UnitedHealth steht wenige Tage vor einem wichtigen Belastungstest. Am 27. Januar legt der US-Gesundheitsriese seine Zahlen für das vierte Quartal 2025 vor – im Mittelpunkt: deutlich steigende medizinische Kosten und politischer Druck auf das Geschäftsmodell. Nach einem kräftigen Rückgang in den vergangenen zwölf Monaten fragen sich viele Investoren, ob das Quartal Klarheit oder neue Unsicherheit bringt.
Analysten zwischen Sorge und Zuversicht
Im Vorfeld der Zahlen bleibt die Wall Street grundsätzlich positiv gestimmt, auch wenn die Margenentwicklung Sorgen bereitet.
Morgan Stanley hat sein Kursziel leicht von 411 auf 409 US‑Dollar gesenkt und das Rating „Overweight“ bestätigt. Das Institut begründet den Schritt mit anhaltenden Bedenken wegen steigender Leistungsausgaben, sieht vom aktuellen Niveau aber weiterhin deutliches Aufwärtspotenzial.
Andere Häuser zeigen sich noch optimistischer und unterlegen das mit teils spürbaren Anhebungen ihrer Ziele:
- Mizuho: bestätigt „Buy“ mit Kursziel 430 US‑Dollar
- JPMorgan Chase: hebt das Ziel deutlich von 310 auf 425 US‑Dollar an („Overweight“)
- Barclays: erhöht von 386 auf 391 US‑Dollar („Overweight“)
- KeyCorp: schraubt das Ziel von 350 auf 400 US‑Dollar nach oben („Overweight“)
Die Bandbreite der Kursziele signalisiert: Kurzfristig rückt die Frage in den Vordergrund, ob UnitedHealth die Profitabilität trotz steigender Kosten stabil halten kann.
Politischer Druck: Hemsley vor dem Kongress
Parallel zum Zahlentermin steht das Unternehmen auch politisch im Rampenlicht. Vorstandschef und Chairman Stephen Hemsley musste sich am 22. Januar vor zwei Ausschüssen des US-Repräsentantenhauses verantworten (Energy & Commerce sowie Ways & Means).
Dort kündigte er einen bemerkenswerten Schritt an: UnitedHealthcare will im Jahr 2026 freiwillig sämtliche Gewinne aus seinen Affordable-Care-Act-Plänen (ACA) an die Kunden zurückerstatten. Betroffen sind rund 1 Million Versicherte in 30 US-Bundesstaaten. Zwar spielt UnitedHealth im individuellen ACA-Markt nur eine Nebenrolle, die Maßnahme zeigt aber, dass das Management regulatorischen Druck und öffentliche Kritik aktiv entschärfen will.
Inhaltlich setzte Hemsley im Hearing mehrere Akzente:
- Krankenhauspreise seien in den vergangenen 25 Jahren fast dreimal so stark gestiegen wie die Inflation
- Die Ausgaben für verschreibungspflichtige Medikamente hätten seit 2000 um 269 % zugelegt
- UnitedHealth habe im vergangenen Jahr knapp 300 Milliarden US‑Dollar an Rabatten im Sinne der Kunden verhandelt
- Das Unternehmen brachte Reformvorschläge ein, etwa mehr Wahlfreiheit für Verbraucher und Änderungen im Patentrecht
Damit positioniert sich UnitedHealth klar als Akteur, der Reformbereitschaft signalisiert – auch um die eigene Rolle im System zu verteidigen.
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Q4-Vorschau: Medical Care Ratio im Fokus
Operativ richten sich die Blicke der Analysten in erster Linie auf die Ertragslage im Kerngeschäft.
Für das vierte Quartal erwarten Konsensschätzungen einen Gewinn je Aktie von 2,09 bis 2,12 US‑Dollar bei Umsätzen von rund 113,6 Milliarden US‑Dollar. Besonders auffällig: Der erwartete Gewinn je Aktie liegt rund 69 % unter dem Vorjahreswert von 6,81 US‑Dollar. Haupttreiber dieser Schwäche ist der starke Anstieg der medizinischen Kosten.
Im Zentrum steht die sogenannte Medical Care Ratio (MCR), also der Anteil der vereinnahmten Prämien, der für die Bezahlung von Leistungsfällen aufgewendet wird. Je höher dieser Wert, desto stärker wird die Marge belastet. Für das vierte Quartal rechnen Analysten mit einer MCR von 92,2 %, nach 85,5 % im Vorjahreszeitraum – ein deutlicher Sprung, der die Profitabilität spürbar drückt.
Am 27. Januar werden vor allem diese Punkte entscheidend sein:
- Entwicklung der Medical-Loss-Ratio und Auslastung im Gesundheitswesen
- Einschätzung zu Wachstum und Ertrag im wichtigen Medicare-Advantage-Geschäft
- Ausblicksrahmen für das Gesamtjahr 2026
- Performance des Dienstleistungssegments Optum inklusive Kosten der Cyberattacke auf Change Healthcare
- Verhältnis von Free Cashflow zu Gewinn sowie Pläne für Dividenden, Aktienrückkäufe und Investitionen
Hier wird sich zeigen, ob die Kostenwelle nachhaltig oder eher vorübergehend ist – und wie flexibel UnitedHealth auf der Preisseite reagieren kann.
Aktie unter Druck trotz hoher Bewertung
An der Börse spiegelt sich die Unsicherheit klar wider. Die UnitedHealth-Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten fast die Hälfte ihres Wertes verloren. Allein in den letzten sieben Tagen ging es nochmals um gut 15 % nach unten, der Schlusskurs vom Freitag lag bei 280,25 Euro. Damit notiert der Titel deutlich unter dem 52‑Wochen-Hoch, aber noch klar über dem Zwischentief des vergangenen Jahres.
Trotz dieser Korrektur wird das Unternehmen im Originalartikel mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 18,6 auf Basis der erwarteten Gewinne bewertet – und damit über dem Branchenschnitt von etwa 15,8. Bewertungsseitig ist also noch immer ein gewisses Vertrauenspolster in künftiges Wachstum und Margenstabilität eingepreist.
Langfristige Investoren setzen ein Signal
Für Rückendeckung aus prominenter Ecke sorgte 2025 der Einstieg von Berkshire Hathaway. Die Beteiligungsgesellschaft von Warren Buffett erwarb im zweiten Quartal 5 Millionen UnitedHealth-Aktien im Volumen von rund 1,57 Milliarden US‑Dollar. Zusätzlich griff CEO Stephen Hemsley nach seiner Rückkehr an die Unternehmensspitze im Mai 2025 selbst zu und investierte mehr als 25 Millionen US‑Dollar in eigene Aktien.
Diese Käufe deuten darauf hin, dass langfristig orientierte Investoren die aktuellen Herausforderungen zwar ernst nehmen, die strukturelle Ertragskraft des Geschäftsmodells aber weiterhin hoch einschätzen. Entscheidend wird nun, ob UnitedHealth mit den Q4-Zahlen und dem Ausblick auf 2026 belegen kann, dass der aktuelle Margendruck beherrschbar bleibt und die politischen Zugeständnisse den finanziellen Spielraum nicht dauerhaft einengen.
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