TSMCs 56-Milliarden-Wette, das deutsche Aufatmen und der Goldman-Trick

TSMC kündigt Rekordinvestitionen für KI-Chips an, während Deutschlands BIP nach Rezession erstmals leicht zulegt. Goldman Sachs profitiert von strategischer Neuausrichtung.

Kurz zusammengefasst:
  • TSMC plant 2026 Rekord-Capex von bis zu 56 Mrd. Dollar
  • Deutschlands BIP wächst 2025 um 0,2 Prozent
  • Goldman Sachs übertrifft Erwartungen nach Apple-Exit
  • E.ON-Aktie profitiert von fundamentaler Neubewertung

Liebe Leserinnen und Leser,

gestern sprachen wir an dieser Stelle über das politische Störfeuer aus Washington, das die alten Gewissheiten der Wall Street erschüttert. Heute antwortet der globale Markt mit der Sprache, die er am besten beherrscht: mit massiven Investitionen.

Es ist ein Donnerstag der extremen Kontraste. Während wir in Deutschland erleichtert feststellen, dass unsere Volkswirtschaft technisch gesehen nicht mehr schrumpft, wird in Asien mit einer Aggressivität in die Zukunft investiert, die einem den Atem raubt. 56 Milliarden Dollar. Das ist keine abstrakte Zahl aus einem Staatshaushalt, sondern die Summe, die ein einziges Unternehmen im Jahr 2026 in den Boden rammen will, um den Hunger der Welt nach Rechenleistung zu stillen.

Der heutige Handelstag ist eine Lektion in Sachen Ambition: Hier die gewaltige Wette auf die Technologie von morgen, dort die Freude über die „Schwarze Null“ beim Wachstum.

Hier sind die Themen, die den heutigen Tag prägen.

Der 56-Milliarden-Dollar-Hammer aus Taiwan

Wenn Sie wissen wollen, ob der KI-Boom seinen Zenit überschritten hat oder gerade erst Luft holt, ignorieren Sie die Aktienkurse. Schauen Sie auf die Bagger und Reinräume. TSMC, die wichtigste Gießerei der digitalen Weltwirtschaft, hat heute Morgen Zahlen vorgelegt, die an den Märkten wie ein Adrenalinstoß wirkten.

Der Konzern plant für 2026 Investitionen (Capex) zwischen 52 und 56 Milliarden US-Dollar. Um diese Dimension einzuordnen: Das übersteigt den gesamten Börsenwert der Deutschen Bank oder von BMW. Die Botschaft von CEO C.C. Wei ist unmissverständlich: Die Nachfrage nach KI-Chips ist kein Hype, sie ist strukturell – und sie beschleunigt sich.

Die Zahlen zum vierten Quartal liefern die fundamentale Rechtfertigung für diese Wette: Ein Nettogewinn von umgerechnet 16 Milliarden Dollar (+35 Prozent) und ein Umsatzsprung auf fast 34 Milliarden Dollar. Besonders die fortschrittlichen 3-Nanometer-Chips entwickeln sich zum Umsatztreiber. Die Aktie sprang vorbörslich um über 6 Prozent an und zog auch den Ausrüster ASML mit nach oben. Die Logik ist simpel: Wer Chips im Wert von 56 Milliarden Dollar bauen will, braucht Maschinen. Das Fundament der Tech-Rallye ist heute ein ganzes Stück solider geworden.

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Genau zu diesem Halbleiter-Boom habe ich eine detaillierte Analyse durchgeführt, die über die bekannten Namen wie TSMC hinausgeht. Börsenexperte Felix Baarz hat in seinem kostenlosen Webinar vier weniger bekannte Chip-Aktien identifiziert, die vom aktuellen Eine-Billion-Dollar-Chip-Trend massiv profitieren könnten – von KI-Chip-Champions über Produktionsanlagen-Hersteller bis zu Infrastruktur-Spezialisten für Rechenzentren. Sie erfahren konkret, welche Unternehmen die Schaufeln im aktuellen Chip-Goldrausch verkaufen und wie staatliche Investitionsprogramme (USA CHIPS Act, EU Chips Act) diese Firmen befeuern. Der Spezialreport enthält alle Namen, WKN und Kaufdaten der vier analysierten Unternehmen. Details zur Chip-Aktien-Analyse mit konkreten Empfehlungen

Deutschland: Das Ende der Schrumpfkur

Während in Taiwan die Milliarden fließen, herrscht in Wiesbaden nüchterne Erleichterung. Das Statistische Bundesamt meldete heute für das Gesamtjahr 2025 ein BIP-Wachstum von 0,2 Prozent.

Was in dynamischen Volkswirtschaften als Stagnation gelten würde, ist hierzulande eine psychologische Zäsur. Nach den Rezessionsjahren 2023 (-0,9 Prozent) und 2024 (-0,5 Prozent) ist die Abwärtsspirale gestoppt. Doch der Blick unter die Motorhaube offenbart einen historischen Rollentausch der deutschen Konjunkturtreiber:

  • Der neue Motor: Es sind die privaten Haushalte (+1,4 Prozent Konsum) und der Staat (+1,5 Prozent), die das Wachstum tragen. Die Binnennachfrage stützt das System.
  • Die alte Bremse: Der einstige Exportweltmeister hat Ladehemmung. Die Ausfuhren sanken das dritte Jahr in Folge (-0,3 Prozent), belastet durch die schwache globale Industrie und die protektionistischen Winde aus den USA.

Für 2026 rechnen Experten nun mit rund 1 Prozent Wachstum – begünstigt durch kalendarische Effekte und staatliche Impulse. Ein Wirtschaftswunder sieht anders aus, aber die Talsohle scheint durchschritten.

Goldman Sachs und der Apple-Exit

An der Wall Street bestätigen Goldman Sachs und Morgan Stanley heute Mittag, was sich Ende 2025 bereits andeutete: Das Investmentbanking ist zurück. Morgan Stanley meldete einen Einnahmesprung in dieser Sparte um satte 47 Prozent. Wenn Unternehmen wieder fusionieren, klingeln die Kassen.

Noch aufschlussreicher ist der Blick auf Goldman Sachs. Die Bank übertraf mit einem Gewinn von 14,01 Dollar pro Aktie die Erwartungen deutlich. Interessant ist hier ein Detail, das zeigt, wie lukrativ die Korrektur strategischer Fehltritte sein kann: Ein Großteil des Gewinnsprungs resultiert aus der Auflösung von Rückstellungen in Höhe von rund 2,1 Milliarden Dollar.

Der Grund: Der Ausstieg aus dem Kreditkartengeschäft mit Apple und die Übergabe an JPMorgan. Goldman beendet das kostspielige Abenteuer „Main Street Banking“ und besinnt sich auf seine Wurzeln im Handel und der Vermögensverwaltung. Während die klassischen Geschäftsbanken unter dem politischen Druck aus Washington ächzen – wir berichteten gestern über die Zinsdeckel-Pläne –, profitiert Goldman von der Rückkehr zur eigenen DNA.

DAX-Splitter: E.ON unter Strom

Der deutsche Leitindex legt heute bei rund 25.300 Punkten eine Verschnaufpause ein, doch ein Wert entzieht sich der Konsolidierung: E.ON.

Die Aktie kletterte auf über 17 Euro (+1,5 Prozent). Was wir hier sehen, ist eine fundamentale Neubewertung. In einer Welt, die zunehmend elektrifiziert wird – von KI-Rechenzentren über Wärmepumpen bis zur E-Mobilität –, sind die Netze das Nadelöhr und damit das Gold der Energiewende. JPMorgan bestätigte passend das Kursziel von 17,50 Euro.

Wer vor einem Jahr den Mut hatte, in den vermeintlich langweiligen Versorger zu investieren, blickt heute auf ein Plus von fast 58 Prozent. E.ON hat sich vom Witwen-und-Waisen-Papier zum Outperformer gemausert. Auf der Verliererseite spiegeln Fresenius und Mercedes-Benz das gemischte Bild der deutschen Industrie wider: Margendruck bleibt das dominierende Thema abseits der Versorger.

Und sonst?

Der US-Arbeitsmarkt sendet ein Signal der Stärke, das die Notenbanker in Washington nervös machen dürfte. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fielen überraschend auf 198.000 – der tiefste Stand seit Januar 2024.

Für die Konjunktur ist das eine gute Nachricht, für die Zinswende ein Warnsignal. Eine Wirtschaft, die so heiß läuft und praktisch Vollbeschäftigung meldet, liefert der Fed kaum Argumente für schnelle Zinssenkungen. Die Hoffnung auf billiges Geld weicht der Realität einer robusten Ökonomie.

Ich wünsche Ihnen einen erkenntnisreichen Feierabend.

Herzlichst,

Ihr

Eduard Altmann

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