Der Boom rund um Abnehmmedikamente war für Hims & Hers zuletzt ein wichtiger Wachstumstreiber. Nun greift ausgerechnet Amazon die margenträchtige Nische frontal an – und setzt die Telemedizin-Plattform damit sichtbar unter Druck. Parallel dazu wird ein großer Wall-Street-Haus skeptischer für 2026. Wie robust ist die Investmentstory noch, wenn Preisdruck und höhere Investitionen zusammenkommen?
Amazon attackiert das GLP‑1-Geschäft
Auslöser des Kursrückgangs am Freitag war die Ankündigung von Amazon Pharmacy, das Angebot an Abnehmmedikamenten auszuweiten. Konkret bringt Amazon die Wegovy-Tablette von Novo Nordisk in die Fläche – und kombiniert das mit einer aggressiven Preisstrategie.
Zentral ist dabei das, was Hims & Hers besonders weh tut: Amazon adressiert nicht nur Versicherte, sondern gezielt auch Selbstzahler. Versicherte Kundinnen und Kunden sollen die einmal täglich einzunehmende Pille je nach Police bereits ab 25 US‑Dollar pro Monat erhalten. Noch kritischer für Hims & Hers ist jedoch der neu eingeführte Cash-Pay-Tarif: Amazon bietet Wegovy ab 149 US‑Dollar im Monat für Menschen ohne Versicherungsschutz an.
Genau hier liegt der wunde Punkt. Hims & Hers hatte sich in den vergangenen Quartalen im Markt für sogenannte compounded GLP‑1‑Präparate etabliert – also individuell hergestellte Alternativen, die vor allem dann nachgefragt werden, wenn Originalpräparate knapp oder teuer sind. Das Geschäftsmodell: bessere Erreichbarkeit und vergleichsweise günstige Preise. Amazons Preisanker von 149 US‑Dollar pro Monat zielt genau auf dieses Versprechen.
An der Börse kam diese Kampfansage nicht gut an. Die Aktie verlor am Freitag 6,44 % auf 31,69 US‑Dollar und fiel damit unter kurzfristige Unterstützungszonen; seit Jahresbeginn steht ein Minus von gut 5 % zu Buche.
Bank of America wird vorsichtiger
Die schlechte Nachricht aus Seattle traf auf einen ohnehin dünner werdenden Kredit bei den Analysten. Bereits am Donnerstag hatte BofA Securities das Kursziel für Hims & Hers von 32 auf 29 US‑Dollar gesenkt und die Einstufung „Underperform“ bekräftigt.
Die Begründung: 2026 werde ein „jahr der hohen Investitionen“ für das Unternehmen. Bank of America rechnet damit, dass höhere Ausgaben die Margen deutlich belasten könnten. Aus Sicht der Analysten sind die am Markt eingepreisten Erwartungen an Ergebnis und EBITDA-Margen für 2026 zu optimistisch – vor allem, wenn Hims & Hers gleichzeitig Marktanteile verteidigen und in neue Geschäftsfelder expandieren will.
Damit treffen zwei Belastungsfaktoren zusammen:
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- Wettbewerbsdruck: Amazons Einstieg in den GLP‑1‑Pillenmarkt mit aggressiver Preisgestaltung.
- Margendruck: Erwartet hohe Investitionen, die laut BofA die Profitabilität 2026 begrenzen könnten.
- Bewertung: Die Bank hält die aktuell unterstellten Gewinn- und Margenpfade für zu ambitioniert.
Dieses Zusammenspiel aus härterem Wettbewerb und skeptischer Analystensicht erklärt, warum der Kursrutsch zum Wochenausklang besonders deutlich ausfiel.
CEO setzt auf Plattform-Strategie und KI
Unternehmenschef Andrew Dudum versucht derweil, den Blick über das GLP‑1‑Thema hinaus zu lenken. In einer Stellungnahme zum Wochenausklang betonte er, dass die Zukunft von Hims & Hers nicht nur an Abnehmmedikamenten hänge. Stattdessen solle sich das Unternehmen als breitere, „verbraucherorientierte Gesundheitsplattform“ positionieren.
Ein Schwerpunkt ist dabei die stärkere Personalisierung von Angeboten. Dudum hob hervor, dass 2026 künstliche Intelligenz deutlich tiefer in die Abläufe integriert werden soll, um Diagnostik und personalisierte Betreuung zu verbessern. Ziel ist ein skalierbares System, das mehr Patienten mit individuell zugeschnittenen Behandlungsplänen versorgt – und damit auch jenseits einzelner Medikamententrends relevante Erlöse generiert.
Parallel treibt Hims & Hers die internationale Expansion voran:
- Übernahme der kanadischen Plattform Livewell, um die Präsenz in Nordamerika zu verbreitern.
- Start des „Hers“-Abnehmprogramms im Vereinigten Königreich gegen Ende 2025.
Diese Schritte sollen die Abhängigkeit vom US‑Markt für Abnehmpräparate reduzieren – ein Segment, das zusätzlich von möglichen regulatorischen Eingriffen in den Bereich der compounded Medikamente belastet werden könnte. Aus Unternehmenssicht ist die Botschaft klar: GLP‑1 ist wichtig, aber nicht das alleinige Standbein.
Ausblick auf 2026: Margen vs. Wachstum
Kurzfristig dominieren jedoch die Sorgen um Margen und Wettbewerb. Charttechnisch hat der Rückgang in den Bereich um 31 US‑Dollar Teile der Erholung aus dem späten Jahr 2025 neutralisiert; die Aktie liegt mehr als 50 % unter ihrem 52‑Wochen-Hoch von 66,06 US‑Dollar, notiert aber zugleich klar über dem Tief von 22,21 US‑Dollar.
Entscheidend wird nun der nächste Quartalsbericht, der im Februar erwartet wird. Dann dürfte erstmals konkreter sichtbar werden, ob Amazons Einstieg sich bereits in Kennzahlen wie Kundenabwanderung, Neukundengewinnung und Marketingkosten niederschlägt – und ob der Investmentplan für 2026 tatsächlich so stark auf die Margen drückt, wie BofA befürchtet.
Für 2026 zeichnet sich damit ein Spannungsfeld ab: Auf der einen Seite steht die langfristige Story einer skalierbaren Gesundheitsplattform mit KI‑Fokus und internationaler Präsenz. Auf der anderen Seite stehen zunehmender Preisdruck im Kerngeschäft mit Abnehmpräparaten und ein angekündigtes Investitionshoch, das die Profitabilität temporär dämpfen könnte. Wie das Unternehmen diese Balance im Zahlenwerk des kommenden Jahres abbildet, dürfte den weiteren Kursverlauf maßgeblich prägen.
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