Die 24.700er-Party, das Caracas-Paradoxon und der stille US-Alarm

Der DAX erreicht ein neues Allzeithoch bei 24.700 Punkten, angetrieben von Rüstungswerten, während die US-Industrie schrumpft und ein Berliner Stromausfall die Infrastruktur-Schwachstellen offenbart.

Kurz zusammengefasst:
  • Rheinmetall steigt nach Milliardenauftrag um über 7 Prozent
  • ISM-Index signalisiert zehnte Monate US-Industrierezession
  • Stromausfall in Berlin betrifft 30.000 Haushalte
  • Bitcoin notiert stabil über 92.000 US-Dollar

Liebe Leserinnen und Leser,

das alte Börsenmantra, wonach gute Nachrichten für die Realwirtschaft oft schlechte Nachrichten für die Zinspolitik sind, hat ausgedient. Was wir an diesem Montag erleben, ist eine neue, fast schon verstörende Kategorie der Marktpsychologie: Schlechte Nachrichten sind irrelevante Nachrichten.

Während die geopolitische Landkarte in Südamerika neu gezeichnet wird und in der deutschen Hauptstadt die kritische Infrastruktur buchstäblich brennt, feiern die Algorithmen in Frankfurt und New York eine Party der Superlative. Es ist ein Tanz auf dem Vulkan, bei dem die Musik so laut spielt, dass die Risse im Fundament überhört werden.

Der DAX durchbrach heute die Schallmauer und markierte ein neues Allzeithoch bei rund 24.700 Punkten. Doch wer genauer hinsieht, erkennt: Dieser Aufschwung wird nicht von breiter Zuversicht getragen, sondern von der Monetarisierung der Unsicherheit.

Die Rüstungs-Lokomotive zieht den DAX

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Während Teile Berlins im Dunkeln tappen, leuchten die Kurstafeln der Verteidigungsindustrie so hell wie nie. Rheinmetall avancierte zum unangefochtenen Star des heutigen Handelstages. Die Aktie kletterte um über 7 Prozent auf rund 1.720 Euro – ein Niveau, das noch vor wenigen Jahren als Utopie gegolten hätte.

Der Treibstoff für diese Rallye ist so profan wie profitabel: Ein neuer Großauftrag der Bundeswehr. Der Rahmenvertrag für 30mm-Munition für den Schützenpanzer Puma wurde auf ein Volumen von rund einer Milliarde Euro erweitert. Analystenhäuser von Barclays bis JPMorgan reagierten prompt und riefen Kursziele jenseits der 2.000 Euro aus.

Die Botschaft des Marktes ist eindeutig: Sicherheit bleibt auch im Jahr 2026 das teuerste und damit profitabelste Gut. Dass im Fahrwasser des Düsseldorfer Rüstungskonzerns auch Hensoldt, Renk und die wiedererstarkte Siemens Energy (+6 Prozent) zulegen, bestätigt den Trend. Infrastruktur und Verteidigung sind die neuen „Safe Havens“ in einer volatilen Welt.

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Das venezolanische Preis-Rätsel

Wer nach der Festnahme von Nicolás Maduro und der US-Intervention am Wochenende eine Panik an den Rohstoffmärkten erwartet hatte, reibt sich heute verwundert die Augen. Normalerweise treibt Chaos in einem Land mit den weltweit größten Ölreserven den Preis in die Höhe. Heute sehen wir das Gegenteil.

Der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent notiert aktuell bei rund 61 US-Dollar. Die Märkte spielen hier eine zynische, aber ökonomisch stringente Karte: Sie wetten auf das Ende der Misswirtschaft. Die Logik der Händler lautet, dass unter einer US-geführten Administration oder einer neuen Regierung die gigantischen Vorkommen Venezuelas endlich wieder effizient auf den Weltmarkt fließen könnten.

Selbst Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban bezeichnete die Entwicklung heute in Budapest pragmatisch als „gute Nachricht“ für die Energiepreise. Es ist eine riskante Wette auf die Zukunft – der Wiederaufbau der venezolanischen Förderanlagen wird Jahre und Milliarden verschlingen –, doch für den Moment drückt die bloße Hoffnung auf ein erhöhtes Angebot die Notierungen.

US-Industrie: Der stille Alarm

Während die Kurse glänzen, blinkt im Maschinenraum der Weltwirtschaft eine rote Warnleuchte, die im allgemeinen Jubel fast untergeht. Der heute veröffentlichte ISM Manufacturing PMI für die USA ist im Dezember auf 47,9 Punkte gefallen.

Wir dürfen diese Zahl nicht ignorieren. Werte unter 50 signalisieren Schrumpfung – und die amerikanische Industrie befindet sich nun den zehnten Monat in Folge in der Kontraktion. Sinkende Auftragseingänge und eine bröckelnde Beschäftigung zeichnen das Bild einer Rezession im verarbeitenden Gewerbe, verstärkt durch die Unsicherheiten der Zollpolitik. Dass die Aktienmärkte dies weitgehend ausblenden, zeugt von einem fast religiösen Glauben an kommende Zinssenkungen oder KI-Wunder, die jede fundamentale Schwäche überdecken sollen.

Berlin: Wenn das Licht ausgeht

Ein Blick vor die eigene Haustür holt uns auf den Boden der Tatsachen zurück. Der mutmaßliche Brandanschlag auf die Stromversorgung im Berliner Südwesten hält die Hauptstadt weiter im Griff. Auch an diesem Montag sind noch rund 30.000 Haushalte ohne Strom. Der Netzbetreiber hofft, bis Donnerstag alle wieder am Netz zu haben – ein Zeitplan, der in der betroffenen Bevölkerung als „ambitioniert“ wahrgenommen wird.

Für Investoren ist dies mehr als eine lokale Randnotiz über kalte Wohnzimmer. Es ist ein Weckruf bezüglich der Verletzlichkeit unserer kritischen Infrastruktur (KRITIS). Die politische Debatte in Berlin läuft heiß; Rufe nach Abschirmung und weniger Transparenz bei Standortdaten werden laut. Es ist davon auszugehen, dass Unternehmen, die sich auf physische Sicherheitsinfrastruktur und Überwachung spezialisieren, in den kommenden Wochen verstärkt in den Fokus rücken. Die „Deutschland AG“ hat ihre offene Flanke offenbart.

Krypto-Comeback und der Blick nach Vegas

Zum Schluss noch ein Blick auf die Assets, die sich von der physischen Realität am stärksten abgekoppelt haben. Bitcoin notiert wieder stabil über 92.000 US-Dollar, getrieben von massiven Zuflüssen in die US-ETFs, die allein am Freitag fast eine halbe Milliarde Dollar einsammelten. Die Angst, die den Markt noch im Herbst 2025 prägte, ist einer gierigen Zuversicht gewichen.

Und während wir hier den Handelstag beschließen, blickt die Tech-Welt nach Las Vegas. Heute Abend (Ortszeit) wird Nvidia-CEO Jensen Huang auf der CES 2026 die Bühne betreten. Das Thema: „What’s new for AI“. Die Erwartungen sind gigantisch. In einem Markt, der so hungrig nach Narrativen ist, könnte schon die bloße Vision neuer Robotik-Anwendungen reichen, um die Rallye bei Tech-Werten weiter anzufeuern – ganz gleich, was der Einkaufsmanagerindex sagt.

Fazit

Der 5. Januar 2026 präsentiert uns eine gespaltene Welt. Wir sehen Rekordkurse im DAX und bei Bitcoin, während gleichzeitig Panzer die Geopolitik neu ordnen, Stromkabel brennen und Fabriken stillstehen. Als Anleger müssen wir uns fragen: Wie lange kann diese Divergenz gutgehen? Für den Moment gilt: The Trend is your friend – und dieser Trend heißt Rüstung, Tech und Liquidität.

Ich werde heute Abend genau hinhören, was Jensen Huang aus Las Vegas zu berichten hat – und hoffen, dass in Berlin bald wieder die Lichter angehen.

Herzlichst,

Ihr

Eduard Altmann

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