Alphabet Aktie: Talente wandern ab

Google DeepMind verliert zwei Spitzenforscher, Gemini 3.5 Pro verzögert sich und die EU öffnet Android für Konkurrenten. Die Aktie fällt deutlich.

Dr. Robert Sasse ·
Alphabet Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Zwei Top-Forscher verlassen DeepMind
  • Gemini 3.5 Pro liegt hinter Plan
  • EU öffnet Android für Wettbewerber
  • Alphabet-Aktie bricht deutlich ein

Zwei Star-Forscher verlassen Google DeepMind binnen 48 Stunden, das KI-Flaggschiff Gemini 3.5 Pro hängt Monate hinter dem Zeitplan – und aus Brüssel kommt zeitgleich eine Regulierungsentscheidung, die Googles Android-Ökosystem für Konkurrenten öffnet. Für Alphabet verdichten sich damit gleich drei Baustellen zu einem einzigen Belastungsmoment. Die Börse hat reagiert: Am Donnerstag brach die Aktie um 4,43 Prozent auf 353,81 US-Dollar ein, vorbörslich am Freitag ging es um weitere 1,93 Prozent auf 346,97 US-Dollar abwärts.

Der Exodus der KI-Köpfe

Der Auslöser für die Nervosität liegt tiefer als eine einzelne Terminverschiebung. Mitte Juni kündigte Noam Shazeer, Vizepräsident für Engineering und Mitentwickler der Transformer-Architektur, seinen Wechsel zu OpenAI an. Einen Tag später folgte John Jumper, Chemie-Nobelpreisträger für seine Arbeit an AlphaFold, mit dem Absprung zu Anthropic – nach fast neun Jahren bei Google DeepMind.

Für sich genommen wäre das Personalie. In Kombination mit dem verpassten Zeitplan für Gemini 3.5 Pro liest sich der Doppel-Abgang jedoch als Signal, das mehrere aktuelle und ehemalige Mitarbeiter Berichten zufolge kritisch sehen: Sie fürchten, dass Google im Tempo-Vergleich zu OpenAI und Anthropic an Boden verliert. Sundar Pichai hatte auf der Entwicklerkonferenz Google I/O im Mai noch eine Verfügbarkeit für Juni versprochen. Ein Update der Trainingsdaten brachte laut Unternehmensangaben nicht die erhofften Fortschritte, vor allem bei den Programmierfähigkeiten des Modells. Google testet das Flaggschiff derzeit gemeinsam mit Partnern weiter, während OpenAI mit GPT-5.6 und Meta mit Muse Spark 1.1 bereits neue, auf Coding und autonome Agenten zugeschnittene Modelle im Markt haben.

Brüssel dreht an einer zweiten Schraube

Parallel zum KI-Wettlauf verschärft die EU-Kommission den regulatorischen Druck. Google muss künftig elf Android-Funktionen für konkurrierende KI-Assistenten öffnen, sodass Nutzer Sprachbefehle nicht mehr zwingend an den Google Assistant richten müssen. Die Umsetzung ist an die nächste große Android-Version gekoppelt und ab Juli 2027 vorgesehen. Zusätzlich muss Google ab Januar 2027 anonymisierte Suchdaten mit Wettbewerbern teilen, darunter auch KI-Anbieter wie OpenAI.

Google-Manager Kent Walker kritisierte die Entscheidung und verwies auf mögliche Risiken für Datenschutz und Sicherheit der Nutzer. Aus Sicht der Kommission soll die Maßnahme Alternativen zu Google Search und Gemini stärken und die Marktmacht des Konzerns einhegen.

Trotz des Gegenwinds bleibt Alphabets strukturelle Basis intakt: eigene TPU-Chips, eine kaum kopierbare Recheninfrastruktur sowie die Verbreitung über Suche, Workspace und Cloud. Wie belastbar diese Vorteile angesichts von Talentabgang und regulatorischem Druck tatsächlich sind, dürfte sich am 22. Juli 2026 zeigen, wenn Alphabet die Zahlen zum zweiten Quartal vorlegt und das Management voraussichtlich auch zum aktuellen Stand von Gemini 3.5 Pro Stellung nimmt.

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Alphabet Aktie

304,60 EUR

– 5,15 EUR -1,66 %
KGV 28,34
Sektor Kommunikationsdienste
Div.-Rendite 0,23 %
Marktkapitalisierung 4,53 Bio. EUR
ISIN: US02079K3059 WKN: A14Y6F

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