Alphabet Aktie: TPUs gegen Nvidias Cloud-Dominanz
Google verkauft KI-Chips an externe Cloud-Anbieter und konkurriert so direkt mit Nvidia. Analysten reagieren verhalten, Quartalszahlen stehen bevor.

Kurz zusammengefasst
- Google wirbt mit TPUs bei Neocloud-Anbietern
- Nvidia soll Gegenmaßnahmen ergriffen haben
- UBS senkt Alphabet-Kursziel vor Zahlen
- Aktie notiert unter 50-Tage-Durchschnitt
Alphabet fordert Nvidia dort heraus, wo es wehtut: bei den Kunden. Google verhandelt Berichten zufolge mit unabhängigen Cloud-Anbietern über den Verkauf eigener KI-Chips – und zwar ausgerechnet mit einem Unternehmen, an dem Nvidia selbst beteiligt ist. Die Aktie reagiert verhalten, der Kurs fällt am Dienstag um 0,60 Prozent auf 307,90 Euro.
Google wirbt um Nvidias eigene Investments
Laut einem Bericht von The Information weitet Google den Verkauf seiner maßgeschneiderten Tensor Processing Units (TPUs) aus. Bislang liefen die Chips fast ausschließlich über Google Cloud. Jetzt zielt der Konzern auf externe Anbieter ab – namentlich auf Nscale, einen zwei Jahre alten Neocloud-Anbieter, bei dem Nvidia als bevorzugter Großaktionär auftritt.
Google positioniert seine TPUs als stabilere und einfacher zu vernetzende Alternative zu GPU-Systemen. Das Argument trifft einen wunden Punkt: Nvidias neue Grace-Blackwell-Systeme und die kommende Vera-Rubin-Generation bereiten manchen Kunden beim Einsatz offenbar Probleme.
Nvidia reagierte den Berichten zufolge prompt. Der Chiphersteller soll Nscale finanzielle Anreize angeboten haben, um den Anbieter von TPUs fernzuhalten. Nscale bestreitet diese Darstellung. Digitimes bestätigte unterdessen den größeren Trend: Google nimmt gezielt Neocloud-Anbieter ins Visier, die ihr Geschäft traditionell komplett auf Nvidia aufgebaut haben.
UBS senkt Kursziel vor den Zahlen
Die Nachricht zur TPU-Expansion trifft auf eine ohnehin schon vorsichtigere Analystenstimmung. UBS senkte am Montag das Kursziel für Alphabet von 410 auf 400 Dollar, beließ die Einstufung aber bei „Neutral“. Die Bank begründet den Schritt mit den bevorstehenden Quartalszahlen. Auch bei Meta kürzte UBS das Kursziel deutlich – von 865 auf 766 Dollar, bei weiterhin geltender „Buy“-Empfehlung.
Nicht alle Analysten schlagen denselben Ton an. Morgan Stanley zeigt sich beim langfristigen KI-Investitionszyklus zuversichtlicher und hob die Ausgabenprognosen für Meta und Amazon an. Die Bank erwartet nun, dass die großen Cloud-Anbieter ihre KI-Investitionen bis 2027 auf rund 1,2 Billionen Dollar und bis 2028 auf 1,4 Billionen Dollar steigern.
Alphabet legt seine Quartalszahlen am 22. Juli vor. Der Markt rechnet laut Koyfin-Daten mit einem Gewinn von 2,90 Dollar je Aktie bei einem Umsatz von 116,8 Milliarden Dollar.
Nvidias Ökosystem hält bislang stand
Der Vorstoß in fremde Rechenzentren bleibt für Google harte Arbeit. Frühere Berichte von The Information zeigen, dass die großen unabhängigen Anbieter Nebius, Lambda und CoreWeave bisher kaum Wechselbereitschaft zeigen. Ein Nebius-Manager brachte es unverblümt auf den Punkt: Rund 99 Prozent der Nachfrage seines Unternehmens entfallen auf Nvidia-Hardware.
Nvidias finanzielle Verflechtungen mit diesen Anbietern – teils über direkte Kapitalbeteiligungen – erschweren Googles Vorhaben zusätzlich. Der Chiphersteller hat sich in den vergangenen Jahren tief in das Neocloud-Segment eingekauft.
Kursbild bleibt angeschlagen
Der aktuelle Rücksetzer reiht sich in eine volatile Phase ein. Alphabet notiert 12,22 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 350,75 Euro aus dem Mai und liegt unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 321,51 Euro. Der 14-Tage-RSI von 43,7 deutet weder auf eine überkaufte noch überverkaufte Lage hin.
Auf Jahressicht steht die Aktie dennoch deutlich im Plus: Seit Jahresbeginn hat sie 14,42 Prozent zugelegt, gegenüber dem Vorjahrestief sogar 97,78 Prozent. Die grundsätzliche Aufwärtsbewegung durch den KI-Boom ist damit intakt – auch wenn der Wettbewerb um die Chip-Infrastruktur kurzfristig für Unsicherheit sorgt. Die Quartalszahlen am 22. Juli dürften zeigen, wie stark sich diese Unsicherheit bereits im operativen Geschäft niederschlägt.
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