Amazon Aktie: Anthropic-Milliarden im Windschatten
Amazon erzielt Einnahmen über Cloud-Vertrieb und Rechenleistung; der Wert der Beteiligung hängt von Anthropic-Börsengang und Bewertung ab.

Kurz zusammengefasst
- 47 Prozent Anthropic-Umsatz über Cloudpartner
- Amazon hält geschätzte 15 bis 19 Prozent
- Anthropic verbuchte 2025 operativen Verlust
- Braze meldet über 80 Prozent Marketplace-Wachstum
Der bevorstehende Börsengang von Anthropic legt offen, wie tief Amazon inzwischen im Geschäft des Claude-Entwicklers steckt. Der vertrauliche Börsenprospekt zeigt eine Abhängigkeit, die in beide Richtungen wirkt – und für Amazon gleich mehrfach Kasse klingeln lässt.
Drei Einnahmequellen aus einer Beteiligung
Laut dem Prospekt liefen 2025 rund 47 Prozent des Anthropic-Umsatzes über die Cloud-Plattformen von Amazon und Google, nach 32 Prozent im Vorjahr und lediglich elf Prozent 2023. Die Erlöse von Anthropic verzwölffachten sich 2025 auf 4,59 Milliarden Dollar, wovon 2,16 Milliarden Dollar über die beiden Partner abgewickelt wurden.
Amazon und Google fungieren dabei nicht als Kunden, sondern als Vertriebskanal – und behalten laut Prospekt rund 16 Cent je abgerechnetem Dollar als Gebühr ein.
Amazon verdient damit gleich dreifach: an den Vertriebsgebühren, am Verkauf der eigenen Rechenleistung und an seiner Kapitalbeteiligung. Schätzungen zufolge hält Amazon zwischen 15 und 19 Prozent an Anthropic, nachdem der Konzern bislang rund 18 Milliarden Dollar investiert hat und weitere 15 Milliarden Dollar bereithält. Bei einer angepeilten Bewertung von rund 2 Billionen Dollar zum IPO würde allein dieser Anteil einen erheblichen Wertzuwachs für Amazon bedeuten.
Die Kehrseite: Anthropic selbst schrieb 2025 einen operativen Verlust von rund 8 Milliarden Dollar, weil Rechenkosten von 7,33 Milliarden Dollar den Umsatz von 4,6 Milliarden Dollar deutlich übertrafen. Für Amazon als Infrastrukturlieferant ist genau das kein Nachteil – hohe Rechenkosten bedeuten hohe AWS-Umsätze.
Auch außerhalb der KI-Wette läuft das Geschäft
Parallel zur Anthropic-Story baut Amazon sein Cloud-Ökosystem in der Breite aus. Der Marketing-Softwareanbieter Braze hat eine strategische Kooperation mit Amazon Web Services geschlossen, um Amazon Bedrock in seine Kundenplattform zu integrieren. Braze meldet für das laufende Geschäftsjahr das bislang stärkste Halbjahr im AWS-Marketplace-Geschäft, mit einem Wachstum der Marketplace-Umsätze von über 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Im Gesundheitsbereich expandiert Amazon derweil mit seinem RxPass-Abo, das Prime-Mitgliedern rund 50 Generika für 5 Dollar im Monat bietet. Die Kundenzahl ist seit dem Start 2023 nach Unternehmensangaben auf fast das Dreifache gestiegen, mehr als 70 Prozent der Nutzer beziehen drei oder mehr Medikamente regelmäßig.
Verglichen mit dem für 2026 erwarteten Amazon-Konzernumsatz von 828 Milliarden Dollar bleibt RxPass finanziell ein Nebenschauplatz – strategisch dient es vor allem dazu, Kunden an Amazon Pharmacy und die Prime-Mitgliedschaft zu binden.
Die Anthropic-Beteiligung bleibt der größere Hebel. Sollte der Börsengang zur angepeilten Bewertung gelingen, würde sich Amazons frühes Engagement in einem der teuersten KI-Wettrennen der Branche in barer Münze auszahlen.
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