Aixtron Aktie: EBIT rutscht auf minus 7,6 Millionen

Aixtron verzeichnet starken Auftragseingang durch Optoelektronik, leidet aber unter schwacher Leistungselektronik. Der Halbjahresumsatz fällt, der Ausblick bleibt ambitioniert.

Dr. Robert Sasse ·
Aixtron Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Optoelektronik treibt Auftragseingang
  • Leistungselektronik bleibt schwach
  • Halbjahresumsatz sinkt deutlich
  • Jahresprognose trotzdem bestätigt

Aixtron hat am 30. Juli seine Zahlen für das erste Halbjahr 2026 vorgelegt – und das Bild ist zweigeteilt. Der Auftragseingang schoss im zweiten Quartal um 81 Prozent auf 214,5 Millionen Euro nach oben und übertraf damit die Erwartungen der Analysten deutlich.

Gleichzeitig brach der Umsatz im ersten Halbjahr um 30 Prozent auf 174,5 Millionen Euro ein. Der Anlagenbauer aus Herzogenrath steckt mitten in einem Übergang: Ein Geschäftsbereich boomt, ein anderer schwächelt weiter deutlich.

Optoelektronik zieht, Leistungselektronik bremst

Treiber der Auftragsflut ist die Optoelektronik. Rund 75 Prozent des Equipment-Auftragseingangs im zweiten Quartal – etwa 161 Millionen Euro – entfielen auf dieses Segment. Nachfrage kommt vor allem aus dem Ausbau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz, die auf schnellere optische Datenübertragung setzen.

Aixtron liefert dafür Laser-Depositionsanlagen auf Indiumphosphid-Basis; die ersten Systemauslieferungen sind ab dem dritten Quartal geplant. Im ersten Quartal hatte der Anteil der Optoelektronik am Auftragseingang bereits bei rund 70 Prozent gelegen, getragen von Multi-Tool-Bestellungen mehrerer Kunden.

Auf der anderen Seite bleibt die Leistungselektronik ein Sorgenkind. Die Nachfrage nach Anlagen für Siliziumkarbid- und Galliumnitrid-Halbleiter ist laut Unternehmensangaben weiterhin schwach, die Auslastung bei SiC-Kunden niedrig. Eine Erholung erwartet Aixtron frühestens für die Jahre 2027 bis 2028. Diese Zweiteilung erklärt, warum der starke Auftragseingang nicht unmittelbar in Umsatz und Gewinn durchschlägt.

Gewinn rutscht ins Minus, Kasse füllt sich

Das operative Ergebnis spiegelt den Umbau wider: Im ersten Halbjahr rutschte das EBIT auf minus 7,6 Millionen Euro, nach einem Plus von 26,9 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Die Bruttomarge sank auf 33 Prozent von 36 Prozent. Belastet wurde das Ergebnis zusätzlich durch einen Personalabbau im ersten Quartal, der Einmalkosten im mittleren einstelligen Millionenbereich verursachte.

Zugleich verbesserte sich der freie Mittelzufluss im Halbjahr um 91 Millionen Euro auf 162,1 Millionen Euro. Nach der im April platzierten Wandelanleihe über 450 Millionen Euro mit null Prozent Kupon und Laufzeit bis 2031 verfügte Aixtron zum 30. Juni über liquide Mittel von 816,2 Millionen Euro, deutlich mehr als die 224,6 Millionen Euro zum Jahresende 2025.

Trotz der schwachen Halbjahreszahlen bestätigte das Unternehmen seine im April angehobene Jahresprognose: Umsatz von 560 Millionen Euro plus/minus 30 Millionen Euro, eine Bruttomarge von rund 42 Prozent und eine EBIT-Marge zwischen 17 und 20 Prozent.

Für das dritte Quartal stellte Aixtron einen Umsatz von 180 Millionen Euro plus/minus 20 Millionen Euro in Aussicht – ein deutlicher Sprung gegenüber dem ersten Halbjahr, getragen vom prall gefüllten Auftragsbestand von 456,9 Millionen Euro.

Analysten uneins über die Bewertung

Die Reaktionen der Analysten nach den Zahlen fielen gespalten aus. JPMorgan senkte das Kursziel von 70 auf 60 Euro, bestätigte aber die Einstufung „Overweight“ – die robuste Optoelektronik-Nachfrage überwiege aus Sicht der Bank die Schwäche in der Leistungselektronik. Die DZ Bank kappte ihr Kursziel von 45 auf 40 Euro und vergab die Einstufung „Halten“.

Ihre Begründung: Aixtron führe derzeit ein Geschäft der zwei Geschwindigkeiten, die guten Perspektiven im Optoelektronik-Bereich seien im Kurs aber bereits eingepreist. Berenberg bezeichnete den Auftragseingang im zweiten Quartal zwar als grandios, sah die Bewertung nach dem Kursdämpfer im Juni aber wieder als ansprechend an und beließ das Kursziel bei 42 Euro mit der Einstufung „Hold“.

Am Markt kommt die Gemengelage aktuell durchwachsen an. Die Aktie notiert bei 40,55 Euro und legt am heutigen Montag um 0,90 Prozent zu, liegt damit aber weiterhin 14,57 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt.

Nach dem kräftigen Kursanstieg seit Jahresbeginn hat sich das Papier zuletzt spürbar von seinem Hoch aus dem Sommer entfernt – die Diskussion zwischen Wachstumsstory und Bewertungsfrage dürfte die Aktie bis zu den nächsten Quartalszahlen begleiten.

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Sektor Technologie
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