Adidas Aktie: Teure Rekordzahlen
Trotz Rekordumsatz im Frühjahr enttäuscht Adidas mit schwacher Marge und hohen Kosten. Die Aktie bricht ein.

Kurz zusammengefasst
- Umsatzrekord dank Fußball-WM
- Operative Kosten über Erwartungen
- EBIT-Marge sinkt auf 8,5 Prozent
- Aktie stürzt um bis zu 16 Prozent ab
Adidas hat im zweiten Quartal 2026 mehr Umsatz gemacht als je zuvor in einem Frühjahrsquartal. Trotzdem schickt die Börse die Aktie auf Talfahrt. Der Grund: Wer genauer hinschaut, findet unter der glänzenden Umsatzzahl eine Kostenrechnung, die Anleger deutlich weniger begeistert.
Der Umsatz kletterte währungsbereinigt um 14 Prozent auf 6,74 Milliarden Euro und übertraf damit die Analystenschätzungen leicht. Getrieben wurde das Wachstum vom Fußballboom rund um die Weltmeisterschaft: Das Performance-Segment legte um 39 Prozent zu. Auch der Direktvertrieb lief mit einem Plus von 25 Prozent rund, die Online-Umsätze wuchsen sogar um 27 Prozent.
Kosten fressen den Erfolg auf
So weit die gute Nachricht. Das Problem liegt bei den operativen Aufwendungen. Sie lagen rund 200 bis 250 Millionen Euro über den Erwartungen, allein die zusätzlichen Marketingausgaben summierten sich auf etwa 62 Millionen Euro. Die Folge: Die EBIT-Marge rutschte auf 8,5 Prozent, das operative Ergebnis blieb mit 574 Millionen Euro deutlich hinter den Markterwartungen zurück.
Positiv fiel dabei die Bruttomarge auf, die trotz Belastungen durch Zölle und Wechselkurse auf 52,5 Prozent stieg. Genau das macht die Diskrepanz so auffällig: Operativ läuft das Geschäft, aber die Kostenseite frisst den Vorteil auf.
Der Markt reagierte entsprechend heftig. Vorbörslich sackte die Aktie zunächst um 9 Prozent auf 165,90 Euro ab, im weiteren Handelsverlauf weitete sich der Rückgang auf rund 16 Prozent aus – der tiefste Stand seit Anfang Juni. Der Kursrutsch zog auch die Papiere von Konkurrent Puma mit nach unten. Der Dax insgesamt startete nur leicht im Minus, Adidas rangierte damit klar am Ende der Kursliste.
Analyst James Grzinic von Jefferies verwies in einer ersten Reaktion auf die beachtliche Erhöhung der operativen Aufwendungen, die Schätzungen deutlich übertroffen habe. Die starke Wachstumsdynamik im zweiten Quartal rücke dadurch in den Hintergrund. Piral Dadhania von RBC bezeichnete das Zahlenwerk als durchwachsen und machte die gestiegenen Marketingausgaben für das verfehlte operative Ergebnis verantwortlich.
Prognose angehoben, aber mit Fragezeichen
Adidas erhöhte die Jahresprognose für das währungsbereinigte Umsatzwachstum leicht auf 9 bis 10 Prozent. Die EBIT-Prognose bleibt jedoch unverändert bei rund 2,3 Milliarden Euro – und liegt damit weiterhin unter den Analystenschätzungen von etwa 2,5 Milliarden Euro.
Die entscheidende Frage für die kommenden Quartale: Sind die gestiegenen Kosten ein einmaliger Effekt des WM-Marketings, oder belasten sie die Profitabilität dauerhaft? Zwischen 130 und 140 Euro gilt die Aktie charttechnisch wieder als interessant – ein Niveau, das nach dem aktuellen Rückgang plötzlich nicht mehr weit entfernt liegt.
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