Alibaba Aktie: Rekordhoch noch 38,55 Prozent entfernt

Alibaba verbrennt Milliarden im E-Commerce-Kampf, während KI-Investitionen boomen. Das Management verspricht eine Trendwende bis 2027.

Eduard Altmann ·
Alibaba Aktie

Kurz zusammengefasst

  • E-Commerce-Gewinn bricht um 44 Prozent ein
  • KI-Cloud-Sparte wächst weiter stark
  • Management verspricht Wende bis 2027
  • Aktie erholt sich vom 52-Wochen-Tief

99,30 Euro. Plus 2,06 Prozent am Tag, plus 15,73 Prozent in sieben Handelstagen. Wer nur auf diese Zahlen schaut, könnte meinen, Alibaba habe die Wende geschafft. Wer tiefer blickt, sieht etwas anderes: einen Konzern, der gerade Milliarden verbrennt, um seinen eigenen Heimatmarkt zu verteidigen.

Die Erholung seit dem 52-Wochen-Tief von 79,50 Euro am 26. Juni ist real. Aber sie ändert nichts an der größeren Bilanz: Seit Jahresanfang steht die Aktie mit 25,34 Prozent im Minus, zum Rekordhoch von 161,60 Euro aus dem Oktober 2025 fehlen noch 38,55 Prozent. Das ist kein linearer Aufstieg. Das ist eine Aktie, die zwischen zwei sehr unterschiedlichen Geschichten hin- und hergerissen wird.

Ein Subventionskrieg mit echten Verlusten

Die zweite Geschichte spielt im E-Commerce-Geschäft, und sie ist brutal. Alibaba kämpft im chinesischen Instant-Retail-Markt gegen Meituan und JD.com – und zahlt dafür einen Preis, den man getrost als Verteidigungssteuer bezeichnen kann.

Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 wuchs der Umsatz im E-Commerce-Segment um 9 Prozent, angetrieben vom Instant-Retail-Geschäft. Das bereinigte EBITA des Segments brach dabei um 44 Prozent ein. Für das gesamte China-Commerce-Geschäft sank das bereinigte EBITA im vierten Quartal um 40 Prozent auf 24,01 Milliarden Yuan, für das Gesamtjahr um 44 Prozent auf 107,51 Milliarden Yuan.

Auf Konzernebene wirkt das Bild noch schärfer. Der Umsatz stieg zwar um 3 Prozent auf 243,38 Milliarden Yuan. Der bereinigte Nettogewinn brach jedoch um 99,7 Prozent ein – auf gerade einmal 86 Millionen Yuan. Das ist kein Rundungsfehler, das ist fast eine Nullstellung des Gewinns durch einen einzigen Markt.

Das Versprechen der Wende

Was diese Zahlen für Anleger interessant macht, ist nicht ihre Höhe. Es ist das, was das Management jetzt öffentlich verspricht.

Fan Jiang, verantwortlich für das E-Commerce-Geschäft, hat eine Zahl genannt: Die Unit Economics im Instant-Retail-Geschäft sollen noch vor Ende des Geschäftsjahres 2027 positiv werden. Das ist mehr als eine vage Zuversichtsbekundung. Es ist ein Datum, ein Wechsel von reiner Marktanteils-Verteidigung hin zu tatsächlicher Effizienz. Beobachter lesen darin eine strategische Deeskalation – ein bewusstes Abrücken vom Prinzip „Marktanteil um jeden Preis“.

Das gesparte Geld soll nicht verschwinden. Es fließt in die nächste, viel größere Wette. CEO Eddie Wu hat erklärt, dass sich KI-Investitionen inzwischen auszahlen – und kündigte künftige Investitionsausgaben von deutlich über 380 Milliarden Yuan an. Anders als das Commerce-Geschäft zeigt die Cloud- und KI-Sparte keine Schwäche: Der KI-Produktumsatz wächst seit elf Quartalen in Folge dreistellig, das externe Cloud-Geschäft legt um 40 Prozent zu.

Was der Markt tatsächlich einpreist

Diese Spannung – ein Commerce-Motor, der heute Marge für Marktanteil opfert, während die KI-Infrastruktur Rekordkapital verschlingt – erklärt, warum sich Alibaba-Aktien kaum wie ein solider Compounder verhalten. Sie ähneln eher einem Hebelprodukt auf Chinas Tech-Investitionszyklus. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 45,69 Prozent bestätigt das.

Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 123,79 Euro liegt bei fast 20 Prozent. Das zeigt, wie tief die Aktie in den vergangenen Monaten gefallen ist, bevor die jüngste Erholung überhaupt einsetzte. Analysten sehen im Konsens ein Kursziel von 166,90 Euro – ein Aufwärtspotenzial von rund 68 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau.

Diese Zahl muss man allerdings vorsichtig lesen. Sie steht neben einem E-Commerce-Geschäft, das weiter Subventionsverluste schluckt, und einer Cloud-Sparte, deren Rendite zwar wächst, aber diese Verluste noch nicht ausgleicht. Der RSI von 59,9 deutet an, dass für die Erholung noch Raum bleibt, bevor die Aktie überkauft wäre. Mit einem Abstand von 3,47 Prozent zum 50-Tage-Durchschnitt von 102,87 Euro ist die technische Reparatur seit dem Junitief noch nicht abgeschlossen.

Die größere Wette hinter dem Kurszettel

Eine Dividende von 1,05 US-Dollar je Aktie mit Ex-Datum am 11. Juni und eine Marktkapitalisierung von 228,01 Milliarden Euro erinnern daran, dass hier eine der größten Wetten im chinesischen Tech-Sektor läuft. Diese Wette balanciert zwischen zwei Erzählungen, die sich gerade gegenüberstehen: ein kostspieliger, andauernder Subventionskrieg im Instant-Retail-Geschäft, den das Management für nahezu beendet erklärt – und ein KI- und Cloud-Ausbau, der eines Tages die Kosten der Commerce-Verteidigung rechtfertigen soll.

Bis die Instant-Retail-Verluste tatsächlich so schrumpfen, wie Fan Jiang es versprochen hat, dürfte die Volatilität der Aktie kaum nachlassen. Wer die 24,91-Prozent-Erholung seit dem Junitief kauft, wettet im Kern auf eine einzige Frage: Kann Alibabas Führung die angekündigte Deeskalation liefern – und zwar zu dem Termin, den sie selbst gesetzt hat?

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Alibaba Aktie

99,70 EUR

+ 2,40 EUR +2,47 %
KGV 15,18
Sektor Zyklischer Konsum
Div.-Rendite 0,96 %
Marktkapitalisierung 261,23 Mrd. EUR
ISIN: US01609W1027 WKN: A117ME

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