Pflaster, Limonade, Dividende: Wo die Berichtssaison wirklich liefert
In einer unsicheren Marktphase mit hohen Zinsen und Inflation punkten defensive Werte wie Johnson & Johnson und PepsiCo mit soliden Quartalszahlen und Dividenden.

Kurz zusammengefasst
- Johnson & Johnson übertrifft Gewinnerwartungen und erhöht Dividende
- PepsiCo profitiert von Preissenkungen und Volumenwachstum
- Procter & Gamble vor entscheidendem Quartalsbericht
- Hohe Zinsen begünstigen Rotation in defensive Konsumaktien
Liebe Leserinnen und Leser,
gestern schrieb ich, die Berichtssaison zeichne ein differenzierteres Bild, als die Rekordhochs vermuten lassen. Netflix enttäuschte beim Ausblick, Deutschland steckt im Streik-Modus, und die Hormus-Öffnung entpuppte sich als Eintagsfliege. Wer in dieser Gemengelage nach Substanz sucht, muss den Blick senken – weg von den Schlagzeilen, hin zu den Regalen. Die stillen Gewinner dieser Woche heißen nicht Nvidia, nicht Tesla, nicht ASML. Sie heißen Johnson & Johnson und PepsiCo. Sie verkaufen Pflaster, Limonade und Waschmittel. Und sie liefern.
Konsumgüter schlagen Tech – zumindest diese Woche
Die Zahlen sind eindeutig. Johnson & Johnson meldete für das erste Quartal einen Gewinn von 2,70 US-Dollar pro Aktie – zwei Cent über den Erwartungen – und steigerte den Umsatz im Jahresvergleich um fast 10 Prozent auf 24,1 Milliarden US-Dollar. Das Management hob die Jahresprognose an und erhöhte die Quartalsdividende auf 1,34 US-Dollar. Bei einer Rendite von rund 2,2 Prozent ist das kein Feuerwerk, aber ein verlässlicher Zahlungseingang. Mehrere Vermögensverwalter haben zuletzt neue Positionen aufgebaut – leise, ohne Pressekonferenz.
Bei PepsiCo wirkte ein anderer Hebel: Preissenkungen. Der Konzern drehte die Preise nach unten, die Nachfrage zog sofort an. Volumenwachstum statt Margenpflege – eine Wette, die aufging. UBS und J.P. Morgan reagierten mit Kaufempfehlungen und Kurszielen von bis zu 186 US-Dollar. Die Lektion: Preissetzungsmacht allein reicht nicht. Wer den Konsumenten entgegenkommt, gewinnt ihn zurück.
Procter & Gamble: Die Nagelprobe steht bevor
Nicht jeder Konsumgüterkonzern verdient gerade Applaus. Procter & Gamble hat seit Februar 14 Prozent an Wert verloren. Die Margen im zweiten Quartal waren rückläufig, das Forward-KGV liegt mit 20,6 weiterhin auf einem Niveau, das Perfektion verlangt. Nächste Woche kommen die Zahlen für das dritte Quartal – und sie werden zur Richtungsentscheidung. Kann das Management den Abwärtstrend stoppen, dürfte der Kurs schnell wieder Richtung 150 US-Dollar drehen. Gelingt das nicht, droht eine Revision der Jahresziele. Blindes Kaufen von Sektor-ETFs hilft hier nicht. Es kommt auf den einzelnen Titel an.
Warum das Kapital in defensive Werte fließt
Hinter der Rotation steckt kein Bauchgefühl, sondern harte Makro-Arithmetik. Die US-Inflation stieg im März auf 3,3 Prozent – nach 2,4 Prozent im Februar. Gleichzeitig schuf die US-Wirtschaft 178.000 neue Stellen. Die Terminmärkte taxieren die Wahrscheinlichkeit für unveränderte Fed-Zinsen beim Treffen Ende April auf über 99 Prozent. Die Bank of America hält zwar an ihrer Prognose von zwei Zinssenkungen für 2026 fest, aber das Fenster dafür wird mit jedem starken Arbeitsmarktbericht kleiner.
In Europa verschärft sich die Lage in die andere Richtung. EZB-Ratsmitglied Alexander DeMarco erklärte am Freitag, Markterwartungen von zwei Zinserhöhungen seien angesichts steigender Energiepreise „nicht unvernünftig“. Die Märkte preisen bereits eine 20-prozentige Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt am 30. April ein. Wer auf fallende Zinsen als Kurstreiber gesetzt hat, wartet möglicherweise vergeblich.
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1,8 Billionen Dollar im Schatten
Während die Zinsen hoch bleiben, gerät ein Markt unter Druck, der lange im Verborgenen wuchs. Andrew Bailey, Vorsitzender des Finanzstabilitätsrates, warnte vor dem G20-Treffen vor einem dreifachen Risiko für die globale Finanzstabilität: Stress bei Staatsanleihen, hohe Bewertungen – und der Private-Credit-Sektor. 1,8 Billionen US-Dollar stecken mittlerweile in diesem Markt. Dass die Risse sichtbar werden, zeigt der Fall Blue Owl: Der Finanzierer sah sich im ersten Quartal mit Rückkaufwünschen von 5,4 Milliarden US-Dollar konfrontiert und deckelte die Auszahlungen auf 5 Prozent. Wenn Anleger nicht mehr an ihr Geld kommen, war das historisch noch nie ein gutes Zeichen.
Die Woche in drei Sätzen
Die Lufthansa fliegt nach den Streiks wieder planmäßig. Die USA haben ihre Sanktionen auf russisches Öl bis Mitte Mai gelockert, um die Energiemärkte zu entlasten. Und die am Freitag angekündigte Öffnung der Straße von Hormus? Wurde nach nur einem Tag wieder zurückgenommen – auch wenn erste Tanker-Konvois die Meerenge passieren konnten. Die geopolitische Risikoprämie beim Öl bleibt bestehen.
Was jetzt zählt
Ab Montag öffnen Tesla, Intel und IBM ihre Bücher. Die Frage wird sein, ob Big Tech die Bewertungen noch rechtfertigen kann, die der Markt ihnen zugesteht. Doch diese Berichtssaison hat bereits eine Botschaft geliefert, die über die kommende Woche hinausreicht: In einem Umfeld, in dem Zinssenkungen ausbleiben, die Inflation klebt und geopolitische Risiken nicht verschwinden, gewinnt nicht der lauteste Titel – sondern der verlässlichste. Johnson & Johnson hat in dieser Woche mehr für seine Aktionäre getan als manches KI-Unternehmen im gesamten Quartal.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Rest des Wochenendes.
Herzlichst, Ihr Eduard Altmann