Alphabet, Telekom, Alibaba — fünf Medien- und Telekom-Aktien im Stresstest

Die Medien- und Telekommunikationsbranche zeigt extreme Unterschiede: Deutsche Telekom punktet mit Stabilität, während Alibabas Gewinn einbricht und Alphabet massiv in KI investiert.

Andreas Sommer ·
Deutsche Telekom Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Deutsche Telekom übertrifft Gewinnerwartungen
  • Alibabas Nettogewinn sinkt um zwei Drittel
  • Alphabet verdoppelt Investitionen in KI-Infrastruktur
  • The Trade Desk kämpft mit Audit-Vorwürfen

Alibabas Gewinn bricht um zwei Drittel ein, Alphabet rüstet das Pentagon mit KI aus, und The Trade Desk kämpft gegen einen Audit-Skandal. Die Medien- und Telekommunikationsbranche liefert in dieser Woche ein Bild maximaler Divergenz. Während Deutsche Telekom als defensiver Anker fungiert und Nokia mit Nvidia die Mobilfunknetze der Zukunft erprobt, prallen bei den übrigen Titeln Wachstumsfantasie und Ernüchterung mit voller Wucht aufeinander.

Ein einheitliches Sektor-Narrativ? Unmöglich. Deshalb der Blick auf jedes Unternehmen einzeln.

Deutsche Telekom: Dividendenanker mit starker Guidance

In einem nervösen Marktumfeld profitiert die Deutsche Telekom von ihrer Rolle als defensiver Wert. Die Jahreszahlen 2025 fielen solide aus: Das bereinigte EBITDA nach Leasing lag im vierten Quartal bei 10,8 Milliarden Euro — über dem Konsens. Die Prognose für 2026 mit rund 47,4 Milliarden Euro Kerngewinn übertraf die Erwartungen der Analysten ebenfalls deutlich.

  • Analystenstimmung: 15 Kaufempfehlungen, 2 Halte-Ratings, 1 Verkaufsempfehlung bei einem durchschnittlichen Kursziel von 37,48 Euro
  • Barclays-Kursziel: 39,50 Euro (Kaufen), bestätigt am 17. März
  • Dividende: 1,00 Euro je Aktie, Ex-Tag am 2. April

Bei einem aktuellen Kurs von 31,41 Euro hat die Aktie seit Jahresbeginn rund 13 Prozent zugelegt. Der Rücksetzer der vergangenen Woche — gut fünf Prozent Minus in sieben Tagen — führte den Kurs zwar unter das April-Hoch von 34,53 Euro zurück. Die breite Kaufempfehlung unter Analysten und die bevorstehende Dividende stützen die Aktie dennoch. Die Abhängigkeit von T-Mobile US bleibt der zentrale Hebel, sowohl nach oben als auch nach unten.

Alphabet: KI-Milliarden zwischen Pentagon und DeepMind

Zwei Meldungen dominieren Alphabets Woche. Erstens: Google bringt KI-Agenten auf Basis von Gemini in die Verwaltung des US-Verteidigungsministeriums — zunächst auf nicht-klassifizierten Netzwerken, aber mit dem Potenzial, drei Millionen Mitarbeitende zu erreichen. Zweitens: Jasjeet Sekhon, bisher Topmanager bei Bridgewater Associates, wechselt als Chief Strategy Officer zu DeepMind. Ein Signal, dass die KI-Einheit personell aufrüstet.

Die Zahlen untermauern den Kurs. Im Geschäftsjahr 2025 erwirtschaftete Alphabet 402,8 Milliarden Dollar Umsatz — ein Plus von gut 15 Prozent. Der Gewinn stieg um 32 Prozent. Google Cloud wuchs im vierten Quartal um 47,8 Prozent. Die Q4-Gewinne je Aktie lagen mit 2,82 Dollar knapp sieben Prozent über den Schätzungen.

Der Elefant im Raum: Alphabet plant für 2026 Investitionsausgaben von 175 bis 185 Milliarden Dollar — mehr als das Doppelte des Vorjahres. Diese gigantische KI-Infrastruktur-Wette spaltet Investoren. Bei einem Kurs von 260,35 Euro notiert die Aktie rund elf Prozent unter dem Allzeithoch vom Februar. Das durchschnittliche Analystenkursziel liegt bei 351,82 Dollar — ein Aufwärtspotenzial von knapp 18 Prozent. 44 Analysten vergeben im Schnitt ein „Strong Buy“.

The Trade Desk: Audit-Eklat und ein CEO, der 148 Millionen Dollar investiert

Kein Titel im Sektor steht unter größerem Druck. The Trade Desk hat seit Jahresbeginn über 35 Prozent an Wert verloren und notiert bei 20,82 Euro nur knapp über dem 52-Wochen-Tief. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei fast 72 Prozent — ein Zeichen extremer Unsicherheit.

Der jüngste Rückschlag kam am 17. März: Der französische Werberiese Publicis forderte seine Kunden auf, die Plattform zu meiden. Grund war ein gescheitertes Audit, das verdeckte Gebühren und fehlende Transparenz bei Mediakosten beanstandete. The Trade Desk wies die Vorwürfe zurück und verwies auf Vertraulichkeitsvereinbarungen, die eine vollständige Offenlegung verhinderten.

Gegengewicht bietet das Verhalten von CEO Jeff Green. Anfang März kaufte er für 148 Millionen Dollar eigene Aktien am offenen Markt — zu Kursen zwischen 23,49 und 25,08 Dollar. Hinzu kommen Berichte über frühe Gespräche mit OpenAI über die Vermarktung von Werbeplätzen auf deren Plattformen. Sollte sich das bestätigen, könnte The Trade Desk zum zentralen Werbe-Infrastrukturanbieter für KI-gestützte Dienste werden.

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Die Fundamentaldaten bleiben intakt: 2,9 Milliarden Dollar Jahresumsatz bei 18,5 Prozent Wachstum, knapp 79 Prozent Bruttomarge. Jefferies senkte das Kursziel allerdings auf 22 Dollar und beließ das Rating auf „Halten“. Der Wettbewerbsdruck durch die geschlossenen Ökosysteme von Alphabet, Meta und Amazon bleibt erheblich.

Alibaba: Gewinnschock trotz Cloud-Boom

Die drastischste Meldung der Woche lieferte Alibaba. Der Nettogewinn brach im Fiskalquartal um 66 Prozent ein. Der Umsatz von 284,8 Milliarden Yuan verfehlte die Erwartungen um fast sechs Milliarden. Die Aktie fiel am Freitag in Hongkong um sechs Prozent.

Hinter dem Gewinneinbruch steht ein radikaler Umbau. Alibaba hat seine Belegschaft innerhalb eines Jahres um 34 Prozent reduziert — von 194.320 auf 128.197 Mitarbeitende. Alles fließt in Cloud und KI. Die Cloud-Sparte wuchs um 36 Prozent, das Cloud-EBITA legte um 25 Prozent zu. CEO Eddie Wu formulierte ein ambitioniertes Ziel: Über 100 Milliarden Dollar jährlicher Cloud- und KI-Umsatz in den nächsten fünf Jahren. Zehn aufeinanderfolgende Quartale mit dreistelligem KI-Produktwachstum untermauern den Anspruch.

An der Börse fehlt das Vertrauen vorerst. Bei 106,00 Euro liegt die Aktie fast 20 Prozent unter dem Stand von vor 30 Tagen und rund 34 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch. Der RSI von 31 signalisiert eine überverkaufte Situation. JPMorgan senkte das Kursziel auf 205 Dollar, Jefferies auf 212 Dollar, Barclays auf 190 Dollar. Der Nettobestand von 42,5 Milliarden Dollar gibt Alibaba einen finanziellen Puffer — ob er reicht, um die KI-Vision zu finanzieren und gleichzeitig den Markt zu beruhigen, wird das kommende Quartal zeigen.

Nokia: Nvidia-Partnerschaft trifft auf Analystenskepsis

Nokia besetzt eine Sonderrolle in dieser Gruppe — als einziger reiner Netzwerk-Infrastrukturanbieter mit Nvidia als strategischem Aktionär seit Oktober 2025 (1 Milliarde Dollar, 2,9 Prozent Anteil). Die Woche verlief volatil: Am Montag sprang der Kurs um fünf Prozent, am Freitag gab er 3,6 Prozent ab. Der Schlusskurs von 6,88 Euro liegt dennoch rund 24 Prozent über dem Jahresanfangsniveau.

Auf dem Mobile World Congress 2026 demonstrierte Nokia GPU-beschleunigte AI-RAN-Technologie zusammen mit Nvidia. Neue Kundenintegrationen mit BT, Elisa, NTT DOCOMO und Vodafone untermauern den Fortschritt. Bei der Nvidia-GTC-Konferenz Mitte März testeten Nokia, T-Mobile US und Nvidia erfolgreich AI-RAN-Arbeitslasten in T-Mobiles Innovationszentrum in Seattle. Zusätzlich sicherte sich Nokias Bundeseinheit einen Vertrag mit der US-Raketenabwehrbehörde.

  • Morgan Stanley hob das Kursziel von 6,50 auf 8,50 Euro an — getrieben durch KI- und 5G-Optimismus
  • Arete Research stufte Nokia dagegen von Kaufen auf Neutral herab
  • Danske Bank und DNB Carnegie senkten ebenfalls ihre Erwartungen

Der AI-RAN-Markt könnte bis 2030 ein kumuliertes Volumen von über 200 Milliarden Dollar erreichen. Nokia-CEO Justin Hotard formulierte es beim MWC so: AI-RAN verwandle das Mobilfunknetz in eine softwaregetriebene Plattform, optimiert für KI. Die Herausforderung bleibt, dieses Versprechen in greifbares Ertragswachstum zu übersetzen — bevor die wachsende Analystenskepsis zur Belastung wird.

Fünf Aktien, fünf Richtungen — die Schlüsselfragen der nächsten Wochen

Die Divergenz innerhalb des Sektors könnte kaum größer sein. Deutsche Telekom bietet Stabilität und Dividende bei einem KGV unter 17. Alphabet wächst breit, setzt aber mit dreistelligen Milliarden-Investitionen alles auf KI-Infrastruktur. The Trade Desk ringt um Glaubwürdigkeit. Alibaba opfert kurzfristigen Gewinn für langfristige Cloud-Dominanz. Nokia wettet auf eine Netzwerk-Revolution, die kommerziell erst am Anfang steht.

Entscheidend in den kommenden Wochen: Alphabets Quartalszahlen am 28. April, die Frage nach der Nachhaltigkeit von Alibabas Cloud-Wachstum, eine mögliche Klärung des Publicis-Streits bei The Trade Desk und die Frage, ob Nokias AI-RAN-Partnerschaften in konkrete Umsatzbeiträge münden. Für die Telekom steht der Dividendentermin am 2. April im Kalender, bevor am 13. Mai die nächsten Zahlen folgen. KI-Infrastrukturausgaben, Wettbewerb im digitalen Werbemarkt und die Geopolitik rund um Chinas Cloud-Markt bleiben die übergreifenden Kräfte, die diesen Sektor weiter auseinandertreiben werden.

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Deutsche Telekom Aktie

31,41 EUR

– 0,74 EUR -2,30 %
KGV 16,05
Sektor Kommunikationsdienste
Div.-Rendite 3,11 %
Marktkapitalisierung 152,98 Mrd. EUR
ISIN: DE0005557508 WKN: 555750

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