Allianz, Bayer, Hormus – die Woche der harten Wahrheiten
Zahlreiche DAX-Konzerne legen Quartalszahlen vor, während geopolitische Spannungen um die Straße von Hormus anhalten.

Kurz zusammengefasst
- Berichtswoche mit vielen DAX-Werten
- Allianz und Münchener Rück im Fokus
- Neue Drohnenangriffe trotz Waffenruhe
- US-Verbraucherstimmung auf Tiefstand
Liebe Leserinnen und Leser,
gestern stellte ich die Frage, ob Bayer eher zu den strauchelnden Großkonzernen oder den operativ disziplinierten Nischengewinnern gehört. Am Dienstag um 10:00 Uhr liefern Bill Anderson und Wolfgang Nickl die Antwort. Doch Leverkusen ist nur einer von einem Dutzend DAX-Werten, die in den kommenden fünf Handelstagen Quartalszahlen vorlegen. Versicherer, Versorger, Industrie, Konsum – die Breite dieser Berichtswoche macht sie zum härtesten Realitätscheck der laufenden Saison. Und der findet vor einer Kulisse statt, die am Wochenende nicht ruhiger geworden ist.
DAX: Technisch stabil, geopolitisch belastet
Der Index beendete die vergangene Woche über 24.000 Punkten und verteidigte damit sowohl den SMA20 bei 24.194 als auch den SMA200 bei 24.119 Punkten. Die technische Prognose für KW 20 fällt mit 55 Prozent leicht bullisch aus; als Widerstände gelten 24.533 und 25.144 Punkte, als Unterstützungen 24.316 und 23.659 Punkte. Die Tendenz: Seitwärts-Aufwärts, wobei eine Trendbestätigung über 24.382 Punkten entscheidend wäre.
Das größere Bild zeigt, wie unterschiedlich die Erholung seit Ende März verlaufen ist. Der S&P 500 legte 17 Prozent zu und notiert 7 Prozent über Vorkriegsniveau. Der DAX stieg um 11 Prozent – liegt aber immer noch 4 Prozent darunter. Europa erholt sich, doch langsamer und fragiler als die USA.
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Versicherer und Industrie: Der Terminkalender der Woche
Der wichtigste deutsche Einzelwert ist Allianz. Die Aktie notierte am 8. Mai bei 369,10 Euro, ein Wochenminus von 5 Prozent. Die Zahlen kommen am Mittwoch. Ob der jüngste Kursrückgang eine Überreaktion war oder ein Vorgriff auf vorsichtigere Aussagen des Vorstands, wird sich erst dann zeigen. Am Dienstag berichtet Münchener Rück – beide Versicherer zusammen geben den Ton für die gesamte Branche vor.
Der Dienstag bringt daneben Bayer, Siemens Energy und den Thyssenkrupp-Zwischenbericht für H1 2025/2026. Bayers Q1-Presseinformation liegt ab 7:30 Uhr MESZ vor, die Live-Übertragung mit Anderson und Nickl startet um 10:00 Uhr. Am Mittwoch folgt die dichteste Runde: Siemens, Merck KGaA, Deutsche Telekom, E.ON und RWE berichten neben der Allianz. TUI veröffentlicht am Dienstag den Konzern-Finanzbericht für H1/Q2 2026 und erwartet ein bereinigtes EBIT über Vorjahr, hatte die Jahresprognose wegen des Iran-Kriegs aber angepasst. Am Freitag stehen die BioNTech-Hauptversammlung und Q1-Zahlen von Freenet an.
Konsum: Stellen entstehen, Stimmung kippt
In den USA schuf der Einzelhandel im April fast 22.000 neue Stellen – knapp ein Fünftel des gesamten Jobwachstums. 15,5 Millionen Einzelhandelsjobs bedeuten den höchsten Stand seit Juli 2024. Doch die Kehrseite ist drastisch: Die Konsumentenstimmung der University of Michigan fiel Anfang Mai auf 48,2 – der niedrigste Wert seit 74 Jahren. Benzinpreise über 6 Dollar pro Gallone in Los Angeles treffen vor allem Haushalte mit niedrigem Einkommen.
Die Unternehmensseite bestätigt die Spaltung. Das Bank of America Institute sieht für März breite Stärke bei den Ausgaben, im April aber ungleichmäßiges Lohnwachstum, angeführt von Besserverdienern. Whirlpool spricht im US-Markt von „Rezessionsniveau“, McDonald’s sieht Konsumausgaben „etwas schlechter“. Im Luxussegment testet Burberry Ende der Woche mit Q1-Zahlen, ob Preissetzung und Markenumbau in diesem Umfeld tragen. Die Aktie liegt 60 Prozent über Vorjahr, aber weit unter dem Stand von 2023; der Umsatz stieg zuletzt um 3 Prozent. Gucci zeigte gestern seine Cruise Show in New York, Dior folgt am Mittwoch in Los Angeles.
Hormus: Drohnen trotz Waffenruhe
Der größte externe Belastungsfaktor hat sich am Wochenende nicht entschärft. Am heutigen Sonntag meldeten Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate neue Drohnenangriffe trotz Waffenruhe; die VAE-Flugabwehr wehrte zwei iranische Drohnen ab. Katar berichtete von einem Angriff auf ein Frachtschiff aus Abu Dhabi in eigenen Gewässern.
Die Diplomatie läuft parallel: US-Außenminister Marco Rubio und Sondergesandter Steve Witkoff trafen den katarischen Ministerpräsidenten Mohammed bin Abdulrahman Al Thani. Iran prüft einen 14-Punkte-US-Vorschlag, der 30-Tage-Verhandlungen, Sanktionslockerungen und die Zukunft der Straße von Hormus umfasst. Großbritannien entsendet den Zerstörer „HMS Dragon“, Deutschland erwägt eine Beteiligung an einem Marineeinsatz. An den Rohstoffmärkten spiegelt sich die Lage: WTI notiert bei 101,20 Dollar je Barrel, Brent bei 95,42 Dollar. Gold erreichte zuletzt rund 4.730 Dollar je Unze.
Was diese Woche entscheidet
Inflationsdaten aus Deutschland und den USA am Dienstag, Eurozonen-BIP am Mittwoch, US-Einzelhandelsumsätze am Donnerstag – jede dieser Zahlen wird durch die Brille der Energie- und Transportkosten gelesen. Für Anleger heißt das: Nicht die Gewinnzahlen allein zählen, sondern die Margenkommentare, die Ausblicke und die Hinweise zur Preissetzungskraft. Wer in den vergangenen Wochen in der zweiten Reihe fündig wurde, sollte in dieser Woche genau hinhören, ob die erste Reihe nachzieht – oder ob die Spreizung weiter wächst. Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche.
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Herzlichst,
Ihr Eduard Altmann