Allianz Aktie: Einkaufstour mit System
Allianz sichert sich fast 95 Prozent an Pimco und expandiert in Portugal durch Caravela-Übernahme. Die Aktie notiert nahe ihrem Rekordhoch.

Kurz zusammengefasst
- Rückkauf von Pimco-Anteilen für 1,4 Mrd. Euro
- Übernahme des Versicherers Caravela in Portugal
- Marktanteil in Portugal steigt auf 6,4 Prozent
- Aktie nahe Rekordhoch vor Halbjahreszahlen
Zwei Übernahmen an einem Tag, dazu ein Rekordkurs kurz vor den Halbjahreszahlen: Die Allianz zeigt sich in dieser Woche so expansionsfreudig wie selten. Während sich der Versicherungskonzern in den USA nahezu vollständig einen seiner wertvollsten Vermögensverwalter sichert, wächst er in Portugal gleichzeitig im Kleinformat weiter.
Volle Kontrolle bei Pimco
Die Allianz hat das Recht zur Kündigung des Mitarbeiterbeteiligungsplans bei ihrer US-Fondsgesellschaft Pimco ausgeübt und kauft die verbliebenen Anteile ehemaliger Mitarbeiter zurück. Die sogenannten „M Units“ kosten den Konzern umgerechnet rund 1,4 Milliarden Euro. Nach dem Rückkauf hält die Allianz künftig etwa 95 Prozent an Pimco, aktuell sind es 90,6 Prozent.
Jefferies bezeichnete den Schritt als „freudige Überraschung“ und verwies darauf, dass damit die letzte externe Beteiligung an einem Geschäft verschwindet, das faktisch längst der Allianz gehört. Der Preis wirkt dabei günstig: Umgerechnet auf den Gesamtwert ergäbe sich für Pimco eine Bewertung von rund 31,8 Milliarden Euro — Jefferies selbst taxiert den Vermögensverwalter auf 35,6 Milliarden Euro.
Kleiner Deal, große Symbolik
Parallel dazu meldet die Allianz-Tochter in Portugal die Übernahme des Versicherers Caravela für geschätzte 150 Millionen Euro. Verkäufer sind der Finanzinvestor Toscaf und weitere Anteilseigner, die noch ausstehende Genehmigung der portugiesischen Aufsichtsbehörden gilt als Formsache.
Nach Abschluss würde der Marktanteil der Allianz in Portugal von aktuell rund 4,1 auf 6,4 Prozent steigen. Im Schadenversicherungsgeschäft käme der Konzern auf 10,8 Prozent, in der Kfz-Versicherung auf 12,3 Prozent — genug, um dort an Ageas und Zurich vorbeizuziehen. Der eigentliche Reiz liegt aber im Vertriebsnetz: Caravela pflegt enge Beziehungen zu unabhängigen Versicherungsmaklern, die das bestehende Netz der Allianz sinnvoll ergänzen.
Zwei Deals, eine Richtung
Beide Transaktionen fallen in eine Phase, in der die Allianz ihr Portfolio ohnehin neu ordnet — erst der milliardenschwere Zukauf der HSBC-Versicherungssparte in Singapur, jetzt Pimco und Caravela. Die Aktie bewegt sich dabei nahe ihren Höchstständen, kurz bevor der Konzern seine Halbjahreszahlen vorlegt.
Für Investoren ergibt sich daraus ein doppeltes Signal: Der Konzern sichert sich einerseits die volle Kontrolle über sein margenstärkstes Asset-Management-Geschäft, baut andererseits im Kerngeschäft Versicherung gezielt dort aus, wo sich Marktanteile günstig einkaufen lassen. Wie stark sich dieser Expansionskurs in den kommenden Halbjahreszahlen niederschlägt, dürfte sich an der Kapitalquote und den Wachstumszielen für das Asset-Management-Segment ablesen lassen.
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