Alphabet: Buffett kauft 48,1 Millionen Aktien
Alphabet verzeichnet starkes Cloud-Wachstum, doch hohe Investitionen und Personalwechsel belasten. Berkshire erhöht Anteil, Kurs bleibt unter Hoch.

Kurz zusammengefasst
- Cloud-Umsatz steigt um 82 Prozent
- Investitionsbudget für 2026 angehoben
- Berkshire Hathaway stockt Alphabet-Anteil auf
- Aktie notiert 15 Prozent unter Rekordhoch
Zwei Signale bestimmen gerade das Bild bei Alphabet, und sie widersprechen sich scheinbar. Auf der einen Seite die Sorge der Anleger vor explodierenden Investitionen, auf der anderen Seite ein Großinvestor, der genau jetzt kräftig zukauft. Für mich überwiegt am Ende das Vertrauen des Marktes in die Substanz des Geschäfts – auch wenn der Kurs das derzeit nicht widerspiegelt.
Starke Zahlen, aber die Kapex-Frage überschattet alles
Am 14. August meldete Alphabet für das zweite Quartal 2026 einen Gesamtumsatz von 119,8 Milliarden Dollar. Die Cloud-Sparte lieferte das eigentliche Highlight: Google Cloud wuchs um 82 Prozent auf 24,8 Milliarden Dollar, das stärkste Quartalswachstum der Sparte überhaupt, und übertraf die Konsenserwartungen.
Trotzdem gaben die Aktien im nachbörslichen Handel nach. Der Grund: Das Management hob die Investitionsguidance für 2026 auf eine Spanne von 195 bis 205 Milliarden Dollar an.
Das ist eine gewaltige Summe, und sie erklärt, warum Anleger nervös reagieren. Wer derart massiv in Rechenzentren und KI-Infrastruktur investiert, verspricht implizit, dass sich diese Ausgaben irgendwann in Wachstum niederschlagen müssen.
Bleibt dieser Beweis aus, drohen Diskussionen über Kapitaldisziplin. Ich halte die Skepsis für nachvollziehbar, aber nicht für ausreichend, um das operative Bild zu trüben – ein Cloud-Wachstum von 82 Prozent bei gleichzeitig steigendem Gesamtumsatz spricht eher für als gegen die Investitionsthese.
Personalwechsel bei DeepMind verstärkt die Verunsicherung
Einen Tag zuvor, am 5. August, hatte Alphabet eine Führungsumbildung bei Google DeepMind verkündet. Demis Hassabis wechselte vom Posten des CEO in die Rolle des Chairman und Chief Scientist, Koray Kavukcuoglu übernahm die operative Führung der KI-Modellentwicklung.
Brisanter für den Markt: Jeff Dean, langjähriger KI-Chefwissenschaftler, verließ Alphabet, um gemeinsam mit drei weiteren Alphabet-Veteranen das neue Unternehmen Discovery Loop zu gründen. Die Aktie gab daraufhin nach – Investoren fürchteten Ausführungsrisiken in der KI-Strategie des Konzerns.
Diese Sorge ist berechtigt, sollte aber nicht überbewertet werden. Führungswechsel in einer derart schnelllebigen Branche sind keine Seltenheit, und Alphabet hat mit Kavukcuoglu offenbar einen internen Nachfolger bereit. Wer aus jedem Personalwechsel ein Krisensignal macht, verkennt, dass Wettbewerb um Talente in der KI-Branche zum Alltag gehört.
Finanzierung und Buffetts Signal
Parallel zur operativen Debatte lief die Finanzierungsseite auf Hochtouren. Anfang August platzierte Alphabet eine Dollar-Anleihe über 25 Milliarden Dollar in bis zu zehn Tranchen mit Laufzeiten zwischen zwei und 40 Jahren – laut Berichten die letzte Dollar-Emission des Konzerns im Jahr 2026. Ein Teil davon, 4,5 Milliarden Dollar mit zehnjähriger Laufzeit, wurde mit einem Renditeaufschlag von 0,85 Prozentpunkten gegenüber vergleichbaren US-Staatsanleihen platziert. Das zeigt: Der Kapitalmarkt vertraut Alphabets Bonität, trotz der gigantischen Investitionssummen.
Noch aufschlussreicher ist für mich der Blick auf Berkshire Hathaway. Wie aus der Ende der vergangenen Woche veröffentlichten Q2-Portfoliomeldung hervorgeht, stockte Warren Buffetts Holding seine Alphabet-Position um rund 48,1 Millionen Aktien auf, der Gesamtbestand liegt nun bei etwa 106 Millionen Aktien.
Rund 60 Prozent des Zukaufs stammten aus einer Privatplatzierung über 10 Milliarden Dollar, die Berkshire direkt bei Alphabet zeichnete, der Rest aus Käufen am offenen Markt. Zum 30. Juni bezifferte Berkshire den Wert der Beteiligung auf etwa 37,76 Milliarden Dollar. Ein Investor mit Buffetts Reputation baut seine Position nicht aus, wenn er an der langfristigen Strategie zweifelt.
Kursbild spiegelt die Verunsicherung, nicht die Substanz
Der Aktienkurs bewegt sich derzeit bei 299,00 Euro, gut 15 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 350,75 Euro. Auf Sicht von sieben Tagen steht ein Minus von 3,4 Prozent zu Buche, was die jüngste Nervosität rund um Kapex und Personalwechsel widerspiegelt. Gleichzeitig notiert die Aktie mit 71 Prozent im Plus gegenüber dem Stand vor rund zwölf Monaten – ein Beleg dafür, dass der übergeordnete Trend intakt bleibt.
Unterm Strich sehe ich in der aktuellen Schwäche eher eine Verdauungspause als eine fundamentale Trendwende. Die operativen Zahlen sind stark, die Kapitalmärkte finanzieren Alphabet zu attraktiven Konditionen, und mit Berkshire Hathaway hat einer der erfahrensten Investoren der Welt gerade kräftig aufgestockt.
Das Ausführungsrisiko bei DeepMind und die Kapex-Debatte bleiben Beobachtungspunkte, doch sie überwiegen für mich nicht die strukturellen Stärken des Konzerns.
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