Almonty Industries: Sangdong-Wette unter Druck
Almonty Industries kämpft mit Kursverlusten trotz Produktionsstart der Sangdong-Mine und erweitertem Abnahmevertrag.

Kurz zusammengefasst
- Kurs trotz Tagesplus deutlich unter Rekord
- Sangdong-Mine startet Wolfram-Konzentrat-Produktion
- Abnahmevertrag mit Global Tungsten erweitert
- Hohe Volatilität und technische Risiken
Fünf Prozent Plus an einem Tag – nach einem Absturz von über 30 Prozent binnen eines Monats wirkt das wie ein Aufatmen. Bei Almonty Industries zeigt der Kurs von 16,25 CAD trotzdem vor allem eines: die Nervosität rund um eine Mine, die gerade zum ersten Mal echten Wolfram-Konzentrat produziert. Die Aktie liegt noch immer gut die Hälfte unter ihrem Rekordhoch von April. Genau zwischen diesen beiden Polen – operativer Fortschritt und Kursverfall – entscheidet sich, wie es weitergeht.
Die entscheidende Frage
Kann die Sangdong-Mine ihren Anlauf schnell genug in stabile, hochwertige Konzentrat-Produktion verwandeln? Nur dann rechtfertigt sich der Kursgewinn von 239 Prozent der vergangenen zwölf Monate. Gelingt das nicht im erwarteten Tempo, dürfte der Markt seine Erwartungen weiter zurückschrauben. Der Kurs notiert derzeit rund 30 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 23,21 CAD – ein Zeichen, dass die Korrektur nach dem Höhenflug noch nicht abgeschlossen ist.
Das bullische Szenario
Sangdong ist kein Bauprojekt mehr. Almonty hat begonnen, gelagertes Roherz durch die neu in Betrieb genommene Aufbereitungsanlage zu schicken und daraus verkaufsfähiges Wolfram-Konzentrat herzustellen. Für den Anlauf steht ein komfortabler Puffer bereit: Nach dem ersten Quartal 2026 lagen rund 120.000 Tonnen Erz auf Vorrat, im zweiten Quartal kamen weitere 19.700 Tonnen hinzu. Insgesamt starten die Aufbereitungsanlagen mit knapp 139.700 Tonnen Reserve.
Zwei Wochen später lieferte das Unternehmen die kommerzielle Bestätigung nach. Almonty hat sein langfristiges Abnahmeabkommen mit Global Tungsten & Powders erweitert: sechs Jahre längere Laufzeit, 40 Prozent mehr Volumen, rund 6,3 Prozent bessere Preise. Bei aktuellen Preisen entspricht das über die gesamte 21-jährige Laufzeit einem erwarteten Jahresumsatz von 490 Millionen US-Dollar aus diesem Vertrag allein. Er deckt etwa 90 Prozent der Phase-I-Produktion von Sangdong ab.
Der Marktkontext spielt Almonty derzeit in die Karten. Die Preise für Ammoniumparawolframat sind von rund 330 US-Dollar pro MTU im Januar 2025 auf 2.975 US-Dollar Ende März 2026 gestiegen – fast eine Verzehnfachung. Ab Januar 2027 verbietet zudem eine neue Regel des US-Verteidigungsministeriums die Beschaffung von Wolfram aus China, Russland, Iran oder Nordkorea. Für westliche Anbieter wie Almonty ist das ein struktureller Rückenwind.
Das bärische Szenario
Der erweiterte Abnahmevertrag hat eine klare Grenze. Er deckt weder die geplante Phase-II-Erweiterung ab, die die Verarbeitungskapazität der Mine ungefähr verdoppeln soll, noch Produktion aus anderen Almonty-Standorten. Phase II bleibt damit ein Plan – keine finanzierte, gesicherte Erweiterung. Kapital und Zeitplan dafür stehen noch nicht fest.
Operativ befindet sich der Anlauf zudem in einer frühen, unbewiesenen Phase. Almonty verarbeitet aktuell bewusst geringerwertiges Material, um die Erzmischung zu optimieren und eine konstante Zufuhrqualität sicherzustellen. Das ist typische Anlaufsprache – kein Hinweis auf stabile Serienproduktion. Sollten Durchsatz oder Erzgehalt die Erwartungen verfehlen, könnte die im Kurs eingepreiste Prämie weiter schrumpfen.
Die technischen Signale untermauern diese Vorsicht. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei knapp 89 Prozent, der RSI von 34,3 deutet trotz der Erholung von heute auf angeschlagene Marktstimmung hin. Ein weiteres Risiko liegt außerhalb der Kontrolle des Unternehmens: Ein Rückgang der Wolframpreise würde die Rally, die den Kurs bislang getragen hat, ihrer wichtigsten Grundlage entziehen.
Ausblick
Solange sich der Sangdong-Anlauf stabilisiert und die Wolframpreise auf dem aktuell erhöhten Niveau bleiben, spricht vieles dafür, dass die Aktie oberhalb ihres 52-Wochen-Tiefs von 4,54 CAD einen Boden findet. Der erweiterte GTP-Vertrag liefert dafür eine solide Umsatzbasis für die Phase-I-Produktion.
Enttäuschen dagegen Erzgehalte oder Volumina beim Anlauf, oder dreht der Wolframpreis von seinen jüngsten Höchstständen nach unten, dürfte sich der Abstand zu den gleitenden Durchschnitten – aktuell 23,21 CAD über 50 Tage, 24,71 CAD über 100 Tage – eher vergrößern als schließen. Die nächsten konkreten Prüfsteine: weitere Updates zur Entwicklung der Erzgehalte auf dem Weg zur vollen Phase-I-Kapazität, Nachrichten zur geplanten Phase-II-Erweiterung sowie die Preisentwicklung von Ammoniumparawolframat im weiteren Verlauf des zweiten Halbjahres 2026.
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