BNP Paribas-Zertifikate auf EUR/USD: Auf lange Sicht abwärts - Zertifikateanalyse


06.05.21 11:45
Meldung
 
Paris (www.zertifikatecheck.de) - Die Analysten der BNP Paribas stellen in ihrer aktuellen Ausgabe von "Märkte & Zertifikate" ein Mini Long-Zertifikat (ISIN DE000PH18XA2 / WKN PH18XA ) und ein Mini Short-Zertifikat (ISIN DE000PF528R1 / WKN PF528R ) auf das Währungspaar EUR/USD (ISIN EU0009652759 / WKN 965275 ) vor.


Bereits in der zurückliegenden Ausgabe von "Märkte & Zertifikate" hätten sich die Analysten der BNP Paribas ausführlich mit dem Thema Deglobalisierung beschäftigt. Zur Erinnerung: Deglobalisierung meine eine sukzessive Reduzierung der globalen Handelsströme. Das Thema sei lange Zeit eine Forderung eher linksgerichteter Politik gewesen, sei nun aber aufgrund der Erfahrungen, die man während der Corona-Pandemie habe machen müssen, auch in das Zentrum der Schul-Ökonomie gerückt. Es gehe darum, zu überprüfen, inwieweit die Globalisierung durch äußere Störfaktoren verletzbar sei. Wenn etwa die heimische Autoproduktion zum Erliegen komme, weil ausländische Zulieferer ihren Betrieb zum Beispiel wegen pandemischer Ereignisse einstellen müssten, dann widerspreche das dem "Geist" der Globalisierung. Sie gehe ja gerade davon aus, dass durch die Aufteilung des Herstellungsprozesses alles viel besser, sprich optimaler laufe. Deglobalisierung beziehungsweise das Nachdenken darüber, inwieweit Globalisierung Sinn mache, sei ins Zentrum der Ökonomie gerückt.

Die Deglobalisierung sei aber auch ein Thema in der Welt der Währungen. Die Frage laute: Welche Währungen würden von einem Rückbau der globalen Handelsströme eher profitieren, welche eher leiden? Im Mittelpunkt stehe hier erst einmal der US-Dollar als weltweite Handelswährung. Nahezu alle Produkte, die über die Weltmeere transportiert würden, würden direkt oder indirekt in Dollar abgerechnet. Das gelte insbesondere für Rohstoffe; auch wenn Einkaufs- und Verkaufswährungen letztendlich andere seien, als Abrechnungswährung diene oft der Dollar.

Wenn nun aber die Globalisierung ins Stocken gerate, dann liege der Gedanke nahe, dass damit auch der Dollar an Einfluss, also an Nachfrage, verliere. Das wäre vor allem dann der Fall, wenn die Welt in Handelsblöcke zerfiele, auf der einen Seite die USA, auf der anderen Seite China. "Eine permanente Trennung zwischen einem US- und einem Chinageführten Handelsblock mit einem eisernen Vorhang für Technologien würde das globale Wirtschaftswachstum merklich reduzieren", schreibe etwa Bernd Meyer, Chefanlagestratege der Berenberg Bank, in einem Arbeitspapier mit dem Titel "Die Globalisierung hat ihren Zenit überschritten" vom Dezember 2019.

Und dies hätte natürlich auch erhebliche Auswirkungen auf den Dollarkurs. Denn dann "würden US-Exporte teurer werden und Investitionen in den USA würden weniger attraktiv - denn die Unternehmensgewinne wachsen dann nicht mehr so schnell. Beides könnte Kapitalzuflüsse aus dem Ausland bremsen und den Dollar nach unten ziehen", so die Einschätzung von Capital Group. Die amerikanische Investmentgesellschaft rechne sogar mit einer neuen langjährigen Baisse beim Dollarkurs. Ähnlich die Einschätzung des angesehenen Harvard-Professors Kenneth Rogoff. Er sage: "Die USA sollten bedenken, dass die derzeitige große Nachfrage nach auf Dollar lautenden Wertpapieren stark von ebendem enormen Handels- und Finanzsystem abhängt."

Was für die USA gelte, gelte auch für alle anderen Länder, aber insbesondere "für kleinere Volkswirtschaften und Entwicklungsländer, die in vielen Sektoren keine kritische Masse erreichen können und denen es häufig an natürlichen Ressourcen mangelt", so Rogoff weiter. Eine Deglobalisierung würde in diesen Ländern "viele Jahrzehnte des Wachstums umkehren". Das Fazit des Harvard-Ökonomen: "Kleine Länder, denen es an einem engen Wirtschaftsbündnis mit einem größeren Staat oder einer Union mangelt, sehen sich enormen wirtschaftlichen Risiken ausgesetzt." Damit dürften auch ihre Währungen tendenziell unter Druck stehen. Das könnte besonders für jene gelten, deren Länder ein hohes Handelsbilanzdefizit aufweisen würden, die also ohnehin schon unter dem Strich unter einem Kapitalabfluss leiden würden. Die Globalisierung sei für sie auch eine Chance gewesen, sich in den internationalen Produktionsprozess einzuklinken und so Kapital in ihr Land zu holen.

Das gelte natürlich für die USA so nicht. Nach einem Anpassungs- beziehungsweise Abwertungsprozess dürfte sich die amerikanische Währung wieder stabilisieren, und zwar auf einem niedrigen Niveau, so die Annahme von Währungsexperten. Da es sich hierbei um eine langfristige Perspektive handle, seien kurz- bis mittelfristige Entwicklungen ausgenommen. Einiges spreche dafür, dass es auf kurze Sicht sogar zu einer Erholung des Dollar komme. Immerhin kämen die USA mit der Corona-Pandemie besser klar als Europa. Die Impfquote sei deutlich höher und der politische Wille, die Krise zu überwinden, ausgeprägter. Mit einem neuen Investitionsprogramm in Höhe von 1,9 Billionen Dollar würden die USA energischer als Brüssel auftreten. "Wir bleiben daher insgesamt bei der Erwartung, dass der Dollar während der nächsten zwölf Monate aufwerten könnte", so die Einschätzung der Währungsexperten der dänischen Sydbank.

Langfristig erscheine unter charttechnischen Gesichtspunkten der Bereich um 1,25 Dollar gegenüber dem Euro interessant. Breche der Euro über den in diesem Bereich verlaufenden Widerstand aus, könnte dies das Signal zu einem neuen langfristigen Abwärtsimpuls beim Dollar sein. Kurzfristig fungiere der Bereich um 1,12 Dollar als Unterstützung und mögliche Zielmarke für die von der Sydbank prognostizierte temporäre Aufwertung der US-Währung. (Ausgabe Mai 2021) (06.05.2021/zc/a/a)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten: Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyseeinsehen.


 

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