Alphabet Aktie: Wird die Kapitalspritze zur Renditewette?

Alphabet sammelt 25 Mrd. Dollar über Anleihen ein, während Cloud-Wachstum und Investitionsdruck die Aktienbewertung bestimmen.

Eduard Altmann ·
Alphabet Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Rekordnachfrage nach Alphabet-Anleihen
  • Erstmals negativer freier Cashflow
  • Cloud-Umsatz wächst um 82 Prozent
  • DeepMind-Umbruch und Kartellklage belasten

Ausgangslage

Alphabet hat am Donnerstag Anleihen im Volumen von 25 Milliarden Dollar platziert – und dabei mit rund 115 Milliarden Dollar an Nachfrage einen der größten Orderbücher des Jahres für KI-bezogene Schuldtitel eingesammelt. Nur Oracle mit seinem Rekorddeal im Februar und Amazon im März zogen im laufenden Jahr noch mehr Kapital an. Die schiere Größe dieser Nachfrage ist ein Signal: Fremdkapitalgeber trauen dem Konzern zu, seine milliardenschweren KI-Investitionen zu stemmen, obwohl das operative Bild zuletzt Risse zeigte. Die Aktie schloss am Donnerstag bei 310,50 Euro, ein Minus von 1,15 Prozent, und liegt damit rund 11,48 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Der Zeitpunkt der Anleiheplatzierung fällt in eine Woche, in der Alphabet gleich mehrfach Schlagzeilen machte: eine milliardenschwere Kartellklage in Großbritannien, ein überraschender Führungswechsel bei Google DeepMind und der Abgang mehrerer KI-Vordenker. Für Anleger verdichtet sich damit die Frage, ob die aggressive Investitionsstrategie mittelfristig aufgeht oder die Substanz des Konzerns überfordert.

Die entscheidende Frage

Im Zentrum steht eine einzige Rechnung: Wächst das Cloud-Geschäft schnell genug, um die explodierenden Investitionsausgaben zu rechtfertigen? Alphabet hat die Investitionsprognose für das Gesamtjahr 2026 auf 195 bis 205 Milliarden Dollar angehoben, nur ein Quartal nachdem die Spanne bei 180 bis 190 Milliarden Dollar lag. Finanzchefin Anat Ashkenazi begründete dies beim Earnings-Call am 22. Juli damit, dass die Nachfrage nach Google-Cloud-KI-Infrastruktur das verfügbare Rechenzentrumsvolumen weiterhin übersteigt und die Engpässe bis 2027 anhalten dürften. Im zweiten Quartal beliefen sich die Investitionen bereits auf 44,9 Milliarden Dollar, doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Die Folge: ein negativer freier Cashflow von 5,9 Milliarden Dollar – erstmals seit dem Börsengang 2004. Gleichzeitig wuchs der Cloud-Umsatz um 82 Prozent bei einer operativen Marge von 35,6 Prozent. Ob diese Marge weiter steigt oder unter dem Investitionsdruck stagniert, wird zur entscheidenden Kennzahl für die Bewertung der Aktie.

Bullisches Szenario

Für Optimisten spricht, dass die Nachfrage nach Cloud-Kapazität die Investitionen offenbar rechtfertigt: Die vertraglich gesicherten künftigen Umsätze summierten sich Ende Juni auf 811 Milliarden Dollar, fast 500 Milliarden Dollar mehr als noch im März. Das deutet auf eine lange Sichtbarkeit künftiger Erlöse hin, nicht auf spekulatives Bauen ins Blaue. Auch die Kapitalmarktseite bestätigt Vertrauen: Ein Orderbuch von 115 Milliarden Dollar für die jüngste Anleihe zeigt, dass institutionelle Gläubiger die Bonität und die langfristige Ertragskraft nicht infrage stellen. Morgan Stanley hatte Alphabet am Montag zudem in einen breiteren Branchenkontext gestellt: Amazon plane mit etwa 220 Milliarden Dollar sogar höhere Investitionen, Microsoft mit rund 190 Milliarden Dollar ähnlich hohe – Alphabet stehe mit seiner Spanne also nicht isoliert da. Die Aktie sprang an jenem Tag um 5,1 Prozent, nachdem die Analysten auf einen weiterhin positiven freien Cashflow von 53,3 Milliarden Dollar über die vergangenen zwölf Monate sowie auf Effizienzhebel wie eigene Chips und Leasingmodelle verwiesen hatten. Zusätzliches Potenzial liefert die vertiefte Partnerschaft mit Anthropic: Google soll über ein Rechenzentrumsprojekt in Texas eine Beteiligung von rund 20 Prozent erhalten und eigene Tensor-Prozessoren, gemeinsam mit Broadcom entwickelt, in großem Stil ausliefern.

Bärisches Szenario

Die Kehrseite ist ebenso real. Ein negativer freier Cashflow zum ersten Mal seit über zwei Jahrzehnten ist kein Nebensatz, sondern ein strukturelles Warnsignal, sollte sich das Muster verfestigen. Die Investitionsprognose wurde bereits zweimal in Folge angehoben – ein drittes Mal würde die Frage aufwerfen, ob das Wachstum wirklich mit dem Kapitaleinsatz Schritt hält. Personell steht Google DeepMind vor einem Umbruch: Demis Hassabis wechselt in eine Chairman-Rolle und wird zusätzlich Chief Scientist des Konzerns, Koray Kavukcuoglu übernimmt das operative Geschäft. Gleichzeitig verlässt KI-Pionier Jeff Dean das Unternehmen, um gemeinsam mit den Kollegen Sanjay Ghemawat, Oriol Vinyals und Quoc Le ein eigenes Start-up namens Discovery Loop zu gründen. Die Ankündigung ließ die Aktie am Mittwoch um rund vier bis fünf Prozent einbrechen – ein Hinweis darauf, wie sensibel der Markt auf mögliche Abwanderung von KI-Kompetenz reagiert. Hinzu kommt rechtlicher Gegenwind: Ein britisches Wettbewerbstribunal hat eine Sammelklage im Namen von schätzungsweise 880.000 Unternehmen zugelassen, die Google Missbrauch seiner Marktmacht bei Online-Werbung, mobilen Betriebssystemen und App-Vertrieb vorwirft und Schadenersatz von bis zu 5 Milliarden Pfund fordert. Der Antrag von Google, das Verfahren zu stoppen, wurde abgelehnt – das Verfahren selbst steht damit erst am Anfang und ist inhaltlich keineswegs entschieden. Die hohe annualisierte Volatilität von 43,97 Prozent spiegelt diese Gemengelage aus Chance und Risiko.

Ausblick

Solange die Cloud-Marge und die vertraglich gesicherten Umsätze weiter wachsen und Fremdkapitalgeber bereit sind, Alphabets Investitionsprogramm mit hoher Nachfrage zu finanzieren, bleibt das bullische Szenario intakt – die Aktie bewegt sich derzeit exakt auf Höhe ihres 50-Tage-Durchschnitts, ein neutraler technischer Ausgangspunkt für die nächste Richtungsentscheidung. Kippt hingegen die Cloud-Dynamik, weitet sich der negative freie Cashflow spürbar aus oder verdichten sich Hinweise auf einen Braindrain bei DeepMind, dürfte der Markt die hohen Investitionsausgaben zunehmend kritischer bewerten. Konkrete Termine, an denen sich diese Fragen entscheiden: der 4. September, an dem die nächste Dividende von 0,22 Dollar je Aktie ex wird, sowie die kommende Quartalsvorlage, in der sich zeigen muss, ob Cloud-Wachstum und Marge dem gestiegenen Kapitaleinsatz weiter standhalten.

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Alphabet Aktie

312,85 EUR

– 15,15 EUR -4,62 %
KGV 18,94
Sektor Kommunikationsdienste
Div.-Rendite 0,23 %
Marktkapitalisierung 4,43 Bio. EUR
ISIN: US02079K3059 WKN: A14Y6F

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