Adobe gerät zunehmend unter Druck, nachdem mehrere große Investmentbanken ihre Einschätzungen und Kursziele spürbar zurückgenommen haben. Die Aktie ist auf das niedrigste Niveau seit November 2022 gefallen. Im Mittelpunkt stehen Zweifel an der Bewertung und an der konkreten Monetarisierung der KI-Initiativen.
- Mehrere Abstufungen und deutliche Kurszielsenkungen
- Konsens-Rating nur noch „Hold“ bei klar gesunkener Erwartungshaltung
- Solide Zahlen, aber Sorgen um das Wachstumstempo ab 2026
- Aktie weit unter Allzeithoch, deutliche Underperformance zum Tech-Sektor
Welle von Abstufungen
In den vergangenen Wochen hat sich eine Serie negativer Analystenkommentare aufgebaut. Goldman Sachs startete die Beobachtung der Aktie mit „Sell“ und einem Kursziel von 290 US-Dollar. Die Analysten verweisen auf stärkeren Wettbewerb, der insbesondere das Wachstum im Premium-Segment bremsen könnte. Kritisch gesehen wird auch, dass Adobe im günstigeren Produktsegment wenig präsent ist.
Oppenheimer stufte die Aktie am 13. Januar von „Outperform“ auf „Market Perform“ ab. Begründung: Die wachsende Bedeutung von KI verändere die Bewertungsmaßstäbe für Softwarewerte. Jefferies senkte seine Empfehlung bereits am 4. Januar von „Buy“ auf „Hold“ und kappte das Kursziel deutlich von 500 auf 400 US-Dollar. Ausschlaggebend seien verlangsamte Umsatztrends seit dem Geschäftsjahr 2023.
Auch andere Häuser reduzierten ihre Kursziele, beließen aber die Ratings:
- Wells Fargo: von 470 auf 420 US-Dollar (Overweight)
- TD Cowen: von 420 auf 400 US-Dollar (Hold)
- Wolfe Research: von 450 auf 440 US-Dollar (Outperform)
- Morgan Stanley: von 450 auf 425 US-Dollar (Equal Weight)
- Stifel Nicolaus: von 480 auf 450 US-Dollar (Buy)
Laut MarketBeat liegt der Konsens inzwischen bei „Hold“ auf Basis von 28 Banken. Im Detail entfallen 4 Empfehlungen auf „Sell“, 12 auf „Hold“, 11 auf „Buy“ und 1 auf „Strong Buy“. Das durchschnittliche Kursziel beträgt 402,85 US-Dollar und liegt damit klar über dem aktuellen Kurs, aber deutlich unter früheren Erwartungsniveaus.
KI-Skepsis belastet Stimmung
Hinter den Abstufungen steht vor allem die Frage, wie gut Adobe sein KI-Angebot tatsächlich in Umsatzwachstum übersetzen kann. Baird-Analyst Rob Oliver verweist darauf, dass die Aktie aktuell bei etwa dem 12-Fachen des erwarteten Cashflows gehandelt wird – einem Mehrjahrestief. Er bleibt dennoch neutral und warnt, dass „günstig bewertete Softwarewerte längere Zeit günstig bleiben können“.
Oliver hebt zudem hervor, dass Adobe mit seiner Kennzahl „AI-Influenced ARR“, die etwa ein Drittel des Gesamtgeschäfts ausmachen soll, teilweise auf Spott gestoßen sei. Das Management könne mit seiner Sichtweise zwar am Ende recht behalten, doch rechnet der Analyst erst dann mit einer Neubewertung, wenn sich eine klare Beschleunigung des Umsatzwachstums zeigt.
Auch von Medienseite gibt es kritische Töne: CNBC-Kommentator Jim Cramer verwies auf die neue Produktivitätssuite von Apple, die direkt mit Angeboten von Adobe konkurriert und den Druck im Markt erhöht.
Starke Zahlen, aber Bewertungsfrage
Operativ liefert Adobe noch solide ab. Am 10. Dezember meldete der Konzern für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2025 einen Gewinn von 5,50 US-Dollar je Aktie und damit leicht über den Konsensschätzungen von 5,40 US-Dollar. Der Umsatz lag mit 6,19 Milliarden US-Dollar ebenfalls über den erwarteten 6,11 Milliarden US-Dollar.
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Für das Gesamtjahr 2025 erreichte Adobe einen Rekordumsatz von 23,77 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 11 % gegenüber dem Vorjahr.
Für das laufende Geschäftsjahr 2026 gibt das Management folgende Spanne vor:
- Umsatz: 25,90–26,10 Milliarden US-Dollar
- Non-GAAP EPS: 23,30–23,50 US-Dollar
- ARR-Wachstum: 10,2 % gegenüber dem Vorjahr
Dennoch rechnen Analysten damit, dass das Wachstum im größten Segment 2026 auf rund 9 % zurückgehen könnte – nach 11 % im Jahr 2025 und 12 % im Jahr 2024. Genau dieser leichte, aber kontinuierliche Rückgang nährt Zweifel, ob die aktuelle Bewertung noch gerechtfertigt ist.
Institutionelle Investoren und Kursbild
Trotz des Kursrückgangs bleiben institutionelle Anleger stark engagiert. Rund 81,79 % der ausstehenden Aktien liegen in ihren Händen. Fisher Funds Management etwa hat seine Position im dritten Quartal um 72,1 % auf 79.948 Aktien ausgebaut, mit einem damaligen Gegenwert von etwa 28,2 Millionen US-Dollar.
Charttechnisch präsentiert sich das Bild schwach: In den vergangenen drei Monaten verlor der Titel rund 9 % und blieb damit klar hinter dem Technologiesektor zurück, der im gleichen Zeitraum um 3,9 % zulegte. Vom Allzeithoch bei 688,37 US-Dollar im November 2021 ist die Aktie inzwischen fast 48 % entfernt.
Ausblick und wichtige Termine
Der Blick richtet sich nun auf mehrere konkrete Ereignisse. Im März legt Adobe die Zahlen zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026 vor. Das Unternehmen peilt dafür einen Umsatz von 6,25–6,30 Milliarden US-Dollar sowie einen Non-GAAP-Gewinn je Aktie von 5,85–5,90 US-Dollar an.
Ein weiterer Fokuspunkt ist die Adobe Summit Conference im April. Dort erwarten Marktteilnehmer Hinweise, ob sich die KI-Produkte stärker in den Geschäftszahlen niederschlagen und ob das Management seine KI-Story mit belastbaren Daten unterlegen kann.
Parallel läuft das Prüfverfahren für die im November 2025 angekündigte Übernahme von Semrush im Volumen von 1,9 Milliarden US-Dollar. Der Abschluss wird in der ersten Jahreshälfte 2026 angestrebt, vorbehaltlich der behördlichen Genehmigungen. Strategisch soll der Zukauf die Marketing-Werkzeuge von Adobe und die Sichtbarkeit von Marken im Umfeld agentischer KI-Lösungen stärken – ein Bereich, der mittelfristig an Bedeutung gewinnen dürfte, wenn die Wachstumsziele für 2026 und darüber hinaus erreicht werden sollen.
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