Alphabet Aktie: Zwei Siege an einem Tag
Alphabet darf AdX behalten und bringt weitere KI-Modelle heraus. Nach vier Verlustmonaten rücken Cloud-Wachstum und neue Impulse in den Fokus.

Kurz zusammengefasst
- Gericht verwirft Verkauf von AdX
- Drittes Flash-Modell binnen sechs Wochen
- WeatherNext 3 verbessert Niederschlagsprognosen
- Cloud-Umsatz steigt um 82 Prozent
Ein Bundesgericht lehnt die Zerschlagung ab, ein neues KI-Wettermodell geht live, und die Verlustserie vom Sommer scheint erst einmal gestoppt. Für Alphabet ist der Wochenauftakt in den September ungewöhnlich reich an guten Nachrichten.
Im Zentrum steht die Entscheidung von Richterin Leonie Brinkema. Sie lehnte den Antrag des US-Justizministeriums ab, Google zum Verkauf seiner Werbebörse AdX zu zwingen. Stattdessen akzeptierte das Gericht überwiegend die von den Parteien vorgeschlagenen Verhaltensauflagen, deren genauer Inhalt vorerst unter Verschluss bleibt.
Es ist bereits der zweite große Zerschlagungsversuch, den ein US-Gericht abweist. Bereits im vergangenen Jahr scheiterte ein Vorstoß, Alphabet zur Abspaltung von Chrome und Android zu zwingen. Für den Konzern bedeutet das: Das lukrative Werbegeschäft, zuletzt mit einem Umsatzplus von 14 Prozent, bleibt strukturell unangetastet.
Neue Modelle sollen Momentum zurückbringen
Parallel zum Gerichtserfolg treibt Google seine KI-Offensive voran. Mit Gemini 3.8 Flash bringt der Konzern binnen sechs Wochen bereits das dritte Flash-Modell auf den Markt, optimiert für Programmierung und mehrstufige Aufgaben. Der Preis bleibt mit 0,75 US-Dollar je Million Input-Tokens auf dem Niveau des Vorgängers — Google setzt im Wettbewerb mit Anthropic und OpenAI klar auf den Kostenhebel.
Ergänzend startet mit Gemini 3.8 Flash Cyber ein spezialisiertes Sicherheitsmodell, zunächst nur für ausgewählte Regierungs- und Unternehmenskunden über das neue „Fairwind Program“ zugänglich.
Laut Marktbeobachtern ändert das wenig daran, dass Google im Unternehmensmarkt weiterhin hinter den beiden Konkurrenten liegt. Dennoch: Fast drei Viertel der Google-Cloud-Kunden nutzen bereits KI-Produkte des Konzerns, und deren Ausgaben liegen inzwischen rund 50 Prozent über den ursprünglichen Zusagen.
Zusätzlich stellte Google DeepMind mit WeatherNext 3 ein neues KI-Wettermodell vor, das Vorhersagen in einer Auflösung von bis zu 5 Kilometern liefert und laut unabhängigen Auswertungen die Niederschlagsprognose um bis zu 60 Prozent gegenüber dem Vorgänger verbessert. Die Technologie soll künftig in Suche, Maps und Gemini einfließen.
Nach vier roten Monaten
Der Nachrichtenreigen trifft auf eine Aktie, die zuletzt unter Druck stand. Von Mai bis August verzeichnete Alphabet vier Verlustmonate in Folge — die längste Serie seit mehr als einem Jahrzehnt, kumuliert knapp 12 Prozent im Minus. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 7,7 Prozent zu Buche.
Rückenwind kam zuletzt auch von Berkshire-Hathaway-Chef Greg Abel, der Google als bedeutenden Akteur im KI-Markt bezeichnete. Operativ bleibt Alphabet ohnehin auf Kurs: Im zweiten Quartal 2026 wuchs der Umsatz um 24 Prozent auf 119,8 Milliarden US-Dollar, getragen vor allem vom Cloud-Geschäft mit einem Plus von 82 Prozent.
Der Gerichtsentscheid nimmt eine der größten regulatorischen Belastungen von der Aktie. Ob das reicht, um die Sommerschwäche endgültig zu drehen, hängt nun stärker denn je davon ab, ob die neuen Gemini-Modelle im Unternehmensmarkt tatsächlich Marktanteile gegenüber Anthropic und OpenAI gewinnen können.
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