Pictet Digital Communication Fund: E-Health- und Blockchain-Markt stehen vor Rekordwachstum


17.05.21 11:30
Meldung
 
Wien (www.fondscheck.de) - Seit dem Jahr 2008 ist Sylvie Séjournet als Lead-Fondsmanagerin für den Pictet Digital (ISIN LU0340554913 / WKN A0Q5WQ ) verantwortlich, berichten die Experten von "e-fundresearch.com".


Im Exklusiv-Interview mit "e-fundresearch.com" erkläre sie, wie sich ihr Investmentuniversum in diesem Zeitraum verändert habe, warum das Corona-Virus die Welt für immer verändere und wieso sowohl der E-Health- als auch Blockchain-Markt in den kommenden Jahren mit disruptiven Wachstumsraten auf sich aufmerksam machen könnten.

e-fundresearch.com: Frau Séjournet, Sie sind seit der Auflegung des Fonds im Jahr 2008 als Lead Managerin des Pictet Digital tätig und haben in dieser Zeit die digitale Revolution Tag für Tag hautnah miterlebt. Welche disruptiven Ereignisse haben Ihrer Meinung nach die Digitalisierung in den letzten zehn bis 15 Jahren stärker beeinflusst: Das Apple iPhone oder die Pandemie COVID-19?

Sylvie Séjournet: Die digitale Revolution hat sich seit dem Aufkommen des Internets stark beschleunigt und die Welt ist nicht mehr dieselbe. In den letzten zehn Jahren hat sich die Welt hypervernetzt, wir sahen die Ankunft von 4G LTE, mit der Einführung des iPhone Mitte 2007, was letztlich eine Revolution bedeutete, da sie Zugang zu sozialen Plattformen und dem gesamten Ökosystem der App-Welt bot. Seit Ende März 2021 hat die Zahl der Smartphones 3,8 Mrd. erreicht, chinesische Marken haben bis Ende 2020 einen Marktanteil von fast 60% in diesem Bereich, und die Zahl der im Umlauf befindlichen iPhones liegt bei über 700. Mio. Auch online-Zahlungen wurden in diesem Jahrzehnt mit der Einführung intelligenter digitaler Assistenten wie Siri eingeführt.

Selbstverständlich hat auch das Corona-Virus unsere Welt und die Unternehmenswelt mit neuen Lösungen für das Arbeiten von zu Hause und Videokonferenzsystemen für immer verändert. Das Interesse sowohl von Verbrauchern als auch von Unternehmen wird weiter zunehmen und mehr und mehr digitale Geschäftsmodelle implementieren, zumal die digitale Industrie weiterhin von einer massiven Nutzerbasis, der Generation Z und den Millennials (ein Drittel der Weltbevölkerung), unterstützt wird. Kollaborative Software für Unternehmen, Online-Arztbesuche, Online-Zahlungen, E-Commerce werden zur Norm werden. Der Trend wird zudem noch lange nicht zu Ende sein, da die Verbindung mit 5G schneller werden wird, was den digitalen Einsatz beschleunigt.

e-fundresearch.com: Während digitale Geschäftsmodelle 2008 noch als "exotisch" galten, sind sie 2021 fast schon eine Selbstverständlichkeit: Inwieweit mussten Sie Ihren Investmentprozess in den letzten Jahren anpassen, um dem Rechnung zu tragen? Bekommt der Anleger heute nicht ohnehin schon mehr als genug Exposure zur Digitalisierung durch ein klassisches MSCI World-Investment?

Sylvie Séjournet: Das Ziel der Strategie des Pictet Digital ist es, in innovative und disruptive sowie wachstumsstarke Unternehmen zu investieren, die von der "digitalen Transformation" profitieren. Die Strategie zielt darauf ab, ein gut diversifiziertes Portfolio über interaktive Geschäftsmodelle oder Dienstleistungen, die webbasiert sind, zu konstruieren und in Unternehmen zu investieren, bei denen mindestens 20% des Umsatzes aus webbasierten Geschäftsmodellen stammen.

Mit diesem Blickwinkel erhalten Investoren ein Engagement in massive Megatrends und disruptive Geschäftsmodelle, die mit KI-Fähigkeiten aufgebaut sind. Sie investieren somit in die Transformation der gesamten MSCI-Industrie und können unterschiedliche Megatrend-Segmente erfassen, wie zum Beispiel E-Health, neue Generationen analytischer Software für CRM-, Finanz-, oder HR-Systeme, kollaboratives Arbeiten/work from home oder Fintech-Lösungen, interaktive Unterhaltung, etc.

Dabei führt der sehr strenge Investmentprozess der Pictet Digital Strategie zu einer echten Diversifikation im Vergleich zu den wichtigsten Technologie-ETFs oder MSCI-Indizes, durch eine geringeren Konzentration auf einzelne Aktien, da in den traditionellen passiven Produkten die größten Unternehmen in Bezug auf die Marktkapitalisierung meist übergewichtet werden. Dies schlägt sich bei diesen in einem enormen Trendfolgeprozess nieder, der oft einige der spekulativsten und expansivsten Unternehmen einschließt. Der Pictet Digital verfolgt hingegen eine sehr strenge Anlagephilosophie und nimmt auch Gewinne mit, wenn sich die Aktienkurse zu schnell entwickeln oder wenn wir Namen ausfindig machen, die unserer Meinung nach vom Markt zu stark abgestraft werden.

Dies führt zu einer Top 10, in der die üblichen Verdächtigen nicht vertreten sind: Apple, Amazon.com, Netflix oder viele asiatische Namen sowie 20% der Netzbetreiber. Dies ist ein klarer Differenzierungsfaktor zwischen uns und regulären Tech-ETFs oder regulären Tech-Peer-Gruppen.

e-fundresearch.com: Auch wenn in letzter Zeit eine gewisse Rotation der Stile an den Aktienmärkten zu beobachten war, so sind die außergewöhnlichen Bewertungen vieler Digitalisierungsgewinner doch kritisch zu hinterfragen. Welche Rolle spielen die Unternehmensbewertungen in Ihrem Investmentprozess?

Sylvie Séjournet: Die Bewertung ist eine wichtige Messgröße unserer Anlagephilosophie, wenn es darum geht, wie wir unsere stärkste digitale Überzeugung im Portfolio bewerten und dimensionieren. Nachdem wir mehr als ein Jahrzehnt Bullenmärkte erlebt haben, versuchen wir, unser tiefes Verständnis der digitalen Geschäftsmodelle zu nutzen, um intelligentes Wachstum von spekulativem Wachstum zu unterscheiden und herauszufinden, ob der Konsens die Zukunft überschätzt oder die "Fade-Rate" unterschätzt und falsch bewertet - unsere DNA besteht darin, die nachhaltigen Nutznießer der digitalen Transformation zu identifizieren, ohne sie zu überbezahlen. Die Trennung von spekulativem Wachstum und realistischem Wachstum bei der Bewertung des insgesamt adressierbaren Marktes. Unsere Investmentphilosophie, die auf unserer tief greifenden Expertise basiert, hält an diesem rigorosen Ansatz fest, um Aktien zu trimmen und zu verkaufen, wenn sie überbewertet erscheinen, und um Geschäftsmodelle zu erkennen, die missverstanden werden können und mit einer zu niedrigen Bewertung in der Penalty-Box feststecken

Der Pictet Digital bietet insgesamt eine attraktive Bewertung - die relative Bewertung des Fonds gegenüber dem MSCI ACWI und gegenüber dem MSCI ACWI IT und wiederum entweder in Form von PE FY2 oder EV/EBITDA FY2 zeigt einen historisch niedrigen Abschlag von 8% bis 14% bzw. 24%. Dieser Bewertungsabschlag ist ein Vorteil für unsere Investoren und ein Vorteil gegenüber den Mitbewerbern. Die Anlagephilosophie von Pictet Digital unterstützt keine Unternehmen mit verrückten Bewertungen und versucht, Marktanomalien auf der Aufwärtsseite zu vermeiden und gleichzeitig von den Dispersionen auf der Abwärtsseite zu profitieren.

e-fundresearch.com: Welche Segmente Ihres Anlageuniversums halten Sie derzeit für besonders attraktiv und wie begründen Sie diese Entscheidung?

Sylvie Séjournet: Eines der vielversprechendsten Themen innerhalb unseres Anlageuniversums ist E-Health, das die Konvergenz von Tech und Gesundheitswesen umfasst. Der Gesundheitssektor ist komplex und war bisher hartnäckig resistent gegen Veränderungen, aber dank bedeutender Fortschritte bei Big Data, maschinellem Lernen und KI sowie günstigerer Regierungsinitiativen für diese Dienstleistungen sind die Zutaten für eine Beschleunigung der Digitalisierung des Gesundheitswesens nun vorhanden. Die Opportunitäten sind sehr groß und reichen von der Medikamentenentwicklung, digitalen Therapeutika, der Überwachung von chronischen Krankheiten (DTX = Behandlung/Therapie, die sich auf die Gesundheit stützt, um Veränderungen im Patientenverhalten zu erkennen) bis hin zu virtuellen Konsultationen (z.B. Telemedizin) oder digitalem Krankheitsmanagement.

Es wird erwartet, dass sich der globale digitale Gesundheitsmarkt bis 2026 fast versechsfacht: von 110 Mrd. USD auf fast 640 Mrd. USD, mit einer erwarteten CAGR von 28,5% von 2020 bis 2026. Die gesamten Gesundheitsausgaben in den USA belaufen sich auf 4Tn USD, was 18% des jährlichen BIP ausmacht (ein Drittel Medikamente, ein Drittel Ärzte, ein Drittel Krankenhäuser). Wenn wir uns nur auf den insgesamt adressierbaren Markt für US Telehealth konzentrieren, hat dieser mit einem derzeitigen Umsatz von 3 Mrd. USD das Potenzial, auf 250 Mrd. USD zu wachsen.

Nicht zuletzt sehen wir großes Potenzial beim Thema Blockchain. Einige Schätzungen gehen davon aus, dass die Größe des globalen Blockchain-Marktes von 3,0 Mrd. USD im Jahr 2020 auf 39,7 Mrd. USD oder sogar 60 Mrd. USD bis 2025 wachsen könnte, mit einer beeindruckenden Compound Annual Growth Rate (CAGR) von 67% bis 82% zwischen 2020 und 2025.

Der zunehmende Bedarf an der Vereinfachung von Geschäftsprozessen sowie der Bedarf an Supply-Chain-Management-Anwendungen, die mit der Blockchain-Technologie integriert sind, wird den gesamten Blockchain-Markt antreiben. Im Moment wird erwartet, dass Banken und Finanzdienstleistungen einen erheblichen Teil des Wachstums auf sich vereinen werden, vor allem aufgrund der hohen Kompatibilität mit deren Ökosystem, der steigenden Zahl von Kryptowährungen, schnelleren Transaktionen und der Reduzierung von Gesamtkosten. Blockchain reduziert effektiv die Überweisungskosten, da sie keine Authentifizierung durch Dritte erfordert, das Einschalten unnötiger Vermittler überflüssig macht und dabei hilft, die Leistung zu verbessern, indem sie die Redundanz von Informationen bei Handelstransaktionen reduziert. Das Jahr 2021 könnte der Beginn des wahren Aufstiegs der Blockchain sein, wobei Lebensmittelsicherheit, geistiges Eigentum und Lizenzgebühren sowie Immobilien-/Vermögensverwaltung als mögliche Anwendungsbereiche für die Technologie gelten.

e-fundresearch.com:: Und von welchen Digitalisierungs-"Hypes" halten Sie sich derzeit lieber fern?

Sylvie Séjournet: Große Spekulationen und verrückte Bewertungen sind Dinge, von denen wir lieber die Finger lassen. Vor allem von Aktien, die sich zu schnell zu stark entwickelt haben. Wir sehen dies als ein großes Unterscheidungsmerkmal, welches das Risiko des Fonds deutlich reduzieren kann. Unternehmen, die im Falle eines Zinsanstiegs wiederum am ehesten negativ betroffen sein werden, sind kleinere Wachstumswerte und andere "Konzeptwerte", deren Geschäftsmodelle nicht gut etabliert sind. Solche Unternehmen sind für ihr Wachstum auf Bankfinanzierungen angewiesen, weshalb sich dann ihr Wachstum verlangsamen und ihre Erfolgsindikatoren sinken dürften. Doch auch hier sind wir durch die besagte Ausrichtung, abgesehen von den systematischen Spill-over-Effekten, eher weniger betroffen, und das Portfolio sollte widerstandsfähiger sein.

e-fundresearch.com: Wenn wir uns in zehn Jahren zu einem Interview wiedersehen würden: Wird sich ein aktiv gemanagtes Investment in den Megatrend Digitalisierung in den 2020er Jahren wieder ausgezahlt haben?

Sylvie Séjournet: Ja, aus all den oben genannten Gründen, aber auch aus der Erfahrung heraus, seit mehr als 25 Jahren in der Tech-Branche zu arbeiten und in der Lage zu sein, selektiv zu sein und langfristig tragfähige Geschäftsmodelle zu identifizieren und zu bewerten und spekulatives Wachstum von realem und intelligentem Wachstum innerhalb dieser außergewöhnlichen digitalen industriellen Revolution zu trennen.

e-fundresearch.com: Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg, Frau Séjournet!

Sylvie Séjournet sei 2005 zu Pictet Asset Management gekommen. Sie sei Senior Investment Managerin im Thematic Equities Team, wo sie 2008 den Digital Communication Fund lanciert habe. Sylvie Séjournet habe 19 Jahre Erfahrung in der AktienAnalyseund mit Anlagen im Technologie- und Mediensektor. Sie habe ihre berufliche Laufbahn in der Finanzabteilung von TF1 begonnen (größter französischer Fernsehsender). Dann sei sie zu Fortis Bank in Paris gegangen, wo sie acht Jahre als Sell-Side-Analystin im TMT-Sektor (Telekom, Medien und Technologie) gearbeitet habe. Im Jahr 2000 sei sie für den Agefi Award des besten Junioranalysten nominiert worden und 2004 habe den AQ Award für den besten Analysten gewonnen, dank ihrer Empfehlungen für 537 Mid-Cap-Aktien. Sylvie Séjournet habe einen Master in Banken und Finanzen von der Universität Sorbonne in Paris und sei Mitglied der French Society of Financial Analysts (SFAF). (Ausgabe vom 14.05.2021) (17.05.2021/fc/a/f)


 

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