Amazon Aktie: Grubhub raus, Uber rein?

Der neue Restaurantservice ersetzt Grubhub; ob er Prime-Mitglieder dauerhaft bindet, hängt von der Nutzung nach den Rabatten ab.

Felix Baarz ·
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Dunkler Amazon-Lieferwagen parkt an einer Wohnstraße bei Sonnenlicht (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Liefergebühr entfällt ab 25 US-Dollar
  • Angebot in knapp 10.000 US-Orten
  • Höhere Mindestbestellung als bei Grubhub
  • Dauerhafte Nutzung bleibt entscheidend

Der Partnerwechsel muss Prime im Alltag stärken

Amazons neue Partnerschaft mit Uber Eats könnte Prime für US-Kunden attraktiver machen, sofern aus dem Lieferangebot wiederkehrende Nutzung entsteht. Seit Donnerstag können Prime-Mitglieder Restaurantbestellungen über Amazons Website und App aufgeben.

Bei berechtigten Bestellungen ab 25 US-Dollar entfällt die Liefergebühr. Für Anleger steht damit eine konkrete Frage im Mittelpunkt: Kann Amazon die Mitgliedschaft stärker im Alltag verankern und dadurch Kunden länger binden?

Das Angebot ersetzt die bisherige Grubhub-Leistung und umfasst knapp 10.000 Städte und Gemeinden in den USA. Ein separates Uber-Konto ist dafür nicht erforderlich. Lebensmittelbestellungen sind von der neuen Leistung ausgenommen.

Anleger müssen bewerten, ob Amazon damit einen zusätzlichen Grund für die Verlängerung von Prime schafft. Die Chance liegt in der Verbindung von Restaurantbestellungen mit Amazons bestehender App. Wirtschaftlich überzeugend wäre sie, wenn Kunden diesen Zugang regelmäßig verwenden und die Mitgliedschaft dadurch höher bewerten.

Entscheidend wird die Nutzung nach dem Startangebot

Die entscheidende Größe ist deshalb die wiederkehrende Nutzung nach den Einführungsrabatten. Zum Start gibt es 20 US-Dollar Rabatt auf die ersten zwei Bestellungen ab 25 US-Dollar. Das Angebot gilt in den ersten 14 Tagen. Diese Anreize können den ersten Versuch erleichtern; für die langfristige Kundenbindung zählt dagegen das Verhalten nach ihrem Auslaufen.

Eine höhere Bestellhäufigkeit wäre für Amazon besonders wertvoll, sofern sie den wahrgenommenen Nutzen von Prime dauerhaft erhöht. Bei einem bestehenden Abonnement führt eine zusätzliche Nutzung zunächst vor allem zu mehr Kundenkontakt. Ein wirtschaftlicher Vorteil könnte entstehen, wenn Mitglieder deshalb seltener kündigen oder häufiger weitere Amazon-Angebote nutzen.

Prime kostet in den USA monatlich 14,99 US-Dollar oder jährlich 139 US-Dollar. Der Restaurantvorteil muss sich aus Kundensicht in dieses Leistungspaket einfügen. Für die Anlageentscheidung spricht das Angebot daher vor allem dann, wenn es die Bindung bestehender Mitglieder verbessert.

Ein bequemer Zugang könnte Gewohnheiten verändern

Für das positive Szenario spricht die unmittelbare Integration in Amazons Website und App. Kunden können Restaurantlieferungen dort bestellen, wo sie bereits andere Einkäufe erledigen. Wenn dieser Zugang als bequemer empfunden wird, könnte Amazon zusätzliche alltägliche Kontakte gewinnen und Prime über den klassischen Warenkauf hinaus aufwerten.

Auch die Größenordnung von Uber Eats bietet einen Ansatzpunkt. Uber meldete für das dritte Quartal 2026 weltweit rund 55 Millionen Uber-One-Mitglieder. Diese standen für 70 Prozent der Bruttobuchungen im Liefergeschäft.

Die Angaben zeigen die Bedeutung von Mitgliedschaftsprogrammen innerhalb des Uber-Geschäfts. Für Amazon wäre ein vergleichbarer Bindungseffekt attraktiv, sofern Prime-Kunden den neuen Bestellweg dauerhaft annehmen. Wiederkehrende Restaurantbestellungen könnten dann einen regelmäßigen Anlass schaffen, die Amazon-App zu öffnen.

Amazon beziffert mögliche jährliche Ersparnisse auf über 175 US-Dollar. Die Berechnung beruht auf einer typischen jährlichen Bestellzahl und vergleicht mit Bestellungen ohne Uber One. Sie ist nicht garantiert. Der Vorteil dürfte deshalb vor allem für Kunden überzeugen, deren tatsächliches Bestellverhalten zur Berechnung passt.

Höhere Mindestbestellungen könnten Kunden abschrecken

Das ernsthafte Gegenargument liegt in den Konditionen. Bei der bisherigen Grubhub-Leistung entfiel die Liefergebühr bereits ab 12 US-Dollar. Uber Eats setzt die Schwelle bei 25 US-Dollar an. Für kleinere Restaurantbestellungen könnte der Partnerwechsel deshalb weniger attraktiv sein.

Hinzu kommen weiterhin Servicegebühren, Steuern und Trinkgeld. Der tatsächliche Nutzen hängt somit von der jeweiligen Bestellung ab. Wenn Kunden vor allem den Einführungsrabatt ausschöpfen und anschließend zu anderen Bestellwegen zurückkehren, bliebe der mögliche Bindungseffekt begrenzt.

Auch Überschneidungen mit bestehenden Uber-One-Mitgliedschaften könnten die zusätzliche Attraktivität von Prime mindern. Das wäre insbesondere dann relevant, wenn Kunden vergleichbare Vorteile bereits anderweitig nutzen. Für diese Gruppe müsste vor allem die bequemere Bestellung innerhalb von Amazon überzeugen.

Aus Anlegersicht liegt das Risiko damit in einem begrenzten zusätzlichen Nutzen: Die Partnerschaft könnte zwar Aufmerksamkeit erzeugen, aber zu wenig am dauerhaften Kundenverhalten ändern. Erst eine anhaltende Nutzung würde die These einer stärkeren Prime-Bindung tragen.

Nach den Rabatten beginnt die Bewährungsprobe

Solange Kunden den Bestellweg auch nach den Startanreizen nutzen, spricht die Partnerschaft für eine stärkere Verankerung von Prime im Alltag. Fällt die Nachfrage nach den Rabatten deutlich zurück, würde dagegen die höhere Mindestbestellung als mögliche Hürde stärker ins Gewicht fallen.

Ein konkreter Termin ist der 5. Dezember. Bis dahin erhalten Prime-Visa-Kunden auf Uber-Eats-Bestellungen 5 Prozent Rückvergütung. Das Ende dieser Aktion bildet einen weiteren Prüfpunkt für die Attraktivität des Angebots ohne zusätzliche Anreize.

Für Anleger entscheidet sich der Wert der Kooperation somit an ihrer Dauerwirkung. Wiederkehrende Nutzung und eine bessere Mitgliederbindung würden für Amazons Ansatz sprechen. Dominiert dagegen die kurzfristige Rabattnachfrage, wäre der Beitrag zur Stärkung von Prime entsprechend begrenzt.

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