Almonty Aktie: Spanischer Liefervertrag eröffnet neue Erlöse
Almonty Industries vereinbart Wolframabnahme für Los Santos, doch Genehmigungen und technische Ausbeute entscheiden über den Projekterfolg.

Kurz zusammengefasst
- Liefervertrag mit Sandvik-Tochter unterzeichnet
- Vorauszahlung von 3,0 Millionen US-Dollar
- Rund 1.720 Tonnen Wolframtrioxid vereinbart
- Produktionsstart binnen sechs Monaten erwartet
Reaktivierung alter Minenbestände gewinnt strategische Bedeutung
Der kanadische Wolframproduzent Almonty Industries hat gestern einen langfristigen Liefervertrag mit der Wolfram Bergbau und Hütten AG unterzeichnet, einer Tochtergesellschaft des schwedischen Sandvik-Konzerns.
Die Vereinbarung basiert auf einem festen Abnahmemodell nach dem Take-or-Pay-Prinzip und betrifft die Aufbereitung historischer Haldenrückstände der Los Santos Mine in Westspanien, rund 50 Kilometer südlich von Salamanca.
Für die Abnahmerechte erhält Almonty eine an Bedingungen geknüpfte Vorauszahlung in Höhe von 3,0 Millionen US-Dollar. Vereinbart wurden indexgebundene Verkaufspreise, die durch eine garantierte Preisuntergrenze nach unten abgesichert sind.
Dieser Schritt kommt zu einem kritischen Zeitpunkt für westliche Lieferketten. China kontrolliert rund 80 Prozent der globalen Wolfram-Förderung und hat seine Exportkontrollen für das strategische Industriemetall im Jahr 2025 spürbar verschärft.
Wolfram gilt in der Industrie und Rüstungsfertigung wegen seiner Härte und Hitzebeständigkeit als unersetzlich. Spanien verfügt über die größten bekannten Wolfram-Reserven Westeuropas. Laut CEO Lewis Black handelt es sich beim Vertragspartner zudem um den einzigen integrierten Wolfram-Schmelzer außerhalb Asiens und Russlands.
Für Almonty markiert der Vertrag die Chance, eine Liegenschaft wieder zu monetarisieren, die seit Februar 2020 im reinen Instandhaltungsbetrieb verharrte. An der Börse reagierte das Papier am gestrigen Donnerstag mit einem Kursplus von 5,4 Prozent auf 12,37 Euro.
Technischer Hochlauf der Aufbereitung entscheidet über die Wirtschaftlichkeit
Für Investoren rückt nun eine zentrale operative Kennzahl in den Mittelpunkt: die tatsächliche Ausbeute bei der Gewinnung der vertraglich fixierten Mindestmenge von rund 1.720 Tonnen enthaltenem Wolframtrioxid aus den Tailings.
Das Verarbeiten alter Minenrückstände gilt verfahrenstechnisch als anspruchsvoll, da fein vermahlene Erze mit schwankenden Metallgehalten chemisch und physikalisch stabil aufbereitet werden müssen.
Die vertraglich vereinbarte Preisuntergrenze schützt das Unternehmen zwar vor einem Preisverfall auf den Rohstoffmärkten, doch die Marge hängt vollständig von den Kosten pro gewonnener Tonne Konzentrat ab.
Gelingt es den Ingenieuren vor Ort, die angestrebte Rückgewinnungsrate unter Einhaltung des Budgets zu realisieren, verwandeln sich die spanischen Halden in eine verlässliche Cashflow-Quelle mit planbaren Einnahmen.
Scheitert dieser Prozess jedoch an verfahrenstechnischen Hürden oder unerwartet hohem Reagenzienverbrauch, könnten die operativen Aufbereitungskosten die geschützte Mindestmarge schnell aufzehren. Der Erfolg des Vorhabens misst sich somit primär an der metallurgischen Ausbeute während der ersten Testläufe.
Im optimistischen Szenario gelingt Almonty durch das Projekt in Los Santos eine rasche Verbreiterung der operativen Einnahmenbasis. Erste Produktionsschritte werden innerhalb von rund sechs Monaten erwartet, sofern die behördlichen Genehmigungen und die Errichtung der Infrastruktur planmäßig verlaufen.
Zusammen mit der Sangdong-Mine in Südkorea, die sich wieder in Produktion befindet, und der Panasqueira-Mine in Portugal würde der Konzern über mehrere aktive Bezugsquellen für westliche Industriekunden verfügen.
Die Kombination aus garantierten Abnahmemengen und indexbasierten Preisen böte in diesem Fall doppelte Vorteile: Das operative Basisgeschäft bliebe nach unten abgesichert, während steigende Wolframpreise infolge anhaltender chinesischer Ausfuhrbeschränkungen voll auf die Ertragskraft durchschlagen würden.
Mit einer Marktkapitalisierung von umgerechnet 2,74 Milliarden Euro könnte eine reibungslose Inbetriebnahme von Los Santos das Vertrauen der Marktteilnehmer festigen und die Rentabilität des gesamten Portfolios nachhaltig heben.
Genehmigungshürden und bestehende Verbindlichkeiten dämpfen die Erwartungen
Demgegenüber stehen handfeste operative und finanzielle Unwägbarkeiten. Die Aufnahme der Aufbereitung in Los Santos steht ausdrücklich unter dem Vorbehalt ausstehender behördlicher Genehmigungen sowie der Errichtung der erforderlichen Infrastruktur.
Dass umweltrechtliche Verfahren auf der iberischen Halbinsel nicht zu unterschätzen sind, zeigte sich bereits bei Almontys Valtreixal-Projekt, für dessen Lizenz das Unternehmen im Juli eine negative Umweltprüfung hinnehmen musste. Verzögerungen bei den Genehmigungen für Los Santos würden den Zeitplan für die ersten Produktionsphasen unweigerlich nach hinten verschieben.
Hinzu kommt die finanzielle Struktur des Konzerns: Im Juni 2026 wurden Wandelanleihen im Volumen von 700 Millionen US-Dollar berichtet, was die Sensibilität für operative Rückschläge erhöht.
Sollten sich die technischen Vorarbeiten verzögern oder die Vorauszahlung von 3,0 Millionen US-Dollar durch unvorhergesehene Projektkosten rasch aufgezehrt werden, bliebe der erhoffte Ergebnisbeitrag zunächst aus. Zudem bleibt das Unternehmen den Rohstoffzyklen ausgesetzt, sollte die globale Industrienachfrage spürbar nachlassen.
Entscheidende Meilensteine bestimmen den weiteren Trend
Für die weitere Kursentwicklung ist der zeitliche Ablauf der Projektumsetzung ausschlaggebend. Solange die behördlichen Genehmigungen für die Tailings-Anlage in Westspanien fristgerecht erteilt werden und der Zeitplan für die ersten Verarbeitungsphasen Bestand hat, bleibt das Fundament für eine operative Neubewertung intakt.
Kippt hingegen der Zeitplan durch Einsprüche der Umweltbehörden oder zeichnen sich bei der Infrastruktur erhebliche Verzögerungen ab, droht die jüngste Zuversicht wieder zu weichen.
Der nächste konkrete Katalysator für Marktteilnehmer ist der angepeilte Beginn der ersten Produktionsphasen in rund sechs Monaten. Bis zum Frühjahr 2027 müssen belastbare Belege dafür vorliegen, dass die Aufbereitung der Halden anläuft und die vertraglich vereinbarten Konzentratmengen an den Abnehmer ausgeliefert werden können.
Erst die erfolgreiche Lieferung der ersten Tranchen wird zeigen, ob Los Santos den Übergang vom reinen Wartungszustand zu einem rentablen Produktionsstandort meistert.
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