Die Amazon-Aktie erlebt einen massiven Dämpfer. Im vorbörslichen Handel am Freitag sackte der Titel um fast acht Prozent ab – zwischenzeitlich drohte sogar ein zweistelliger Kurseinbruch. Der Grund: Der E-Commerce-Riese kündigte Investitionen in Rekordhöhe an, die selbst die ausgabefreudige Tech-Konkurrenz in den Schatten stellen.
Amazon will 2026 rund 200 Milliarden Dollar in KI, Chips, Robotik und Satelliten pumpen. Zum Vergleich: Alphabet plant bis zu 185 Milliarden Dollar, Meta bis zu 135 Milliarden Dollar. Allein Microsoft gab im vergangenen Quartal bereits 37,5 Milliarden Dollar aus. Der Großteil der Amazon-Summe fließt laut CEO Andy Jassy in den Ausbau der KI-Infrastruktur. Die entscheidende Frage, die Anleger umtreibt: Wann zahlen sich diese gewaltigen Ausgaben aus?
AWS wächst stark – aber reicht das?
Die Cloud-Sparte AWS lieferte im vierten Quartal solide Zahlen ab. Der Umsatz kletterte um 24 Prozent auf 35,6 Milliarden Dollar und übertraf damit die Erwartungen. Das Wachstum beschleunigte sich um vier Prozentpunkte im Quartalsvergleich – ein Trend, der sich bereits im dritten Quartal abzeichnete. Amazon profitierte dabei von der Hinzunahme von einem Gigawatt Rechenleistung im vierten Quartal, mehr als jedes andere Unternehmen weltweit im gleichen Zeitraum.
Doch DA Davidson sieht Amazon im Cloud-Geschäft bereits auf dem Rückzug. Die Investmentbank stufte die Aktie von „Buy“ auf „Neutral“ ab und senkte das Kursziel auf 175 Dollar. Die Begründung: AWS verliere den Vorsprung. Während Amazon mit 24 Prozent wuchs, legte Google Cloud um 48 Prozent zu, Microsoft Azure kam auf 39 Prozent. Besonders kritisch: Amazon fehlt ein eigenes KI-Labor wie Google und eine enge Partnerschaft mit OpenAI wie Microsoft.
Milliarden verbrennen oder Zukunft sichern?
Der Konzernumsatz stieg im vierten Quartal um 14 Prozent auf 213,4 Milliarden Dollar. Unterm Strich blieb ein Gewinn von 21,2 Milliarden Dollar – knapp über dem Vorjahreswert von 20 Milliarden Dollar. Allerdings drückten Sonderkosten von 2,4 Milliarden Dollar aufs Ergebnis, darunter eine Steuerstreitbeilegung in Italien über 1,1 Milliarden Dollar und Ladengeschäfts-Schließungen für 610 Millionen Dollar.
Die Investoren zeigen sich zunehmend nervös. RBC-Analyst Brad Erickson lobte zwar die solide AWS-Performance, nannte die Investitionsankündigung jedoch höher als „jeder erwartet“ hatte. Jefferies-Experte Brent Thill bringt es auf den Punkt: „Die Anleger wollen schnellere Ergebnisse sehen.“ Amazon müsse Vertrauen aufbauen. Stephen Innes von SPI Asset Management warnt vor einem „KI-Investitions-Kater“, der sich in eine „wilde Flucht“ verwandelt.
Die Ausgaben der vier großen Tech-Konzerne – Amazon, Alphabet, Meta und Microsoft – dürften 2026 laut RBC-Analyst Srini Pajjuri um rund 60 Prozent zulegen. Der Markt hatte nur mit 40 Prozent gerechnet. Fraglich bleibt zudem, ob die Unternehmen die angepeilten Summen überhaupt ausgeben können – Teilemangel und Energieengpässe könnten zur Bremse werden.
Positive Stimmen bleiben rar
Trotz des Kursrutsches halten einige Analysten an ihrer positiven Einschätzung fest. Canaccord Genuity bekräftigte das „Buy“-Rating mit Kursziel 300 Dollar und sieht jeden Rücksetzer als attraktiven Einstieg für langfristig orientierte Anleger. Citizens-Analyst Andrew Boone hält am „Market Outperform“-Rating mit Kursziel 315 Dollar fest, auch wenn die Ergebnisse gemischt ausfielen.
Der Ausblick für das erste Quartal 2026 traf die Umsatzerwartungen, beim operativen Gewinn lag die Guidance jedoch etwa 90 Basispunkte unter dem Konsens. Amazon rechnet mit einem Quartalsumsatz von 176 Milliarden Dollar – ein Plus von 13 Prozent. Doch die Marktreaktion zeigt deutlich: Die Geduld der Anleger mit den Tech-Riesen schwindet.
Vom Rekordhoch Anfang November bei 258,60 Dollar ist die Amazon-Aktie mittlerweile rund ein Fünftel entfernt. Für 2026 steht bereits ein Minus von über zehn Prozent zu Buche. Der Kampf um die KI-Vorherrschaft kostet – und ob sich diese Schlacht auszahlt, wird sich wohl erst in Jahren zeigen.
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