Alphabet auf Allzeithoch, Microsoft ringt mit Kostenlawine — KI-Aktien im Stresstest
Alphabet überzeugt mit Cloud-Wachstum, Microsoft kämpft mit hohen Investitionen. Nvidia leidet unter China-Restriktionen, ASML profitiert vom KI-Boom.

Kurz zusammengefasst
- Alphabet erreicht neues Allzeithoch
- Microsoft meldet Rekordumsatz bei sinkender Marge
- Nvidia verliert Zugang zum China-Markt
- SoftBank plant 100-Milliarden-IPO für Robotik
Zwei Quartalszahlen, zwei Welten: Alphabet feiert Rekorde, Microsoft kämpft mit der teuersten Infrastruktur-Offensive seiner Geschichte. Gleichzeitig verliert Nvidia den Zugang zum chinesischen Markt Stück für Stück, ASML kann gar nicht schnell genug liefern — und SoftBank will mit einem 100-Milliarden-Dollar-Börsengang die Robotik-Ära einläuten. Die große Trennlinie im KI-Sektor verläuft nicht zwischen Gewinnern und Verlierern. Sie verläuft zwischen jenen, die ihre Milliarden-Investitionen bereits in wachsende Gewinne verwandeln, und jenen, die noch auf den Beweis schuldig bleiben.
Alphabet: Das Quartal, das die Skeptiker verstummen ließ
Der Sprung kam mit Wucht. Alphabet-Aktien schossen am 30. April um rund 10 % nach oben und markierten ein neues Allzeithoch bei 381,94 US-Dollar. Im gesamten April legte die Aktie 21 % zu — mehr als jeder andere Wert unter den „Magnificent Seven“.
Die Zahlen dahinter rechtfertigen die Euphorie. Der Umsatz erreichte 109,9 Milliarden US-Dollar und übertraf die Erwartungen der Analysten deutlich. Es war das stärkste Wachstumsquartal seit 2022. Das eigentliche Highlight lieferte die Cloud-Sparte:
- Google Cloud wuchs um 63 %, der Cloud-Auftragsbestand verdoppelte sich nahezu auf über 460 Milliarden US-Dollar.
- Die operative Marge der Cloud-Sparte explodierte von 9,4 % auf 32,9 %.
- Der operative Gewinn der Cloud-Einheit verdreifachte sich auf 6,6 Milliarden US-Dollar.
Auch das Kerngeschäft lieferte. Die Suche verzeichnete ein Allzeithoch bei den Anfragen, getrieben durch KI-gestützte Erlebnisse, und wuchs um 19 %. Die Gemini-App bescherte Alphabet das stärkste Quartal für Consumer-KI-Abos überhaupt — 350 Millionen zahlende Abonnenten insgesamt, bei der Enterprise-Version legten die aktiven Nutzer um 40 % gegenüber dem Vorquartal zu.
Analysten reagierten prompt. Needham und Scotiabank hoben ihre Kursziele auf jeweils 450 US-Dollar an, Roth Capital auf 435 US-Dollar. Der Marktwert liegt mittlerweile bei rund 4,2 Billionen US-Dollar — vor einem Jahr waren es noch 1,9 Billionen. Alphabet muss Investoren nicht mehr bitten, KI-Ausgaben auf Vertrauensbasis mitzutragen. Die Zahlen sprechen für sich.
Microsoft: Rekordumsatz trifft auf Rekordkosten
So überzeugend Microsofts Wachstumszahlen ausfallen, so groß ist die Verunsicherung über die Kostenseite. Die Aktie notierte am 1. Mai bei rund 414 US-Dollar — ein moderates Plus von 1,6 % am Tag, aber seit Jahresbeginn steht ein Minus von 12 % zu Buche. Es war das schwächste Quartal seit 2008.
Der Umsatz für das dritte Fiskalquartal (bis Ende März) lag bei 82,9 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 18 % im Jahresvergleich. Der Nettogewinn stieg um 23 % auf 31,8 Milliarden. Das KI-Geschäft erreichte eine annualisierte Run Rate von 37 Milliarden US-Dollar — ein Anstieg um 123 % gegenüber dem Vorjahr.
Die Kehrseite: CFO Amy Hood stellte Investitionsausgaben von 190 Milliarden US-Dollar für das Gesamtjahr 2026 in Aussicht. Das wäre ein Anstieg um 61 % gegenüber 2025. Allein gestiegene Komponentenpreise schlagen mit etwa 25 Milliarden zu Buche. Die Bruttomarge sank auf 67,6 % — den niedrigsten Stand seit 2022 — belastet durch höhere Abschreibungen auf neue Rechenzentren.
Strukturell bemerkenswert: Microsoft beendete seine Umsatzbeteiligung an OpenAI. Jeder Cloud-Anbieter kann nun OpenAI-Modelle hosten — die jahrelange Azure-Exklusivität ist Geschichte. Microsoft behält allerdings noch sechs Jahre lang eine Lizenz auf OpenAIs geistiges Eigentum.
Für das vierte Fiskalquartal erwartet Microsoft einen Umsatz zwischen 83,5 und 85 Milliarden US-Dollar. Die Nachfrage ist da. Ob die Marge mithält, bleibt die zentrale Frage für die Aktie.
Nvidia: Globaler Champion im geopolitischen Schraubstock
Nvidia-Aktien pendelten Ende April um die 201-Dollar-Marke und gaben rund 4 % nach. Das durchschnittliche Analysten-Kursziel liegt bei 274 US-Dollar — ein Aufwärtspotenzial von rund 36 %. Mit 104 Kaufempfehlungen gegen nur eine Verkaufsempfehlung bleibt die Analystengemeinde nahezu geschlossen bullish.
Die Realität am Boden ist komplizierter. Chinas Markt, einst für bis zu ein Viertel des Rechenzentrumsumsatzes verantwortlich, schrumpft unter dem Druck beider Seiten. Peking weist chinesische Techkonzerne an, Nvidia-Chips nur im Ausland einzusetzen. Die US-Regulierung verlangt, dass bestellte Chips ausschließlich in China verbleiben. Dieses Paradox hat die Zollabfertigung für H200-Lieferungen faktisch lahmgelegt.
Gleichzeitig baut Huawei seine KI-Chip-Erlöse aus. Für 2026 werden rund 12 Milliarden US-Dollar erwartet — ein Plus von mindestens 60 % gegenüber dem Vorjahr. DeepSeek setzt verstärkt auf Huawei-Hardware, während Peking die Abhängigkeit von westlichen Zulieferern systematisch reduziert.
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Im Geschäftsjahr 2026 lag Nvidias Umsatz bei 215,9 Milliarden US-Dollar, ein Zuwachs von rund 65 %. Am 20. Mai steht die nächste Earnings-Telefonkonferenz an — und der Markt will vor allem eines hören: eine konkrete Quantifizierung der China-Verluste und einen glaubwürdigen Plan für den Umgang mit dem Exportkontroll-Labyrinth.
ASML: Die Chipfabrik der Welt läuft auf Hochtouren
Während Nvidia mit Marktzugangsproblemen kämpft, profitiert ASML von der gesamten KI-Aufrüstung — unabhängig davon, welcher Chiphersteller am Ende dominiert. Die Aktie legte 2026 bisher rund 35 % zu und steht auf Jahressicht über 115 % im Plus. 82 % der Analysten empfehlen den Kauf, das mediane Kursziel liegt bei 1.775 US-Dollar.
Die Q1-Zahlen übertrafen die Erwartungen auf beiden Seiten der Bilanz. Der Nettoumsatz erreichte 8,8 Milliarden Euro gegenüber erwarteten 8,5 Milliarden, der Nettogewinn lag bei 2,8 Milliarden statt der prognostizierten 2,5 Milliarden.
CEO Christophe Fouquet brachte die Lage auf den Punkt: „Die Nachfrage nach Chips übersteigt das Angebot.“ ASML hob die Jahresprognose an und erwartet nun einen Umsatz zwischen 36 und 40 Milliarden Euro bei einer Bruttomarge von 51 bis 53 %. Um den Bedarf zu decken, sollen 2026 insgesamt 60 der meistverkauften Low-NA-EUV-Systeme ausgeliefert werden — 25 % mehr als im Vorjahr. Für 2027 stehen Kapazitäten für 80 Systeme bereit.
Südkorea avancierte zum größten Abnehmermarkt und machte 45 % der Systemverkäufe aus — getrieben durch den Ausbau KI-relevanter Speicherchip-Fertigung. Der China-Anteil sank dagegen auf 19 % nach 36 % im Dezember-Quartal. Der sogenannte MATCH Act, ein US-Gesetzesvorhaben, könnte weitere Einschränkungen für China-Lieferungen bringen. CFO Roger Dassen rechnet weiterhin mit einem China-Anteil von rund 20 % am Jahresumsatz — sollte das Gesetz greifen, droht jedoch ein Abrutschen ans untere Ende der Prognose.
SoftBank: 100 Milliarden für die Roboter-Revolution
Kein Unternehmen im KI-Sektor setzt so aggressiv auf die Zukunft wie SoftBank. Die Aktie eröffnete am 1. Mai bei 5.278 Yen und sprang zeitweise auf 5.466 Yen, nachdem Details über ein neues Megaprojekt durchsickerten.
Das Vorhaben trägt den Namen „Roze“. SoftBank plant, ein eigenständiges KI- und Robotik-Unternehmen an die US-Börse zu bringen — mit einer Zielbewertung von rund 100 Milliarden US-Dollar. Roze soll sich auf den Bau von Rechenzentren konzentrieren und dabei Robotik einsetzen, um die KI-Infrastruktur effizienter zu errichten.
- ABB Robotics, einer der weltweit führenden Robotik-Anbieter, den SoftBank im Vorjahr übernommen hat, soll in Roze einfließen.
- Bestehende Energie-, Grundstücks- und Infrastruktur-Assets aus dem SoftBank-Portfolio könnten ebenfalls gebündelt werden.
- Ein Analyst Day in einem texanischen Rechenzentrum ist für Juli geplant, KPMG bereitet die Finanzunterlagen vor.
SoftBank hält bereits rund 11 % an OpenAI nach einer 41-Milliarden-Dollar-Investition Ende 2025 und führte im April die erste 10-Milliarden-Tranche einer weiteren 30-Milliarden-Nachfinanzierung aus. Das Stargate-Projekt, an dem SoftBank neben Oracle und MGX beteiligt ist, sieht Rechenzentrum-Investitionen von bis zu 500 Milliarden US-Dollar über vier Jahre vor.
Das Risiko ist beträchtlich. Intern gibt es Zweifel an der Bewertung und dem Zeitplan. Verschlechtern sich die Marktbedingungen oder das regulatorische Umfeld, könnte der Börsengang auf 2027 rutschen. Zumal der US-Markt in der zweiten Jahreshälfte gleich drei historisch große IPOs verdauen müsste: SpaceX, Anthropic und OpenAI. SoftBanks KGV von 5,5 bei einem Jahresumsatz von 7,66 Billionen Yen wirkt günstig — die Frage ist, ob Roze diese Bewertungslücke schließen oder neue Risiken aufwerfen wird.
KI-Sektor zwischen Monetarisierung und Milliardenversprechen
Die Quartalszahlen der großen Hyperscaler übertrafen allesamt die Erwartungen. Zusammen genommen planen die Technologiekonzerne KI-bezogene Investitionsausgaben von über 600 Milliarden US-Dollar allein im Jahr 2026. Aber die Reaktionen des Marktes fielen drastisch unterschiedlich aus.
Alphabet hat den Beweis erbracht, dass KI-Investitionen in beschleunigte Umsätze und explodierende Margen münden können. Microsoft zeigt die Nachfrageseite eindrucksvoll — lässt aber die Investoren mit einer Bruttomarge im Rückwärtsgang allein. Nvidia bleibt technologisch dominant, wird aber vom zweitgrößten KI-Markt der Welt abgeschnitten. ASML verdient an der gesamten Aufrüstung, egal wer gewinnt — solange die Geopolitik mitspielt. SoftBank wettet darauf, dass die physische Infrastruktur hinter der KI mindestens so wertvoll wird wie die Software selbst.
Die nächsten Wochen werden zeigen, ob Nvidias Earnings-Call am 20. Mai den China-Schmerz beziffern kann, ob Microsofts Margenpfad glaubwürdig bleibt — und ob der Markt bereit ist, SoftBanks Roze-Vision mit 100 Milliarden Dollar zu bepreisen. Der KI-Infrastrukturboom ist real. Wer ihn richtig einpreist, steht auf einem anderen Blatt.
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