Adidas springt 7 Prozent, Deutsche Bank fällt 3 Prozent – dieselbe Berichtssaison, zwei Welten
Adidas überzeugt mit Margensteigerung, während die Deutsche Bank trotz Rekordquartal an der Börse verliert. Mercedes-Benz zeigt gemischte Bilanz.

Kurz zusammengefasst
- Adidas-Aktie steigt über 7 Prozent
- Deutsche Bank trotz Rekordgewinn im Minus
- UBS profitiert von Credit-Suisse-Integration
- Mercedes-Benz mit Umsatzrückgang im Quartal
Liebe Leserinnen und Leser,
gestern schloss ich mit der Frage, auf welcher Seite die Technologiebranche steht – bei den Preissetzern oder bei den Preisnehmern. Die Antwort steht noch aus: Microsoft, Alphabet, Meta und Amazon öffnen ihre Bücher erst nach US-Börsenschluss an diesem Mittwochabend. Doch die europäische Berichtssaison hat in den vergangenen Stunden eigene Fakten geschaffen. Und die sind aufschlussreich genug, um nicht auf Kalifornien warten zu müssen.
Der DAX notiert am Mittwochnachmittag bei 23.953 Zählern, ein leichtes Minus von 0,2 Prozent. Brent-Rohöl ist auf 114,70 US-Dollar geklettert. Die deutsche April-Inflation liegt bei 2,9 Prozent. Drei Zahlen, die den Rahmen setzen – und drei Unternehmensbilanzen, die zeigen, wie unterschiedlich Konzerne mit diesem Rahmen umgehen.
Adidas: Originalpreis statt Rabattschlacht
Bjørn Gulden hat eine einfache Formel: Verkaufe zum vollen Preis, nicht im Sale. Das Ergebnis dieser Philosophie lässt sich an diesem Mittwoch in harten Zahlen ablesen. Der währungsbereinigte Umsatz von Adidas wuchs im ersten Quartal um 14 Prozent auf 6,6 Milliarden Euro. Das Bekleidungssegment legte um 31 Prozent zu, der Online-Handel um 25 Prozent.
Die operative Marge erreichte 10,7 Prozent – ein Plus von 0,8 Prozentpunkten. Das Betriebsergebnis von 705 Millionen Euro lag fast 60 Millionen über dem Analystenkonsens. Die Aktie quittierte das mit einem Sprung von über 7 Prozent auf rund 149 Euro. Gulden zeigte sich „sehr stolz auf die Ergebnisse“. UBS hält ein Kursziel von 219 Euro, Bernstein sieht 245 Euro. In einem Umfeld, in dem Konsumenten preissensibler werden, gelingt es Adidas, genau das Gegenteil zu tun: Preise durchzusetzen statt sie zu senken.
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Zwei Banken, zwei Reaktionen
Im Bankensektor liefert dieser Mittwoch eine Lektion darüber, wie fein die Linie zwischen Kursgewinn und Kursverlust verläuft – selbst bei operativ starken Zahlen.
Die UBS meldete einen Nettogewinn von 3,04 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 80 Prozent. Die Erträge stiegen um 13 Prozent auf 14,2 Milliarden US-Dollar. Die CET1-Quote liegt bei 14,7 Prozent. Die Integration der Credit Suisse hat bislang 11,5 Milliarden US-Dollar an Einsparungen gebracht. Dazu kommen Aktienrückkäufe: 900 Millionen US-Dollar im ersten Quartal, bis Mitte des Jahres sollen es insgesamt 3 Milliarden werden. Die Aktie legte in Zürich um 5,2 Prozent zu.
Die Deutsche Bank vermeldete einen Rekordgewinn für ein erstes Quartal: 2,118 Milliarden Euro bei Erträgen von 8,7 Milliarden Euro. Die Privatkundensparte wuchs beim Vorsteuergewinn um 39 Prozent auf 681 Millionen Euro. Trotzdem verlor die Aktie rund 3 Prozent auf 26,45 Euro – Schlusslicht im DAX. Der Markt störte sich an der Risikovorsorge, die um 10 Prozent auf 519 Millionen Euro stieg, und an einer leicht enttäuschenden Kernkapitalquote. RBC Capital Markets hält dennoch an „Outperform“ mit Kursziel 35 Euro fest, Goldman Sachs bleibt bei „Neutral“ und 34,50 Euro.
Mercedes-Benz: Weniger Umsatz, mehr Elektro
Bei Mercedes-Benz schrumpfte der Konzernumsatz im ersten Quartal um 4,9 Prozent auf 31,6 Milliarden Euro. Die bereinigte Umsatzrendite in der Pkw-Sparte fiel auf 4,1 Prozent. China bleibt schwach.
Die Gegenrechnung fällt differenzierter aus: In Europa wuchsen die Absätze um 7 Prozent, in den USA um 20 Prozent. Reine Elektrofahrzeuge legten in Europa um 34 Prozent zu, in Deutschland um 36 Prozent. Der Free Cash Flow des Industriegeschäfts blieb mit 1,86 Milliarden Euro solide, die Netto-Liquidität stieg leicht auf 33,8 Milliarden Euro. Stuttgart verdient weniger – aber die Bilanz hält.
Wall Street wartet auf den Abend
Jenseits des Atlantiks fällt ein Sektor auf, der von der geopolitischen Lage direkt profitiert. General Dynamics meldete einen Quartalsumsatz von 13,5 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 10,3 Prozent. Der Auftragseingang erreichte 26,6 Milliarden US-Dollar – eine Book-to-Bill-Ratio von 2 zu 1.
An der Wall Street selbst herrscht Warten. Die Nasdaq schloss am Dienstag mit einem Minus von 0,9 Prozent bei 24.663 Punkten. Nach Börsenschluss an diesem Mittwoch legen Amazon, Meta, Microsoft und Alphabet ihre Quartalszahlen vor. Es ist die Prüfung, die diese gesamte Berichtswoche überragt: Münden die milliardenschweren KI-Investitionen in messbares Umsatzwachstum – oder bleiben sie Versprechen auf die Zukunft?
Was bleibt
Das Bundeswirtschaftsministerium taxiert das deutsche BIP-Wachstum im ersten Quartal auf 0,0 Prozent. Die Volkswirtschaft stagniert. Doch die Bilanzen, die an diesem Mittwoch auf den Tisch kamen, erzählen eine andere Geschichte. Adidas steigert seine Marge in einem inflationären Umfeld. Die UBS erntet die Früchte einer milliardenschweren Integration. Mercedes-Benz verteidigt seinen Cashflow trotz schrumpfender Erlöse. Selbst die Deutsche Bank liefert Rekordgewinne – und wird dafür bestraft, weil der Markt inzwischen Perfektion verlangt.
Die Trennlinie verläuft nicht zwischen guten und schlechten Unternehmen. Sie verläuft zwischen denen, die ihre Kosten im Griff haben, und denen, die auf Wachstum angewiesen sind, das nicht kommt. Heute Abend wird sich zeigen, ob die amerikanische Technologiebranche zur ersten oder zur zweiten Gruppe gehört.
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Herzlichst,
Ihr Eduard Altmann