Alibaba drückt beim schnellen Liefergeschäft aufs Tempo – und bezahlt dafür mit deutlich sinkender Profitabilität. Während die Umsätze im Quick-Commerce kräftig zulegen, geraten Margen und Cashflow spürbar unter Druck. Anleger stehen damit vor einem Zielkonflikt: Wachstum jetzt, Gewinne später – wie lange geht diese Rechnung gut?
Quick Commerce frisst Marge
Alibaba baut sein Schnellliefer-Angebot rund um Taobao Instant Commerce massiv aus. Das zeigt Wirkung auf der Umsatzseite: Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 legten die Quick-Commerce-Erlöse um 60 % gegenüber dem Vorjahr zu, getrieben von einem starken Auftragseingang und der Ausweitung des Angebots.
Die Kehrseite ist deutlich:
- Das EBITA im China-E-Commerce-Geschäft brach in Q2 um 76 % im Jahresvergleich ein
- Vertriebs- und Marketingkosten kletterten auf knapp 27 % des Umsatzes
- Ohne die Verluste aus Quick Commerce hätte das Kerngeschäft in China ein Wachstum des EBITA im mittleren einstelligen Prozentbereich erzielt
- Der Cashflow hat sich spürbar verschlechtert, vor allem wegen hoher Infrastruktur-Investitionen
Das Management stellt klar, dass das bereinigte EBITA in den kommenden Quartalen schwanken dürfte. Grund sind ein intensiver Wettbewerb und anhaltend hohe Investitionen in Logistik, Technologie und Kundengewinnung.
Analysten uneins – aber überwiegend positiv
An der Wall Street sorgt diese Strategie für gemischte Reaktionen. Am 8. Januar 2026 bestätigte Morgan Stanley zwar sein „Overweight“-Rating, senkte das Kursziel aber von 200 auf 180 US-Dollar. Begründung: ein schwächerer Ausblick für das Kerngeschäft im E-Commerce.
Jefferies blieb am selben Tag bei „Buy“, reduzierte das Kursziel jedoch leicht von 231 auf 225 US-Dollar. Hier sticht vor allem der positive Blick auf das Cloud-Geschäft hervor, das von der starken KI-Nachfrage profitiert.
In der Breite bleibt die Stimmung konstruktiv: Rund 85 % der Analysten sind weiterhin bullish, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 195,08 US-Dollar und signalisiert damit ein erwartetes Aufwärtspotenzial von rund 18 % gegenüber den jüngsten Notierungen.
KI und Cloud als Stabilitätsanker
Während Quick Commerce die Marge belastet, entwickelt sich die Cloud-Sparte zur Stütze des Konzerns. Die Cloud Intelligence Group steigerte ihren Umsatz im jüngsten Quartal um 34 % gegenüber dem Vorjahr. Besonders dynamisch wachsen KI-bezogene Produkte, die dreistellige Wachstumsraten verzeichnen.
Zu den zentralen Entwicklungen im KI-Bereich gehören:
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- Aufwertungen der Qwen-KI-App, die die Nutzerbindung erhöhen
- Rückenwind durch staatliche Unterstützung für KI-Initiativen
- Beschleunigtes Cloud-Wachstum dank KI-Nachfrage
- Einführung des Visual-WAN-Modells für Geschäftskunden
Am 5. Januar 2026 hat Alibaba zudem angekündigt, KI-gestützte Services für Restaurants über die Karten- und Navigations-App Amap anzubieten. Damit tritt der Konzern im Gastronomie- und Dining-Segment direkter in Konkurrenz zu Meituan.
Harte Konkurrenz im Heimatmarkt
Im chinesischen Onlinehandel bleibt der Wettbewerbsdruck hoch. JD.com setzt mit seinem selbst betriebenen, preisorientierten Modell klare Kontrapunkte. Im dritten Quartal 2025 steigerte JD.com die Erlöse um 14,9 % auf 299,1 Mrd. Renminbi.
PDD Holdings verschärft die Lage zusätzlich mit aggressiven Preissenkungen und Promotions. Diese Strategien setzen die Margen in der gesamten Branche unter Druck und begrenzen kurzfristig den Spielraum für Preiserhöhungen oder Kostendurchreichungen – auch für Alibaba.
Bewertung und Kursbild
Trotz der Belastungen durch Quick Commerce hat sich die Aktie in den vergangenen Monaten deutlich erholt. Im Zwölfmonatsvergleich steht ein Kursplus von rund 65 % zu Buche, aktuell notiert der Titel bei 140,40 Euro und damit gut 13 % unter dem 52-Wochen-Hoch von Anfang Oktober.
Bewertungsseitig wird Alibaba mit einem Forward-KGV von 20,04 gehandelt und liegt damit unter dem Branchenschnitt von 24,97. Die Marktkapitalisierung beläuft sich auf rund 395 Milliarden US-Dollar, das aktuelle KGV auf Basis der vergangenen zwölf Monate beträgt 22,02.
Gleichzeitig hat sich der Gewinn-Ausblick eingetrübt: Die Zacks-Konsensschätzung für das Geschäftsjahr 2026 liegt bei 6,10 US-Dollar je Aktie, rund 5 % niedriger als noch vor 30 Tagen. Das entspräche einem Rückgang des Gewinns um 32,3 % gegenüber dem Vorjahr.
Strategische Weichenstellung
Unterm Strich steht Alibaba an einem wichtigen Wendepunkt: Die Offensive im Quick-Commerce steigert die Nutzeraktivität und stärkt die Position der Taobao-App, zieht aber die Profitabilität im Kerngeschäft deutlich nach unten. Parallel dazu gewinnt die Cloud-Sparte mit starken KI-Wachstumsraten strategisch an Bedeutung und wirkt als Gegengewicht zu den Margenrisiken im Handel.
Mit Blick auf Chinas 15. Fünfjahresplan (2026–2030), der die Digitalisierung ganzer Branchen betont, spricht der politische Rahmen eher für langfristiges Wachstum im Plattform- und KI-Geschäft. Kurzfristig dürfte für Anleger jedoch vor allem entscheidend sein, wie stark die Margenbelastung durch Quick Commerce im kommenden Quartal ausfällt – die nächste Bewährungsprobe folgt mit den Zahlen zum 19. Februar 2026.
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