Alphabet Aktie: Rückkauf-Ära endet

Alphabet stoppt milliardenschwere Aktienrückkäufe und investiert stattdessen massiv in Cloud- und KI-Kapazitäten. Die Q2-Zahlen sollen Aufschluss über den Erfolg des Strategiewechsels geben.

Andreas Sommer ·
Alphabet Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Ende der milliardenschweren Rückkauf-Ära
  • Kapitalerhöhung für KI-Infrastruktur
  • Cloud-Wachstum als neuer Cashflow-Treiber
  • Gemini Pro-Version noch nicht fertig

Ein Jahrzehnt lang war Alphabet einer der größten Aktienrückkäufer der Wall Street. Jetzt dreht der Konzern das Kapital in eine andere Richtung — weg vom eigenen Aktienkurs, hin zur KI-Infrastruktur. Die Frage, ob sich dieser Kurswechsel auszahlt, bekommt heute Nachdruck: Alphabet legt um 22:05 Uhr seine Q2-Zahlen vor.

Vom Rückkauf zur Kapitalerhöhung

Zwischen 2016 und 2025 hat Alphabet rund 346 Milliarden US-Dollar für eigene Aktien ausgegeben — von 3,7 Milliarden US-Dollar im Jahr 2016 bis zum Höhepunkt von 62,2 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024. Im vergangenen Jahr sank das Volumen bereits auf 45,7 Milliarden US-Dollar.

Anfang Juni hat der Konzern die Weichen neu gestellt. Eine Kapitalerhöhung wurde von ursprünglich 80 auf 84,75 Milliarden US-Dollar aufgestockt, zusammengesetzt aus einem Aktienangebot, Pflichtwandelvorzugsaktien mit einer Dividende von 6,25 Prozent und einem bestehenden ATM-Programm. Hinzu kommt eine Privatplatzierung von Berkshire Hathaway über 10 Milliarden US-Dollar. Die Erlöse sollen laut Unternehmensangaben vor allem in den Ausbau von Rechenzentren und KI-Infrastruktur fließen.

Cloud wächst, Kapazität bleibt Nadelöhr

Der Grund für den Strategiewechsel liegt im Cloud-Geschäft. Im ersten Quartal 2026 wuchs der Umsatz von Google Cloud um 63 Prozent gegenüber dem Vorjahr, die annualisierte Umsatzrate überschritt die Marke von 80 Milliarden US-Dollar. Sollte sich dieses Tempo fortsetzen, könnte Cloud langfristig das Werbegeschäft als wichtigsten Cashflow-Treiber ablösen.

Der Kapazitätsmangel schmerzt allerdings schon jetzt. Google Cloud musste zeitweise Aufträge externer Kunden ablehnen, weil schlicht Rechenleistung fehlte. Um die Lücke zu schließen, zahlt Alphabet mittlerweile monatlich einen hohen dreistelligen Millionenbetrag an SpaceX für zusätzliche Kapazität — ein ungewöhnlicher Schritt für einen Konzern dieser Größe.

Neue Modelle, aber die Pro-Version fehlt

Parallel zur Kapitalfrage sorgt das Gemini-Portfolio für Bewegung. Diese Woche brachte Alphabet mit Gemini 3.6 Flash, 3.5 Flash-Lite und dem sicherheitsfokussierten Gemini 3.5 Flash Cyber drei neue Modelle auf den Markt — Letzteres zunächst nur für Regierungen und ausgewählte Partner. Was fehlt, ist ausgerechnet die Pro-Version: Sie soll laut Unternehmensangaben erscheinen, „sobald sie bereit ist“, nachdem interne Tests bei Programmieraufgaben hinter den Erwartungen zurückblieben. Ein Bericht darüber hatte die Aktie zuvor um rund 4,4 Prozent fallen lassen und etwa 200 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung ausradiert.

Ergänzend kursierte ein Bericht über einen neuen Serverchip mit dem internen Namen Frozen v2, der Teile der Gemini-Architektur direkt in die Hardware einbrennen soll und ab 2028 die bestehenden Tensor Processing Units ergänzen könnte. Google-Ingenieure rechnen mit sechs- bis zehnmal mehr Anfragen je Einheit Energie. Der Vorstoß fällt in eine Phase, in der chinesische KI-Modelle laut Berichten bereits 45 Prozent der Token-Nutzung amerikanischer Unternehmen ausmachen — ein Wettbewerbsdruck, der die Dringlichkeit von Kapazität und Effizienz erklärt.

Die heutigen Quartalszahlen dürften zeigen, ob das milliardenschwere Umschichten von Rückkäufen zu Infrastrukturinvestitionen bereits in den Cloud-Margen sichtbar wird — oder ob die verzögerte Pro-Version und der Kapazitätsengpass stärker wiegen als die Wachstumsraten.

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