Abivax Aktie: 7 Krebsfälle bei höherer Dosis spalten Analysten
Abivax überzeugt mit hohen Remissionsraten in Phase-3-Studie, doch sieben Krebsfälle bei höherer Dosis sorgen für Verunsicherung und spalten Analysten.

Kurz zusammengefasst
- Hohe klinische Remissionsraten erzielt
- Sieben Malignome bei höherer Dosis
- Analystenmeinungen stark gespalten
- Niedrigere Dosis als möglicher Ausweg
Abivax hat starke Phase-3-Daten vorgelegt. Trotzdem kippt die Diskussion an der Wall Street nicht klar in Richtung Rally. Der Grund liegt nicht in der Wirksamkeit, sondern in einem Sicherheitssignal bei der höheren Dosis.
Starke Daten, heikler Schatten
In der ABTECT-Erhaltungsstudie zu Obefazimod erreichte Abivax bei ulzerativer Kolitis auffällig hohe Werte. Nach Woche 44 lag die klinische Remission bei 50,8 Prozent mit 25 mg. Mit 50 mg erreichte sie 51,3 Prozent. Placebo kam auf 10,4 Prozent.
Placebo-bereinigt betrug der Abstand 39,3 Prozentpunkte bei niedriger Dosis. Bei der höheren Dosis waren es 40,3 Prozentpunkte. Die statistische Signifikanz lag bei p<0,0001.
Auch die wichtigsten sekundären Endpunkte wurden erreicht. Dazu zählen endoskopische Verbesserung, endoskopische Remission, HEMI, steroidfreie klinische Remission und anhaltende klinische Remission.
Leerink-Analyst Thomas Smith sprach von den höchsten placebo-bereinigten Remissionsraten in einer Langzeitstudie zu ulzerativer Kolitis. Stifel-Analyst Damien Choplain sieht Obefazimod sogar vor injizierbaren Vergleichspräparaten. Diese erreichen meist placebo-bereinigte Remissionsraten von 19 bis 32 Prozent.
Krebsfälle spalten die Analysten
Der Streitpunkt liegt im Sicherheitsprofil. Bei der höheren Dosis traten sieben Malignome auf. Bei der niedrigeren Dosis und unter Placebo war es jeweils ein Fall.
Abivax und unabhängige klinische Experten verweisen auf fehlende Hinweise für einen ursächlichen Zusammenhang. Sie betonen auch, dass kolorektale Dysplasien bei langjährigen entzündlichen Darmerkrankungen ein bekanntes Risiko sind. Bei zwei Hautkrebsfällen bestand zudem eine ausgeprägte Krebs-Vorgeschichte.
Trotzdem bleibt das Thema für den Markt schwer greifbar. Sicherheitssignale in späten Studien können Zulassung, Produktlabel und kommerzielle Akzeptanz beeinflussen. Kein Wunder, dass die Aktie hart reagierte.
Kursziele gehen weit auseinander
Die Analystenreaktionen fallen ungewöhnlich breit aus:
- Jefferies: „Hold“ statt „Buy“, Kursziel 90 Dollar nach 160 Dollar.
- Wedbush: „Neutral“ statt „Underperform“, Kursziel 90 Dollar.
- Truist Securities: „Buy“, Kursziel 135 Dollar nach 140 Dollar.
- Citizens: „Market Outperform“, Kursziel 187 Dollar nach 131 Dollar.
Jefferies begründet die Abstufung mit den Komplikationen rund um das Krebssignal. Analyst Faisal Khurshid erwartet keine wichtigen neuen Daten in den kommenden zwölf Monaten. Damit dürfte die Unsicherheit kurzfristig nicht verschwinden.
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Wedbush sieht die Aktie zunächst eher in einer engen Handelsspanne. Als Gründe nennt die Bank regulatorische und kommerzielle Risiken. Truist bleibt positiver, senkte das Kursziel aber leicht.
Citizens stellt sich klar auf die optimistische Seite. Die Bank sieht die Wirksamkeit als führend in der Indikation. Auch das Sicherheitsprofil bewertet Citizens weiter als überzeugend.
Stifel ordnet das Krebssignal als mögliches Label-Thema ein, nicht als klaren Beleg für ein kausales Sicherheitsrisiko. Van Lanschot Kempen wertet die Fälle eher als statistisches Rauschen. Als Vergleich dient AbbVies Rinvoq, das trotz Krebswarnung 2025 auf 8,3 Milliarden Dollar Umsatz kam.
Die Kursreaktion zeigt den Vertrauensbruch trotzdem deutlich. Die Aktie notierte bei 80 Dollar, nach einem vorherigen Schlusskurs von 132,63 Dollar.
Niedrigere Dosis als Ausweg
Ein Detail könnte für den weiteren Zulassungsweg wichtig werden. Die niedrigere Dosis zeigte fast dieselbe Wirksamkeit wie die höhere Dosis. Zugleich fiel das Malignomprofil dort deutlich unauffälliger aus.
Abivax hat bisher nicht signalisiert, nur die niedrigere Dosis zur Zulassung bringen zu wollen. Genau diese Option könnte aber für Regulierer und mögliche Partner attraktiver werden. Das gilt besonders, falls die vollständigen Daten das Sicherheitsbild stützen.
Der nächste Prüfpunkt kommt im Oktober. Dann erwartet Stifel den vollständigen Datensatz mit mehr Details zu den Malignomen. Auch potenzielle Käufer dürften diese Daten abwarten.
Abivax plant den FDA-Antrag für Obefazimod bei ulzerativer Kolitis spät im vierten Quartal 2026. Topline-Daten aus einer Phase-2b-Induktionsstudie bei Morbus Crohn werden Mitte 2027 erwartet.
Finanziell hat Abivax noch Spielraum. Ende des ersten Quartals 2026 lagen die Barmittel bei 491,6 Millionen Euro. Das soll den Betrieb bis ins vierte Quartal 2027 finanzieren.
Kurzfristig bleibt der Druck hoch. Das Short Interest stieg binnen 24 Stunden nach Bekanntwerden des Malignom-Signals auf etwa 12 Prozent des Streubesitzes. Bis zum Oktober-Datensatz bleibt Abivax zweigeteilt: starke Wirksamkeit stützt die Story, das Sicherheitsthema begrenzt die Bewertung.
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