionen Euro und einer Finanzierungsreichweite bis ins vierte Quartal 2027 hat das Unternehmen Zeit.
Offen bleibt, ob die ursprünglich nach dem Juni-Datenpunkt geplante Kapitalerhöhung angesichts des Kursrückgangs neu bewertet wird. Der Oktober-Datensatz wird die entscheidende Weiche stellen — für die NDA-Einreichung ebenso wie für eine mögliche Übernahme.
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