Alphabet Aktie: Eigene Chips, leere Kasse
Alphabet gewinnt Kunden für eigene KI-Chips, während Quartalsinvestitionen den operativen Mittelzufluss übersteigen und der Free Cash Flow negativ ausfällt.

Kurz zusammengefasst
- TPU-Systeme bei fast 100 Kunden
- Cloud-Umsatz im dritten Quartal mehr als verdoppelt
- Quartalsinvestitionen übersteigen operativen Mittelzufluss
- Citi und Wells Fargo senken Kursziele
Alphabet verkauft seine selbst entwickelten KI-Chips inzwischen auch an fremde Kunden und kommt mit dem Ausbau kaum hinterher. Das öffnet eine zweite Einnahmequelle. Bezahlt wird sie vorerst aus der Substanz, und genau daran stört sich die Börse.
TPU als zweites Standbein
Die Chips heißen TPU, kurz für Tensor Processing Unit. Google hat die Rechenbausteine eigens für KI-Modelle entworfen. Seit dem zweiten Quartal bietet Alphabet komplette TPU-Systeme direkt an Kunden an, fast 100 Kunden setzen sie bereits ein, darunter Meta und Apple. Eine eigene Umsatzzahl nennt der Konzern nicht.
Finanzchefin Anat Ashkenazi stellt für 2027 allerdings einen „bedeutenden Umsatzhochlauf“ in Aussicht. Tech-Analyst Dan Ives sieht einen „zweiten Wachstumsmotor, über den die anderen Hyperscaler nicht verfügen“. Amazon-Chef Andy Jassy hält dagegen: Der Chipverkauf bringe zwar schneller Umsatz, die Vermietung in der eigenen Cloud über fünf bis sechs Jahre aber mehr.
Die Cloud selbst läuft glänzend. Der Umsatz stieg im dritten Quartal um 103 Prozent auf 30,7 Milliarden Dollar, der Auftragsbestand wuchs auf 561 Milliarden Dollar, nach 514 Milliarden im Vorquartal.
Investitionen übersteigen den Cashflow
Der wunde Punkt liegt bei den Ausgaben. Alphabet investierte im Quartal 51,4 Milliarden Dollar und damit mehr, als das operative Geschäft mit 42,3 Milliarden einbrachte. Der Free Cash Flow rutschte auf minus 9,07 Milliarden Dollar. Für 2027 sollen die Investitionen deutlich steigen.
Citi und Wells Fargo senkten ihre Kursziele auf 375 beziehungsweise 371 Dollar. Die Aktie verlor binnen weniger Tage rund 20 Prozent. Sie steht damit im Zentrum einer breiteren Debatte: An der Nasdaq hat sich die Sorge um die gewaltigen KI-Ausgaben der Technologiekonzerne in einen Ausverkauf verwandelt.
Marktbeobachter verweisen zudem auf Klumpenrisiken, denn Tech-Werte machen mittlerweile rund ein Drittel des weltweiten Aktienindex MSCI World All Country aus.
Charttechnik: Der Trend ist gebrochen
Zum Wochenschluss am Freitag notierte die Aktie bei 279,84 Dollar. Das sind knapp 18 Prozent unter der 200-Tage-Linie bei 340,66 Dollar. Der Aufwärtstrend seit April ist gebrochen. Der Relative-Stärke-Index von 21 signalisiert eine überverkaufte Lage.
Den ersten Widerstand bildet das Hoch vom 29. Oktober bei 288,33 Dollar, darüber beginnt eine Kurslücke, die sich erst um 320 Dollar schließt. Unterstützung bietet das 52-Wochen-Tief bei 270,7 Dollar. Fällt die Aktie darunter, wäre die Erholung seit dem Frühjahr technisch infrage gestellt.
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