Almonty Aktie: Sangdong läuft seit Juli, Kurs fällt 52 Prozent
Almonty startet Wolframproduktion in Südkorea, zieht sich aber von zwei Börsen zurück. Die Aktie verliert deutlich an Wert.
Kurz zusammengefasst
- Produktionsstart in Südkorea
- Rückzug von Toronto und Australien
- Aktie verliert 15,58 Prozent
- Bewertungsmodell zeigt Überbewertung
Der Wolfram-Produzent Almonty Industries steckt mitten in einer doppelten Umbruchphase. Während die südkoreanische Sangdong-Mine erstmals seit Jahrzehnten wieder Konzentrat produziert, zieht sich das Unternehmen von zwei Börsenplätzen zurück. Die Aktie gerät dabei unter erheblichen Druck.
Rückzug von zwei Börsenplätzen
Almonty hat den Rückzug von der Toronto Stock Exchange sowie von der Australian Securities Exchange eingeleitet. Der entsprechende Zeitplan gilt als genehmigt und bestätigt. Der Handel an der australischen Börse soll am 28. August enden. Das Unternehmen konzentriert sein Listing künftig auf die Nasdaq und den Frankfurter Handelsplatz. Für Anleger bedeutet das eine spürbare Verengung der Handelsmöglichkeiten an bisherigen Heimatbörsen, während sich der Fokus auf die US-amerikanische und die deutsche Notierung verlagert.
Diese strukturelle Neuausrichtung fällt in eine Phase, in der die operative Entwicklung des Unternehmens eigentlich positive Signale liefert – ein Kontrast, der die aktuelle Kursschwäche umso auffälliger macht.
Sangdong-Mine läuft wieder an
Die Aufbereitungsanlage der Sangdong-Wolframmine in Südkorea hat im Juli den Betrieb aufgenommen, nachdem im Juni bereits die Verarbeitung von eingelagertem Erz begonnen hatte. Almonty hat mehr als 100 Millionen US-Dollar in das Projekt investiert. Der aktuelle Lagerbestand umfasst rund 139.700 Tonnen Erz mit einem WO3-Gehalt von 0,25 Prozent, was einem Wert von etwa 68 Millionen US-Dollar entspricht und die Verarbeitung für rund 2,6 Monate sichert.
Langfristig sieht das Unternehmen deutlich attraktivere Parameter: Die erwartete Minenlebensdauer liegt bei über 45 Jahren, der durchschnittliche Gehalt bei 0,51 Prozent – nach Unternehmensangaben etwa das Dreifache des weltweiten Durchschnitts. Bei voller Produktionskapazität soll Sangdong rund 40 Prozent der Wolframnachfrage außerhalb Chinas decken können. Almonty-Chef Lewis Black kommentierte den Produktionsstart mit den Worten, die westliche Lieferkette für Wolfram sei über Jahrzehnte geschrumpft – Sangdong produziere nun wieder strategisches Metall.
Kurs unter Druck, Bewertung bleibt Streitpunkt
Die operativen Fortschritte haben den Kursverfall bislang nicht gestoppt. Zum Handelsschluss am Freitag notierte die Almonty-Aktie bei 15,88 kanadischen Dollar, ein Rückgang von 2,70 Prozent auf Tagessicht. Auf Wochensicht summiert sich der Verlust auf 15,58 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch trennen das Papier inzwischen 52,38 Prozent – ein deutlicher Abstand, der die Heftigkeit der jüngsten Korrektur unterstreicht.
Parallel dazu wird die Bewertungsfrage neu aufgerollt. Ein gängiges Fair-Value-Modell beziffert den rechnerisch fairen Wert der Aktie auf lediglich 1,12 US-Dollar und signalisiert damit eine Überbewertung von 887,5 Prozent gegenüber dem an der Nasdaq gehandelten Kurs. Das zugrunde liegende Bewertungsscore liegt bei 53 von 100 Punkten, das Forward-KGV bei 28,4. Almonty gilt zudem weiterhin als unprofitabel und cash-flow-negativ, Insider-Transaktionen gab es in den vergangenen drei Monaten keine.
Für Anleger ergibt sich damit ein zweigeteiltes Bild: Auf der operativen Seite liefert Sangdong nach Jahren der Vorbereitung endlich Konzentrat und verspricht mit einer Minenlebensdauer von Jahrzehnten langfristige Substanz. Auf der Kapitalmarktseite dagegen belasten die Börsenrestrukturierung, die hohe Bewertung nach gängigen Modellen und die ausgeprägte Volatilität der vergangenen Wochen das Vertrauen. Wie sich diese Gegensätze auflösen, dürfte sich erst zeigen, wenn Sangdong die volle Produktionskapazität erreicht und belastbare Umsatzzahlen liefert.
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