Electro Optic Systems hat 2025 einen Nerv getroffen: Viele neue Aufträge, deutlich bessere Margen – und gleichzeitig noch operative Verluste. Entscheidend ist jetzt weniger die Schlagzeile als die Umsetzung. Denn das Unternehmen muss die frisch eingesammelten Bestellungen erst einmal sauber in Auslieferungen und Umsatz verwandeln.
Stärkere Marge, aber operativ noch rot
Im Geschäftsjahr 2025 erzielte Electro Optic Systems 128,5 Mio. US-Dollar Umsatz aus fortgeführten Aktivitäten. Auffällig: Die Bruttomarge sprang auf 63% nach 48% im Vorjahr. Das zeigt, dass die Profitabilität im Kerngeschäft deutlich angezogen hat.
Trotzdem blieb das Bild unter der Oberfläche gemischt. Das bereinigte EBITDA lag bei einem Verlust von 24,4 Mio. US-Dollar. Unterm Strich stand zwar ein Nettogewinn von 17,5 Mio. US-Dollar – der wurde allerdings maßgeblich durch einen Einmaleffekt gestützt: einen Gewinn von 91 Mio. US-Dollar aus dem Verkauf der Sparte EM Solutions.
Auftragsbestand schießt nach oben – und soll ab 2026 Umsatz werden
Der zentrale Treiber ist der Auftragsbestand. Das „unconditional order book“ wuchs von 136 Mio. US-Dollar Ende 2024 auf 459 Mio. US-Dollar. Im Jahr wurden 18 neue Verträge mit einem Gesamtvolumen von rund 420 Mio. US-Dollar unterschrieben. Ein großer Baustein: ein 71-Mio.-Euro-Vertrag mit den Niederlanden für ein 100-Kilowatt-Hochenergielaser-Waffensystem. Zusätzlich nennt das Unternehmen internationale Nachfrage nach dem Slinger-System sowie Remote Weapon Stations als wichtige Wachstumstreiber.
Das Management plant, 2026 rund 40 bis 50% des aktuellen Auftragsbestands in realisierten Umsatz umzuwandeln. Der breitere Hochlauf der Auslieferungen ist für 2026 bis 2028 vorgesehen – die operative Leistung hängt damit stark an Produktion, Lieferketten und Projektabwicklung.
Shortseller-Kritik: Unternehmen grenzt Auftrag klar ab
Anfang Februar geriet Electro Optic Systems durch einen kritischen Bericht von Grizzly Research unter Druck. Im Mittelpunkt stand ein „conditional contract“ über 80 Mio. US-Dollar mit einem südkoreanischen Kunden namens Goldrone. Das Unternehmen wies die Vorwürfe zurück und stellte klar: Dieser Vertrag ist an eine Anzahlung von 18 Mio. US-Dollar gebunden und nicht Teil des ausgewiesenen unbedingten Auftragsbestands von 459 Mio. US-Dollar.
Gerade diese Abgrenzung ist für Investoren wichtig, weil sie erklärt, warum der gemeldete Auftragsbestand nicht von einem noch unsicheren Deal abhängig sein soll.
Zukäufe und Kapazitätsausbau – finanziell gut gepolstert
Finanziell sieht sich das Unternehmen solide aufgestellt: 106,9 Mio. US-Dollar Cash zum Jahresende, keine in Anspruch genommenen Schulden und zusätzlich eine ungenutzte Kreditlinie über 100 Mio. US-Dollar. Das schafft Spielraum, um den Auftragsschub vorzufinanzieren.
Strategisch setzt Electro Optic Systems zudem auf Erweiterung des Technologieportfolios. Übernommen wurde das Defence-Geschäft der MARSS Group. Der Deal umfasst 36 Mio. US-Dollar Sofortzahlung aus vorhandenen Barmitteln sowie eine erfolgsabhängige Komponente von bis zu 100 Mio. Euro, gekoppelt an künftige Aufträge. Für 2026 erwartet das Management insgesamt einen weitgehend neutralen Effekt auf Ergebnis und Cashflow. Zusätzlich wurde eine neue Produktionsstätte in Singapur eröffnet, um die Fertigung für asiatische Märkte zu erhöhen.
Nach der Veröffentlichung der Zahlen reagierte der Markt deutlich: Heute liegt die Aktie bei 5,00 Euro, ein Plus von 13,52% gegenüber gestern.
Unterm Strich ist die Botschaft klar: 2025 lieferte bessere Margen und einen stark gefüllten Auftragsblock – 2026 wird daran gemessen, wie schnell und reibungslos Electro Optic Systems diese Pipeline tatsächlich in Umsatz verwandelt.
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