Investmentidee: Vontobel-Zertifikat auf Nuclear Energy - Comeback der Kernenergie - Zertifikateanalyse


18.01.22 09:30
Meldung
 
München (www.zertifikatecheck.de) - Für Vontobel ist der Vontobel Nuclear Energy Index (ISIN CH1146149039 / WKN nicht bekannt) eine Investmentidee und die Bank Vontobel Europe AG liefert Vorschläge, wie Anleger mit Anlagezertifikaten von dieser Einschätzung profitieren können.


Für die einen sei die Klassifizierung der Kernenergie als "grüne" Technologie ein absolutes No-Go. Die anderen sähen darin die einzige Möglichkeit, die ambitionierten Klimaziele in Europa zu erreichen, speziell, wenn es um die Dekarbonisierung gehe. Entsprechend hitzig würden die Diskussionen ausgetragen. Bei nüchterner Betrachtung würden die Vorteile der Kernkraft trotz der bekannten Risiken als Übergangs- oder Brückentechnologie deutlich. Entsprechend bleibe das Thema auch aus Anlegersicht interessant.

Tschernobyl oder Fukushima stünden für einige der schlimmsten Nuklearkatastrophen. Zudem frage sich die Menschheit, wohin mit dem Atommüll. Eine endgültige Lösung dieses Problems stehe seit dem Tag aus, als die zivile Nutzung der Kernkraft das Versprechen abgegeben habe, für sicheren und günstigen Strom zu sorgen. Die ungelöste Frage der Endlagerung sowie die Nuklearkatastrophe im japanischen Fukushima aus dem Jahr 2011 hätten die deutsche Regierung sogar dazu veranlasst, den Atomausstieg auszurufen. Bereits in diesem Jahr sollten die letzten deutschen Atommeiler vom Netz gehen. Abgesehen von den Risiken und der Atommüllproblematik würden vielfach auch die Umweltfolgen des Uranabbaus Zweifel an der Nachhaltigkeit der Atomkraft aufwerfen.

In anderen Teilen Europas sei die Einstellung zur Kernenergie jedoch ganz anders. Allen voran in Deutschlands Nachbarland Frankreich. Das Land betreibe derzeit mehr als 50 Reaktoren. Es sollten weitere hinzukommen. Rund 70 Prozent des Stroms würden aus der Atomkraft stammen. Mitte Oktober 2021 habe Präsident Emmanuel Macron den Investitionsplan "Frankreich 2030" zur Modernisierung der französischen Industrie vorgestellt. Im Zuge dessen seien Investitionen von 30 Mrd. Euro vorgesehen. Bis 2030 solle auch 1 Mrd. Euro in den Bereich Kernkraft gesteckt werden. So sollten spezielle kleine, innovative Kernreaktoren mit einer verbesserten Abfallwirtschaft im Fokus stehen.

Diese sollten Frankreich im Kampf gegen den Klimawandel helfen, die heimische Industrie stützen, für niedrige Strompreise sorgen und das Land zusätzlich auf der internationalen politischen Bühne mit Blick auf Energielieferungen unabhängig machen. Auch auf EU-Ebene sei Frankreich ein großer Befürworter der Atomenergie. Zudem sei das Interesse an neuen Atommeilern in einigen anderen Ländern Europas groß. Neubaupläne gebe es beispielsweise in Bulgarien, Polen, Rumänien, der Slowakei, Ungarn und der Tschechischen Republik. So sei es auch zu erklären, dass viele Länder eine EU-weite Klassifizierung der Atomenergie als "grüne" Technologie befürworten würden.

Die Frage nach der EU-weiten Klassifizierung der Atomenergie als "grüne" Technologie habe im Rahmen der Verabschiedung der EU-Klima- bzw. Nachhaltigkeitstaxonomie besondere Bedeutung erhalten. Die Europäische Union möchte den "Green Deal" verwirklichen. Bis 2030 sollten die Netto-Treibhausgasemissionen um mindestens 55 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 gesenkt werden. Dies sei ein Zwischenziel auf dem Weg Europas, bis 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent der Welt zu werden. Um dieses Ziel zu erreichen, sollten möglichst viele Investitionen in die Entwicklung Erneuerbarer Energien gelenkt werden. Und dies in einer Zeit, in der das Interesse von Anlegern an nachhaltigen Anlagemöglichkeiten ohnehin zunehme. So habe beispielsweise das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), ein Fachverband für nachhaltige Geldanlagen im deutschsprachigen Raum, im Jahr 2020 einen Anstieg der Gesamtsumme der Geldanlagen, die allein in Deutschland unter Berücksichtigung von strengen umweltbezogenen, sozialen und auf eine verantwortungsvolle Unternehmensführung bezogenen Kriterien angelegt seien, um 25 Prozent festgestellt. Es sei ein neues Rekordvolumen von 335,3 Mrd. Euro erreicht worden.

Allerdings sei es für Anleger nicht einfach herauszufinden, welche Investments tatsächlich Nachhaltigkeitskriterien genügen würden. Das sogenannte Greenwashing von lediglich als "grünen" Investments getarnten Anlagen könne zum Problem werden. An dieser Stelle greife die EU-Kommission ein und sorge für einen Mechanismus, der EU-Klimataxonomie, mit deren Hilfe Anleger echte Öko-Finanzprodukte in Zukunft identifizieren sollten. Die EU-Taxonomie-Verordnung sei zum 1. Januar 2022 in Kraft getreten. Es handle sich dabei laut EU-Kommission um die weltweit erste "grüne Liste", also ein Klassifikationssystem für ökologisch nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten. Wie spezifisch die Anforderungen an Unternehmen oder Wirtschaftsaktivitäten seien, um noch als nachhaltig zu gelten, zeige der Blick auf einen Bereich wie die Herstellung von Aluminium. So dürften die Treibhausgasemissionen den Wert von 1.484 CO2 oder äquivalenter Gase pro Tonne produziertem Aluminium nicht überschreiten.

Solche Beispiele seien im Taxonomie-Kompass zu finden. Auch dürfe der Stromverbrauch bei der Herstellung einer Tonne Aluminium den Wert von 15,5 Megawattstunden nicht überschreiten. Was jedoch alles endgültig Teil der Taxonomie sei und als "grüne" Technologie zähle, sei nicht ganz eindeutig. Zudem werde die Taxonomie in Zukunft Änderungen unterworfen sein. Als ständige Expertengruppe der Europäischen Kommission werde die nach der Taxonomie-Verordnung eingerichtete "Plattform für ein nachhaltiges Finanzwesen" die Kommission bei der Entwicklung ihrer nachhaltigen Finanzpolitik, insbesondere der Weiterentwicklung der EU-Taxonomie, unterstützen. Dazu solle die Plattform die beste Nachhaltigkeitsexpertise aus Wirtschaft und öffentlicher Hand, aus Industrie sowie Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Finanzindustrie zusammenführen. Dies bedeute jedoch nicht, dass immer Konsens herrschen werde. Einen besonders großen Streitpunkt stelle die Kernenergie dar.

Aus klimapolitischer Sicht sprächen die Argumente derzeit klar für die Kernkraft. Bei einem Blick auf die Kohlendioxid (CO2)-Bilanzen verschiedener Energiequellen schneide die Atomenergie besonders gut ab. Laut Weltklimarat lägen die Emissionen im Fall der Kernkraft bei 12 Gramm CO2-Äquivalent pro kWh Strom. Bei der Windenergie lägen diese Werte im Fall von Onshore- bzw. Offshore-Windkraftanlagen bei 11 bzw. 12 Gramm pro kWh. Solarpanele auf Dächern kämen auf einen Wert von 41 Gramm pro kWh, während dieser Wert für Solarparks mit 48 Gramm angegeben werde.

Darüber hinaus gelte es zu beachten, dass der Wind nicht ständig wehe und sich die Sonne nicht 24 Stunden am Tag zeige. Aus diesem Grund seien Ersatzenergiequellen unerlässlich. Diese würden bei Bedarf einspringen, um die benötigte Energie zu liefern. In Deutschland bestehe dieser sogenannte Backup vor allem aus den für das Klima besonders schädlichen Stein- und Braunkohlekraftwerken. In deren Fall würden die Emissionen mit 820 Gramm CO2-Äquivalent pro kWh Strom angegeben. Im Gegensatz dazu setze Frankreich auf die Atomkraft. Dies sei ein Grund, warum das Land bei den klimaschädlichen Emissionen bei der Energieerzeugung in den vergangenen Jahren besser als Deutschland habe abschneiden können, obwohl Deutschland, wie kaum ein anderes Land in Europa, auf Erneuerbare Energien gesetzt habe.

Laut Umweltbundesamt hätten die 27 EU-Staaten 2019 insgesamt rund 3.610 Millionen Tonnen Treibhausgase in CO₂-Äquivalenten verursacht. Der EU-Durchschnitt pro Kopf habe bei 8,1 Tonnen gelegen. Frankreich und Italien mit ca. 6,5 bzw. 7,0 Tonnen hätten eher am unteren Ende gelegen, Polen mit 10,3 und Deutschland mit 9,7 Tonnen Kohlendioxid-Äquivalenten pro Kopf hingegen im Mittelfeld. Auch mit Blick auf die Emissionen in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) habe Frankreich unter anderem dank seiner Atomkraftwerke zuletzt besser als Deutschland abgeschnitten.

Trotz des geringen CO2-Ausstosses spreche sich das zum Beispiel das Forum Nachhaltige Geldanlagen klar gegen eine Klassifizierung von Atomkraft als nachhaltige Wirtschaftsaktivität unter der EU-Taxonomie-Verordnung aus. So würde spätestens seit der Nuklearkatastrophe in Fukushima im Jahre 2011, aber auch durch das ungelöste Problem zur Lagerung von Atommüll Atomkraft im Widerspruch zur Nachhaltigkeit stehen. Weiter heiße es, dass Atomkraft zusätzlich europaweit eines der wichtigsten Ausschlusskriterien für Sustainable Finance sei. Dass Atomkraft und Sustainable Finance nicht vereinbar seien, würde laut FNG auch ein Blick auf die etablierten Nachhaltigkeits-Siegel und Label in diesem Bereich zeigen:

Das FNG-Siegel, das österreichische Umweltzeichen, das Siegel des Nordic Swan, aber auch das französische Greenfin Label würden laut FNG Atomkraft klar ausschließen. In Frankreich sehe man die Sache ganz anders. Wie genau, habe unter anderem Präsident Macron dargestellt. So wolle Frankreich gerade wegen seiner stark auf der Atomkraft aufbauenden Stromerzeugung in Zukunft in Europa besonders wenig CO2 produzieren. Dabei sollten die neuen, kleineren Kernreaktoren gleich zwei Probleme angehen. Sie sollten für geringere Kosten beim Reaktorbau und für weniger radioaktiven Abfall sorgen. Gleichzeitig solle der so gewonnene Strom dazu eingesetzt werden, weitere "grüne" Technologien wie Wasserstoff zu fördern.

Der für die Elektrolyse benötigte Strom könne verstärkt mithilfe von Kernreaktoren gewonnen werden, sodass zwei in den Augen der französischen Regierung besonders "grüne" Technologien sich sehr gut ergänzen würden. Auf diese Weise wäre die Atomkraft in den Augen der französischen Regierung noch besser für das Klima und würde nebenbei für günstigen Strom und Unabhängigkeit sorgen. Ähnlich wie in Frankreich denke man in vielen Teilen Europas und der Welt, sodass es auch für Investoren viele Möglichkeiten gebe, bei ihren Anlagen das Thema Atomenergie zu berücksichtigen.

Eine Möglichkeit, in Unternehmen rund um das Thema Atomenergie zu investieren, stelle der neue Vontobel Nuclear Energy Index dar. Mithilfe von Strategie-Zertifikaten auf den Vontobel Nuclear Energy Index sei eine Reihe von Branchenvertretern auch für Privatanleger mit nur einer einzigen Transaktion ganz einfach investierbar. Für die Indexaufnahme kämen sowohl Unternehmen aus den Industriestaaten als auch aus den Schwellenländen infrage. Sie müssten sich entweder mit der Förderung von Uran oder der Atomenergie beschäftigen. Die entsprechende Einteilung erfolge entsprechend dem FactSet Revere Business Industry Classification System (RBICS).

Der Index setze sich letztlich aus 25 Branchenvertretern mit der höchsten Marktkapitalisierung zusammen. Sollten sich keine 25 passenden Unternehmen finden, würden sich die übrigen Indexwerte aus Unternehmen zusammensetzen, die nuklear-nahe Technologien oder Dienstleistungen, zum Beispiel rund um den Bau von Kernreaktoren, anbieten würden. Zu diesen Unternehmen würde beispielsweise der französische Baukonzern VINCI zählen. Dieser biete unter anderem Ingenieurdienstleistungen rund um den Bau von Atomkraftwerken an. Die Indexwerte würden gleich gewichtet, während eine Indexanpassung zweimal jährlich erfolge. Für die Verwaltung des Index falle eine Gebühr von 1,25 Prozent p.a. an. Da der Index in US-Dollar berechnet werde, bestehe ein Fremdwährungsrisiko für Anleger in einer abweichenden Produktwährung.

Zu den bekanntesten Branchenvertretern im Bereich Uranproduktion und -Vertrieb gehöre Cameco Corp. Das kanadische Unternehmen verfüge laut eigenen Angaben über Kapazitäten zur Produktion von mehr als 53 Millionen Pfund Urankonzentrat jährlich. Darüber hinaus sei Cameco auch ein führender Anbieter von Dienstleistungen für die Raffination, Umwandlung und Herstellung von Uran.

Der größte Produzent von Uran in den USA sei Energy Fuels. Der Konzern aus dem US-Bundesstaat Colorado möchte mit seinem weltweit einzigartigen Uran-Produktionsportfolio von den Wachstumsmöglichkeiten im Bereich Kernenergie profitieren. Das Unternehmen rechne damit, dass die Kernenergie in den kommenden Jahren ein starkes Wachstum verzeichnen werde, da die Nationen daran arbeiten würden, erschwingliche Energie in großen Mengen bereitzustellen und gleichzeitig den globalen Klimawandel und die Luftverschmutzung zu bekämpfen. Im Fokus stünden die drei Anlagen zur Produktion von Uran White Mesa Mill in Utah, Nichols Ranch Plant in Wyoming und Alta Mesa Plant in Texas.

Energy Fuels sei auch der größte konventionelle Vanadiumproduzent in den USA. Vanadium werde hauptsächlich in der Stahl-, Luftfahrt- und chemischen Industrie verwendet. Zudem würden sich laut Konzernangaben Unternehmen, die sich mit Batterien der nächsten Generation zur Speicherung der Energie aus erneuerbaren Quellen beschäftigen würden, immer mehr für Vanadium interessieren.

Darüber hinaus beschäftige sich Energy Fuels mit dem Bereich seltene Erden. Beispielsweise solle in der White Mesa Mill Monazit verarbeitet, das enthaltene Uran zurückgewonnen und ein marktfähiges gemischtes Seltenerdelement-Karbonat hergestellt werden.

Die Kernenergie werde weiterhin ein heißes Diskussionsthema bleiben. Wenn die Menschheit jedoch ernsthaft die Dekarbonisierung betreiben möchte, werde auch ein nüchterner Blick auf die Vor- und Nachteile dieser Brücken- bzw. Übergangstechnologie vonnöten sein, sodass die Atomenergie auch aus Anlagegesichtspunkten interessant bleiben sollte.

Eine Investmentidee sei zum Beispiel das Strategie-Zertifikat (ISIN DE000VX5TNQ3 / WKN VX5TNQ ) auf den Vontobel Nuclear Energy Index. Der anfängliche Ausgabepreis belaufe sich auf EUR 100,50. Der Startkurs liege bei USD 100,00. Der erste Börsenhandelstag sei am 04.02.2022, der Ausgabetag am 31.01.2022. (Stand: 18.01.2022, 09:20)

Ausgewählte Risiken:

Marktrisiko: Die Entwicklung der Aktienkurse der jeweiligen Unternehmen ist von vielen unternehmerischen, konjunkturellen und ökonomischen Einflussfaktoren abhängig, die der Anleger bei der Bildung seiner Marktmeinung zu berücksichtigen hat. Der Aktienkurs kann sich auch anders entwickeln als erwartet, wodurch Verluste entstehen können.

Emittenten-/Bonitätsrisiko: Anleger sind dem Risiko ausgesetzt, dass Emittent und Garant ihre Verpflichtungen aus dem Produkt und der Garantie - beispielsweise im Falle einer Insolvenz (Zahlungsunfähigkeit/Überschuldung) oder einer behördlichen Anordnung von Abwicklungsmaßnahmen - nicht erfüllen können. Eine solche Anordnung durch eine Abwicklungsbehörde kann im Falle einer Krise des Garanten auch im Vorfeld eines Insolvenzverfahrens ergehen. Ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich. Das Produkt unterliegt als Schuldverschreibung keiner Einlagensicherung.

Währungsrisiken: Da die Währung des zugrundeliegenden Index US-Dollar ist und der Index Aktien und Wertpapiere enthält, die in Nicht-Euro Währungen notieren (z.B. US-Dollar), hängt der Wert des Zertifikats auch vom Umrechnungskurs zwischen der jeweiligen Fremdwährung (z.B. US-Dollar) und Euro (Währung des Zertifikats) ab. Dadurch kann der Wert des Zertifikats (in Euro) über die Laufzeit erheblich schwanken. (Ausgabe vom 17.01.2022) (18.01.2022/zc/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten: Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyseeinsehen.


 

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