ABO WIND AG Aktie: Ein schwieriger Balanceakt

Der Windparkentwickler kämpft mit einem hohen Verlust und einer strategischen Neuausrichtung, während ein Koalitionsstreit über Energiepolitik und Übergewinnsteuern die Planungssicherheit untergräbt.

Andreas Sommer ·
ABO WIND AG Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Historischer Verlust von rund 170 Millionen Euro
  • Politische Debatte bedroht verlässliche Einspeisevergütungen
  • Gläubiger stimmen Sanierungsmaßnahmen zu
  • Strategische Neuausrichtung zum Independent Power Producer

Ein Verlust von rund 170 Millionen Euro, ein abgegangener CFO und ein Koalitionsstreit, der genau das bedroht, was ABO Energy für seinen Turnaround braucht: verlässliche Einspeisevergütungen.

Das Wiesbadener Unternehmen, das sich gerade in einem tiefgreifenden Sanierungsprozess befindet, sieht sich mit einem wachsenden externen Risiko konfrontiert. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) plant bis 2030 zusätzliche 12 Gigawatt Onshore-Windkapazität auszuschreiben — klingt gut für einen Windparkentwickler. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) drängt indes auf eine Debatte über eine mögliche Übergewinnsteuer. Dieser Widerspruch im Koalitionsgefüge schafft genau die Planungsunsicherheit, die ABO Energy am wenigsten braucht.

Am 18. April gingen in mehreren deutschen Städten Menschen auf die Straße, um gegen einen Kurswechsel in der Energiepolitik zu protestieren. Das Motto: „Wir schützen erneuerbare Energien.“ Der Druck richtet sich gegen Pläne, das Ausbautempo zu drosseln, fossile Quellen stärker zu betonen und Fördermechanismen zu überprüfen.

Verlust als Ausgangspunkt

Das Geschäftsjahr 2025 war für ABO Energy historisch schlecht. Bei einer erwarteten Gesamtleistung von 230 Millionen Euro rechnet das Management mit einem Nettoverlust von rund 170 Millionen Euro. Als Ursachen nennt das Unternehmen zu niedrige Vergütungen aus deutschen Windauktionen, Wertberichtigungen von 35 Millionen Euro und Projektverzögerungen im Ausland. CFO Alexander Reinicke verließ das Unternehmen im März; seine Aufgaben übernimmt vorläufig das verbleibende Führungsteam.

Das Fundament für die Sanierung steht trotzdem. Bei einer Gläubigerversammlung Anfang März stimmten die Inhaber der Anleihe 2024/2029 mit über 99 Prozent für die Sanierungsmaßnahmen — eine Zustimmung, die eine wichtige Schutzklausel bis Ende 2026 aussetzt und ABO Energy wieder die Teilnahme an Tarifausschreibungen ermöglicht.

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Neue Strategie, erste Projekte

Parallel zur Restrukturierung vollzieht das Unternehmen eine strategische Neuausrichtung zum Independent Power Producer. Der Fokus liegt auf Solar-Hybrid- und Speicherprojekten. In Schönfeld kombiniert ein Pilotprojekt 7,3 MW Solar mit 2,7 MW Lithium-Eisenphosphat-Speicher. In Schömberg ist die Installation nahezu abgeschlossen, der Netzanschluss ist für Sommer 2026 geplant — eine zugehörige 6-MW-Batterie verzögert sich allerdings bis ins zweite Quartal 2027.

Liquidität kommt auch aus dem Ausland: In Kanada verkaufte ABO Energy Projektrechte für ein 63-MW-Windprojekt in New Brunswick. In Spanien unterzeichnete das Unternehmen seinen ersten Owner’s-Engineering-Vertrag für ein Solarprojekt eines Dritten.

Das Transformationsprogramm zielt darauf ab, 2026 die Gewinnschwelle zu erreichen und bis 2027 einen Nettogewinn von 50 Millionen Euro zu erzielen. Drei Termine markieren den weiteren Fahrplan: der geprüfte Konzernabschluss 2025 am 22. Juni, die Hauptversammlung in Wiesbaden am 13. August und die Halbjahreszahlen am 1. September 2026. Ob das Vergütungsniveau für deutsche Windprojekte bis dahin politisch gesichert ist, bleibt die entscheidende Variable.

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ABO WIND AG Aktie

5,98 EUR

+ 0,03 EUR +0,50 %
KGV 2,28
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 10,87 %
Marktkapitalisierung 54,22 Mio. EUR
ISIN: DE0005760029 WKN: 576002

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