Gerresheimer steckt in einer heiklen Übergangsphase: Während die BaFin ihre Bilanzprüfungen ausweitet, steigt mit CastleKnight ein weiterer spezialisierter Investor ein. Das wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich – ist es aber nicht zwingend. Denn am Markt dreht sich gerade alles um eine Frage: Kommt das Unternehmen mit seinen Abschlüssen und Erklärungen rechtzeitig wieder in ruhiges Fahrwasser?
CastleKnight meldet 4,08% Stimmrechte
Am 3. März meldete der CastleKnight Master Fund LP eine Stimmrechtsbeteiligung von 4,08%. Die Schwellenberührung datiert auf den 11. Februar 2026. Die Meldung fällt in eine Phase, in der Gerresheimer operativ und kommunikativ unter besonders scharfer Beobachtung steht – und zeigt zugleich, dass trotz der Unsicherheiten Kapital am Turnaround-Narrativ interessiert bleibt.
BaFin baut Prüfung aus – und findet Mängel
Der zentrale Belastungsfaktor bleibt die Regulierungsschiene. Die BaFin hat ihre Prüfung des Konzernabschlusses 2024 ausgeweitet und zusätzlich eine Überprüfung des Halbjahresfinanzberichts 2025 gestartet. Damit steht nicht nur ein einzelner Abschluss im Fokus, sondern gleich mehrere Berichtszeiträume.
Brisant sind die Inhalte: Eine erweiterte Prüfung durch eine zweite Wirtschaftsprüfungsgesellschaft brachte laut Unternehmen „gravierende Mängel“ ans Licht – vor allem bei Umsatzerlösen und der Bewertung von Vorräten (für 2024 und 2025). Gerresheimer verweist auf Verstöße einzelner Mitarbeiter gegen interne Richtlinien und IFRS.
Bereits zuvor waren für 2024 Korrekturen nötig: 35 Mio. Euro Umsatz sowie 24 Mio. Euro bereinigtes EBITDA im Zusammenhang mit Bill-and-Hold-Transaktionen wurden als fehlerhaft verbucht identifiziert. Im Halbjahresbericht 2025 stehen zudem bilanzielle Risikoeinschätzungen zur Übernahme von Bormioli Pharma im Fokus.
Prognose gesenkt, Abschluss verschoben, Aktie am Boden
Zusätzlich zur Bilanzthematik belastet der verschobene Jahresabschluss. Die Veröffentlichung des Jahres- und Konzernabschlusses 2025, ursprünglich für den 26. Februar vorgesehen, wurde verlegt. Angestrebt ist nun ein Abschluss bis zum 31. März 2026.
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Gerresheimer?
Operativ hat das Unternehmen die Erwartungen zurückgenommen: Für 2025 soll der Umsatzrückgang am oberen Ende der Spanne von -4% bis -2% (oder leicht besser) liegen. Die bereinigte EBITDA-Marge wird nur noch bei 16,5% bis 17,5% erwartet (zuvor 18,5% bis 19,0%). Beim bereinigten Ergebnis je Aktie wird ein Rückgang im hohen zweistelligen Prozentbereich genannt, ein negatives Ergebnis ist nicht ausgeschlossen. Zudem rechnet Gerresheimer mit nicht zahlungswirksamen Wertminderungen von 220 bis 240 Mio. Euro.
Der Markt hat darauf hart reagiert: Der Schlusskurs von 16,25 Euro (Dienstag) liegt nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 15,57 Euro. Auf 12 Monate summiert sich das Minus auf -79,71%, seit Jahresanfang auf -41,38%. Auch technisch bleibt der Druck sichtbar: Der RSI (14 Tage) von 17,7 signalisiert eine stark überverkaufte Lage, während der Kurs deutlich unter dem 200-Tage-Durchschnitt (33,84 Euro) notiert.
Parallel läuft ein Umbau im Management: Nach dem Abgang von CEO Dietmar Siemssen (Ende Oktober) und dem Weggang von CFO Bernd Metzner übernahm Wolf Lehmann als CFO; seit November führt Uwe Röhrhoff interimsweise.
Für 2026 stellt Gerresheimer – vor M&A – 2,3 bis 2,4 Mrd. Euro Umsatz und eine bereinigte EBITDA-Marge von 18% bis 19% in Aussicht, bei moderat positivem Free Cashflow trotz schwächerem ersten Halbjahr. Zur Schuldenreduzierung stehen zudem die US-Tochter Centor und das internationale Moulded-Glass-Geschäft zum Verkauf; Morgan Stanley wurde mandatiert.
Im Kalender sind die nächsten Fixpunkte klar: Jahresabschluss bis 31. März 2026, Q1-Mitteilung am 16. April 2026, Hauptversammlung am 3. Juni 2026. Vor allem der 31. März ist dabei der Lackmustest: Gelingt eine saubere, nachvollziehbare Vorlage der Zahlen, kann das Vertrauen zumindest eine erste Stabilisierungschance bekommen – ohne diesen Schritt bleibt die Lage für den Titel kurzfristig weiter angespannt.
Gerresheimer-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Gerresheimer-Analyse vom 4. März liefert die Antwort:
Die neusten Gerresheimer-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Gerresheimer-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 4. März erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Gerresheimer: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
