Tesla stellt sein Geschäftsmodell für autonomes Fahren um – und das mitten in einer Phase hoher Bewertung und wachsender Konkurrenz. Künftig soll das Full-Self-Driving-Paket (FSD) nur noch im Abo verfügbar sein, parallel nimmt in Texas eine neue Lithium-Raffinerie den Betrieb auf. Im Vorfeld der Quartalszahlen rückt damit eine zentrale Frage in den Fokus: Wie viel Ertragspotenzial steckt wirklich in der Software-Strategie?
FSD nur noch im Abo
Ab dem 14. Februar 2026 will Tesla FSD ausschließlich als Abo für 99 US‑Dollar pro Monat anbieten. Die Möglichkeit, das Paket einmalig gegen eine hohe Vorauszahlung zu kaufen, entfällt. Statt größerer Einmalerlöse beim Fahrzeugverkauf setzt der Konzern damit bewusst auf wiederkehrende Software-Einnahmen.
Analysten sehen darin einen klaren Schwenk in Richtung SaaS-Logik (Software-as-a-Service): weniger schwankungsanfällige Umsätze, dafür langfristig höhere Margen, wenn genügend Kunden dauerhaft zahlen. Kurzfristig verzichtet Tesla allerdings auf sofortige Umsatz- und Gewinnrealisierung aus Upfront-Verkäufen.
Barclays reagierte umgehend auf die Ankündigung. Analyst Dan Levy bestätigte sein „Equal Weight“-Rating und beließ das Kursziel bei 350 US‑Dollar. In seiner Einschätzung vom 15. Januar betont er, dass das neue Modell zwar die unmittelbare Ertragskraft schmälert, dafür aber die Gewinnmargen über die Zeit stützen dürfte. Zudem passe der Schritt zu Bewertungskennzahlen, die der Markt bei stark wiederkehrenden Software-Umsätzen oft höher ansetzt.
Vertikale Integration: Lithium-Raffinerie in Texas
Parallel zur Software-Offensive meldete Tesla operative Fortschritte in der Lieferkette. Die neue Lithium-Raffinerie in Texas ist seit dem 15. Januar offiziell in Betrieb. Sie soll ein zentraler Baustein der vertikalen Integration werden und die Versorgung mit Batterierohstoffen stärker in die eigene Hand legen.
Hintergrund ist der zunehmende globale Wettbewerb um Lithium und andere Batteriematerialien. Durch eigene Raffinerie-Kapazitäten will Tesla Abhängigkeiten von Zulieferern verringern und Kosten sowie Qualität besser kontrollieren. Gerade angesichts des Margendrucks im Kerngeschäft Elektroautos ist das ein strategisch wichtiger Hebel.
Bewertung, Konkurrenz und Analystenlager
An der Börse bleibt der Titel ambitioniert bewertet. Die Aktie schloss gestern bei 438,57 US‑Dollar. Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Plus von gut 10 %, der Kurs liegt rund 31 % über dem 200‑Tage-Durchschnitt – ein deutlicher Hinweis auf die starke Rally der vergangenen Monate.
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Fundamental sorgt allerdings vor allem die hohe Bewertung für Diskussionen. Auf Basis der zurückliegenden zwölf Monate liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei etwa 302. Mehrere Marktbeobachter warnen, dass bei einem derart hohen Multiplikator nur wenig Raum für operative Enttäuschungen bleibt.
Gleichzeitig hat sich das Wettbewerbsumfeld spürbar verschärft. Bestätigte Zahlen für 2025 zeigen, dass der chinesische Hersteller BYD Tesla beim weltweiten Absatz von Elektrofahrzeugen überholt hat. Der Druck im eigentlichen Autogeschäft nimmt zu – sowohl bei Volumen als auch bei Margen.
Das spiegelt sich im gespaltenen Analystenbild wider:
- Optimistische Stimmen verweisen auf:
- das Potenzial von KI-gestütztem autonomen Fahren,
- die neuen, wiederkehrenden FSD-Erlöse,
- die langfristigen Effekte der Software-Strategie.
- Skeptiker betonen:
- Margenrückgang im klassischen Autogeschäft,
- abflachende Wachstumsraten bei den Auslieferungen,
- das extrem hohe Bewertungsniveau.
Wells Fargo gehört klar zum Lager der Vorsichtigen und sieht das Papier mit einem Kursziel von 130 US‑Dollar deutlich tiefer. RBC Capital steht auf der Gegenseite: Die Bank bestätigte zuletzt ihr „Buy“-Votum und ein Kursziel von 500 US‑Dollar, gestützt auf die langfristigen Chancen autonomer Technologien.
Ausblick: Quartalszahlen als nächster Test
Der nächste harte Prüfstein steht bereits fest: Am 28. Januar 2026 legt Tesla die Zahlen für das vierte Quartal vor. Der Konsens rechnet aktuell mit einem Gewinn je Aktie von rund 0,45 US‑Dollar bei Erlösen von 24,78 Milliarden US‑Dollar.
Aus technischer Sicht notiert die Aktie klar über ihren gleitenden Durchschnitten; der RSI von 73,7 signalisiert allerdings eine überkaufte Lage und damit ein erhöhtes Konsolidierungsrisiko. Kurzfristig dürfte sich der Blick vieler Trader heute darauf richten, ob der Bereich um 438 US‑Dollar verteidigt werden kann – und wie der Markt die anstehende Umstellung des FSD-Modells ab dem 14. Februar in die Bewertung einpreist. Die Kombination aus hoher Bewertung, polarisierter Analystenlandschaft und strategischem Schwenk hin zu mehr Software macht die Quartalszahlen Ende Januar zu einem zentralen Katalysator für die weitere Kursentwicklung.
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