Thyssenkrupp steckt mitten im Konzernumbau, doch ausgerechnet das Herzstück der Strategie gerät ins Stocken: der geplante Verkauf der Stahlsparte an den indischen Konzern Jindal. Neue Forderungen nach zusätzlichen Einsparungen stoßen auf harten Widerstand der IG Metall und stellen die gesamte Transaktion infrage. Für die Aktie bedeutet das vor allem eines: deutlich mehr Unsicherheit.
Jindal-Forderungen verschärfen Konflikt
Nach Berichten vom späten Mittwochabend pocht Jindal in den laufenden Verhandlungen auf weitergehende Kostensenkungen, als bislang vereinbart. Damit würde der potenzielle Käufer über den bestehenden Sanierungstarifvertrag von Thyssenkrupp Steel Europe (TKSE) und IG Metall hinausgehen.
Die Folgen wären erheblich:
Die Gewerkschaft befürchtet, dass zusätzlich zu den bereits beschlossenen Maßnahmen weitere 2.000 bis 3.000 Stellen gestrichen werden könnten. Aktuell arbeiten in der Stahlsparte noch rund 26.000 Menschen.
Die Arbeitnehmerseite reagierte entsprechend scharf.
Knut Giesler, NRW-Bezirksleiter der IG Metall, erklärte die bestehenden Sanierungsvereinbarungen für „unantastbar“. Aus Sicht der Gewerkschaft reichen diese aus, um die Stahlaktivitäten auf einen zukunftsfähigen Kurs zu bringen. Jindal solle auf dieser Basis ein tragfähiges Konzept für TKSE vorlegen – und nicht darüber hinausgehende Einschnitte verlangen.
Sowohl Thyssenkrupp als auch Jindal verwiesen auf die laufenden Gespräche und lehnten offizielle Stellungnahmen ab. Der indische Konzern befindet sich derzeit in der Due-Diligence-Phase und prüft die Bücher des größten deutschen Stahlherstellers.
Zentrale Baustelle im Konzernumbau
Der Zeitpunkt der neuen Forderungen könnte für Thyssenkrupp kaum ungünstiger sein. Der geplante Ausstieg aus dem volatilen und kapitalintensiven Stahlgeschäft ist das Kernstück der strategischen Neuausrichtung. Ohne einen Abschluss des Deals bleibt der Umbau des Essener Industriekonzerns unvollständig.
Die Situation spitzt sich zu, weil drei Interessenlagen aufeinanderprallen:
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- Jindal: drängt auf zusätzliche Kostensenkungen und damit auf einen schlankeren Stahlbereich.
- IG Metall: verteidigt den bestehenden Sanierungstarifvertrag und will weitere Jobkürzungen verhindern.
- Thyssenkrupp-Vorstand: braucht eine Lösung, die finanziell attraktiv genug für Jindal ist, aber zugleich die Zustimmung der einflussreichen Arbeitnehmerseite findet.
Damit wächst das Risiko, dass sich die Verhandlungen hinziehen oder der Deal im Extremfall scheitert. Der vereinbarte Zeitplan für einen Abschluss gerät zumindest unter spürbaren Druck.
Kursentwicklung und Marktrisiko
An der Börse war der Titel zuletzt stark gelaufen: Auf Zwölfmonatssicht legte die Aktie um rund 155 % zu. Gestern schloss sie bei 10,41 Euro und liegt damit deutlich über dem 50-Tage-Durchschnitt von 9,44 Euro. Der RSI von 68,2 signalisiert ein bereits hohes Stimmungsniveau, während die annualisierte 30-Tage-Volatilität von gut 73 % eine ausgeprägte Nervosität widerspiegelt.
Vor diesem Hintergrund wiegt die neue Unsicherheit besonders schwer. Der Verkaufsprozess gilt als wichtiger Treiber der jüngsten Kursrally. Wenn Investoren nun stärker an einem zeitnahen und erfolgreichen Abschluss zweifeln, kann das Gewinnmitnahmen und vorsichtigere Positionierungen auslösen.
Wichtige Punkte im Überblick:
- Jindal fordert Einsparungen über den bestehenden Sanierungstarifvertrag hinaus
- IG Metall lehnt zusätzliche Stellenstreichungen von 2.000 bis 3.000 Jobs klar ab
- Der Stahlverkauf ist zentral für die strategische Neuausrichtung von Thyssenkrupp
- Der Vorstand muss zwischen Käuferinteressen und Arbeitnehmervertretung vermitteln
- Die Aktie notiert klar über ihren gleitenden Durchschnitten, bei hoher Volatilität
Ausblick: Druck auf Verhandlungen und Aktie
Entscheidend wird nun, ob es in den kommenden Wochen gelingt, die Positionen von Jindal und IG Metall zumindest teilweise zu überbrücken. Gelingt ein Kompromiss, könnte der Verkauf weiterhin das Rückgrat des Konzernumbaus bleiben. Scheitert die Einigung jedoch an den zusätzlichen Sparforderungen, stünde Thyssenkrupp erneut ohne klare Perspektive für den Stahlbereich da.
Auf der anstehenden Hauptversammlung dürfte das Management detailliert erklären müssen, wie es mit dem Stahlverkauf weitergehen soll und welche Szenarien konkret auf dem Tisch liegen. Bis dahin bleibt der Titel anfällig für Rückschläge, sobald neue Schlagzeilen zu den Gesprächen bekannt werden.
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