Adobe startet mit angezogener Handbremse ins neue Jahr. Trotz starker Zahlen zum Ende des vergangenen Geschäftsjahres haben Analysten ihre Gewinnerwartungen nach unten angepasst. Parallel stellen einige institutionelle Investoren ihre Positionierung um – ein Hinweis darauf, dass der Markt die weitere Entwicklung kritischer prüft.
Gekappte Schätzungen trotz guter Zahlen
Zacks Research hat seine Prognose für den Gewinn je Aktie im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 von 5,05 auf 4,90 US‑Dollar reduziert. Zusätzlich legte das Haus eine neue EPS-Schätzung für das Geschäftsjahr 2028 von 24,05 US‑Dollar vor. Die Senkung signalisiert vorsichtigere Erwartungen für die nähere Zukunft, obwohl die operative Basis solide wirkt.
Denn erst vor wenigen Wochen lieferte Adobe starke Zahlen für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2025:
- Q4-Gewinn je Aktie: 5,50 US‑Dollar (10 Cent über Konsens)
- Umsatz: 6,19 Mrd. US‑Dollar (+10,5 % gegenüber Vorjahr)
- Nettomarge: 30,0 %
- Eigenkapitalrendite: 61,28 %
Auf Jahressicht meldete das Unternehmen Rekorderlöse von 23,77 Mrd. US‑Dollar, ein Plus von 11 %. Auch der operative Cashflow überschritt erstmals die Marke von 10 Mrd. US‑Dollar. Der Druck auf die Aktie kommt damit weniger aus der Gewinn- und Verlustrechnung, sondern vor allem aus der Bewertungs- und Erwartungsseite.
Kursschwäche trifft auf zurückhaltende Profis
Die Aktie notiert aktuell bei 349,99 US‑Dollar und liegt damit rund 21 % unter ihrem 52‑Wochen-Hoch, nachdem sie 2025 deutlich schwächer abschnitt als der breite Markt. Gleichzeitig läuft der Kurs spürbar über dem 50‑ und 200‑Tage-Durchschnitt, was auf eine gewisse Gegenbewegung nach der Korrektur hindeutet.
Auf der Investorenseite wurden die Positionen neu sortiert. Calamos Wealth Management LLC reduzierte im vierten Quartal seinen Bestand um 23.158 Aktien. Insgesamt halten institutionelle Investoren rund 81,79 % der ausstehenden Papiere. Marktbeobachter dürften diesen Schritt als Zeichen einer vorsichtigeren Haltung einzelner Fondsmanager werten, auch wenn der hohe institutionelle Anteil grundsätzlich Stabilität signalisiert.
Geteilte Analystenlandschaft
Beim Blick auf die Analystenmeinungen zeigt sich ein gemischtes Bild. Im Konsens lautet die Einstufung aktuell „Hold“, der durchschnittliche Zielkurs liegt bei 417,93 US‑Dollar – also spürbar über dem aktuellen Niveau.
Die Verteilung der Empfehlungen:
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Adobe?
- 1x Strong Buy
- 14x Buy
- 11x Hold
- 3x Sell
Auch die jüngsten Kurszielanpassungen großer Häuser unterstreichen die Unsicherheit:
- Citigroup: Ziel auf 387 US‑Dollar angehoben, Rating Neutral
- Piper Sandler: Ziel von 500 auf 470 US‑Dollar gesenkt, Einstufung Overweight
- Wells Fargo: Ziel von 470 auf 420 US‑Dollar reduziert, weiterhin Overweight
- Mizuho: Ziel von 410 auf 390 US‑Dollar gesenkt, Rating Outperform
Unterm Strich bleibt die Mehrheit positiv, doch die teilweise deutlich zurückgenommenen Ziele zeigen, dass die Fantasie gegenüber den Hochphasen erkennbar abgekühlt ist.
Ausblick 2026 und Wachstumstreiber KI
Operativ gibt sich Adobe für das Geschäftsjahr 2026 weiterhin zuversichtlich. Die eigene Prognose sieht vor:
- Gesamtumsatz: 25,90 bis 26,10 Mrd. US‑Dollar
- Non-GAAP EPS: 23,30 bis 23,50 US‑Dollar
- Q1 FY2026 EPS: 5,85 bis 5,90 US‑Dollar
- Wachstum der gesamten Adobe-ARR: 10,2 % im Jahresvergleich
Ein zentraler Hebel bleibt die Monetarisierung von generativer KI. Die Firefly-Funktionen gewinnen weiter an Reichweite: Die monatlich aktiven Nutzer der Freemium-Angebote stiegen im Jahresvergleich um 35 % auf über 70 Mio. Nutzer. Besonders spannend: Der Verbrauch von generativen KI-Credits hat sich im vierten Quartal im Vergleich zum Vorquartal verdreifacht – ein klares Indiz dafür, dass Kunden verstärkt auf höherpreisige Abos mit mehr KI-Leistung umsteigen.
Zusätzlichen Rückenwind könnte mittelfristig die geplante Übernahme von Semrush Holdings für 1,9 Mrd. US‑Dollar bringen. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der Behörden, soll aber nach Abschluss die Marketing-Analytics-Sparte stärken und das Angebot für digitale Werbung und Content-Optimierung erweitern.
Bewertung und Einordnung
Bewertungstechnisch wird Adobe aktuell mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 20,9 und einer Marktkapitalisierung von etwa 146,5 Mrd. US‑Dollar gehandelt. Im technischen Bild liegt der Kurs klar über dem 50‑Tage-Durchschnitt von 299,30 US‑Dollar und rund 12 % über dem 200‑Tage-Durchschnitt von 313,72 US‑Dollar; der RSI von 59,3 deutet auf kein extremes Überkauft- oder Überverkauft-Niveau hin.
Damit ergibt sich ein Spannungsfeld: Auf der einen Seite stehen robuste Kennzahlen, ein wachsendes Abo-Geschäft und zunehmende KI-Nutzung; auf der anderen Seite bremsen vorsichtigere Analystenschätzungen, teils gesenkte Kursziele und Positionsanpassungen institutioneller Investoren die Bewertung. Entscheidend für die Kursentwicklung der nächsten Quartale wird sein, ob Adobe die eigenen ambitionierten 2026er-Ziele beim Umsatz- und Ergebniswachstum sowie bei der KI-Monetarisierung tatsächlich erreicht oder übertreffen kann.
Adobe-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Adobe-Analyse vom 2. Januar liefert die Antwort:
Die neusten Adobe-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Adobe-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 2. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Adobe: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
