Adidas feiert WM-Rallye — Siemens Energy und RWE büßen kräftig ein

Adidas profitiert vom WM-Hype, während Siemens Energy und RWE nach starken Jahresläufen Gewinnmitnahmen verzeichnen.

Eduard Altmann ·
Adidas Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Adidas mit 5,4 Prozent Kursplus
  • Siemens Energy nach Mega-Rallye unter Druck
  • RWE durch charttechnische Signale belastet
  • Daimler Truck trotz schwacher Zahlen im Plus

Während die Fußball-WM 2026 Adidas beflügelt und Daimler Truck überraschend zulegt, geraten Siemens Energy, RWE und Fresenius unter Verkaufsdruck. Der DAX zeigt heute ein zweigeteiltes Bild — mit einer klaren Rotation weg von defensiven Werten hin zu zyklischen Konsumtiteln.

GewinnerKursVeränderung
Adidas165,55 EUR+5,4 %
Daimler Truck43,06 EUR+3,4 %
VerliererKursVeränderung
Siemens Energy175,04 EUR-4,0 %
RWE55,30 EUR-3,1 %
Fresenius37,27 EUR-1,5 %

Adidas: WM-Fieber treibt den Kurs auf neue Höhen

Weniger als zwei Wochen vor dem Anpfiff der Fußball-WM in den USA, Kanada und Mexiko läuft Adidas zur Hochform auf. Der Herzogenauracher Konzern rüstet 14 Nationalmannschaften aus — darunter Titelverteidiger Argentinien, Mitgastgeber Mexiko und Turnierfavorit Spanien. Das Turnier wird zum wichtigsten Marketingkatalysator des gesamten Jahres.

Die fundamentale Basis stimmt ebenfalls. Im ersten Quartal 2026 stieg der währungsbereinigte Umsatz um 14 Prozent auf 6,6 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis kletterte auf 705 Millionen Euro, die operative Marge verbesserte sich auf 10,7 Prozent.

Besonders stark entwickelte sich der Direktvertrieb. Das Direct-to-Consumer-Geschäft wuchs um 22 Prozent, der Online-Kanal sogar um 25 Prozent. Starke Impulse kamen aus den Bereichen Laufen, Training und Fußball — genau die Kategorien, die vom WM-Hype profitieren dürften.

Die Analysten begleiten den Aufwärtstrend mit klaren Kaufsignalen. Jefferies hält an einem Kursziel von 190 Euro fest. Bernstein Research geht mit einer „Outperform“-Einstufung noch weiter und traut der Aktie bis zu 245 Euro zu. Hinter dem heutigen Kurssprung steckt damit mehr als ein kurzfristiger Event-Effekt — Adidas vollzieht einen strukturellen Wandel hin zu mehr Direktvertrieb und digitaler Kontrolle.

Daimler Truck: Starke Auftragsbücher trotz schwacher Quartalszahlen

Auf den ersten Blick passen Kursgewinn und operative Realität nicht zusammen. Im ersten Quartal 2026 fiel der Umsatz des Industriegeschäfts um 14 Prozent auf 9,1 Milliarden Euro. Das bereinigte operative Ergebnis halbierte sich auf 498 Millionen Euro, die Marge schrumpfte auf magere 5,0 Prozent.

Der Markt blickt allerdings nach vorn. Mit 114.000 bestellten Fahrzeugen lag der Auftragseingang über 50 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Selbst im schwierigen US-Markt zogen die Bestellungen spürbar an. Diese Dynamik signalisiert eine Erholung, die sich in den kommenden Quartalen in besseren Umsatz- und Ergebniszahlen niederschlagen sollte.

Goldman Sachs hat das Kursziel von 43 auf 45 Euro angehoben, belässt die Einstufung aber bei „Neutral“. Beim aktuellen Kurs ergibt sich ein erwartetes KGV von etwa 11 bis 12, dazu eine Dividendenrendite von rund 4,4 Prozent. Für Value-orientierte Anleger ein durchaus attraktives Paket.

Siemens Energy: Gewinnmitnahmen nach der Mega-Rallye

Der größte Tagesverlierer im DAX ist ausgerechnet einer der stärksten Jahresgewinner. Siemens Energy hat seit Jahresbeginn über 51 Prozent zugelegt, auf Sicht von drei Jahren vervielfachte sich der Kurs. Genau diese Vorperformance macht den Titel anfällig. Viele Investoren hatten noch stärkere Prognoseanhebungen erwartet — und nutzten die Gelegenheit, Kasse zu machen.

Fundamental bleibt das Bild beeindruckend. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 erreichten die Aufträge den Rekordwert von 17,7 Milliarden Euro. Der Umsatz legte vergleichbar um 8,9 Prozent auf 10,3 Milliarden Euro zu, das Ergebnis vor Sondereffekten verbesserte sich auf 1,16 Milliarden Euro.

Für das Gesamtjahr stellt der Konzern ambitionierte Ziele in Aussicht:

  • Vergleichbares Umsatzwachstum von 14 bis 16 Prozent
  • Ergebnismarge vor Sondereffekten von 10 bis 12 Prozent
  • Nettogewinn von rund 4 Milliarden Euro
  • Freier Cashflow vor Steuern von etwa 8 Milliarden Euro

Die operative Dynamik überzeugt. Mit einem erwarteten KGV von über 50 ist der Titel allerdings sportlich bewertet. Bei jeder kleinen Enttäuschung oder externen Marktbewegung droht Verkaufsdruck. Der heutige Rücksetzer illustriert genau dieses Spannungsfeld zwischen starker Substanz und hoher Bewertung.

RWE: Charttechnische Warnsignale belasten

Auch bei RWE dominierten heute die Verkäufer. Ein Analystenkommentar, der die aktuelle Bewertung als angemessen einstufte, setzte den Impuls. Die Botschaft: Der Markt hat bereits einen großen Teil der Zukunftsaussichten eingepreist.

Hinzu kam ein technisches Signal. Am 26. Mai kreuzte der 50-Tage-Durchschnitt nach unten — ein Verkaufssignal, das bei institutionellen Anlegern automatisierte Reaktionen auslösen kann. Schon in den Tagen zuvor war der Aktie eine gewisse Müdigkeit anzumerken. Es ging nur noch zäh aufwärts.

Operativ liefert der Essener Energiekonzern solide Ergebnisse. Das bereinigte Nettoergebnis je Aktie stieg im ersten Quartal um 25 Prozent auf 0,85 Euro. Verbesserte Windverhältnisse in Europa und die Inbetriebnahme neuer Wind- und Solarparks trieben das Wachstum. Beim Thema Dividende plant das Management eine kontinuierliche Steigerung: Nach 1,20 Euro je Aktie für 2025 strebt RWE für 2026 eine Erhöhung auf 1,32 Euro an — mit dem Ziel eines jährlichen Dividendenwachstums von zehn Prozent bis Ende des Jahrzehnts.

Der Rücksetzer wirkt vor diesem Hintergrund eher wie eine technische Konsolidierung als eine fundamentale Neubewertung.

Fresenius: Dividenden-Abschlag und Abwärtstrend belasten

Den moderatesten Verlust unter den heutigen Verlierern verzeichnet Fresenius. Charttechnisch befindet sich die Aktie allerdings in einer schwierigen Phase. Seit dem 17. März bewegt sich der Kurs im langfristigen Abwärtstrend und hat in dieser Zeit rund 16,7 Prozent an Wert verloren. Am 22. Mai wurde zudem die 20-Tage-Linie nach unten gekreuzt.

Ein Teil des heutigen Rückgangs erklärt sich durch den Dividendenabschlag. Fresenius zahlte am 27. Mai eine Dividende von 1,05 Euro je Aktie aus, der Ex-Tag fiel auf den 25. Mai. Solche technischen Effekte drücken kurzfristig auf den Kurs. Zusätzlich belastete ein Quartalsbericht, bei dem die Umsatzerwartungen verfehlt wurden — auch wenn die Jahresziele bestätigt blieben.

Operativ zeigt der Konzern durchaus Fortschritte. Im ersten Quartal lag der Umsatz bei 5,74 Milliarden Euro, das organische Wachstum bei 5 Prozent. Das Core EPS stieg um 13 Prozent auf 0,82 Euro je Aktie.

Die Diskrepanz zwischen den Analystenkurszielen und dem aktuellen Kurs fällt deutlich aus. Kepler Capital sieht die Aktie bei 58 Euro, DZ Bank, Deutsche Bank und Barclays bei jeweils 57 Euro, J.P. Morgan bei 56,60 Euro. Beim aktuellen Niveau von gut 37 Euro signalisiert das erhebliches Aufholpotenzial — aber eben auch fehlendes kurzfristiges Marktvertrauen.

Rotation statt Trendwende — der DAX sortiert sich neu

Der heutige Handelstag zeigt eine klassische Sektorrotation in Aktion. Kapital fließt aus hochbewerteten Energie- und Versorgerwerten sowie dem unter Druck stehenden Gesundheitssektor heraus — und in konsumnahe Zykliker sowie selektive Industriewerte hinein. Der DAX selbst bewegt sich weiterhin im Bereich seiner Hochs, getragen von einer breiten Basis aus Industrie-, Technologie- und Finanzwerten.

Die Rücksetzer bei Siemens Energy und RWE sind nach massiven Jahresgewinnen beider Titel eher als technische Verschnaufpause zu werten. Bei Fresenius bremsen strukturelle Zweifel den Kurs, während die Bewertungslücke zu den Analystenzielen wächst. Auf der Gegenseite kombiniert Adidas einen klaren Event-Katalysator mit solider operativer Substanz — ein Mix, der kurzfristig weiteres Momentum liefern könnte. Und Daimler Truck beweist, dass an der Börse manchmal die Zukunft mehr zählt als die Gegenwart.

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Adidas Aktie

165,65 EUR

+ 8,45 EUR +5,38 %
KGV 20,32
Sektor Zyklischer Konsum
Div.-Rendite 1,77 %
Marktkapitalisierung 27,85 Mrd. EUR
ISIN: DE000A1EWWW0 WKN: A1EWWW

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